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Dienstag, 18.06.2019

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Rußhütten-Wirtin: Hart gearbeitet und immer lustig

Maria Haberberger ist mit ihren 90 Jahren die Seniorin und die gute Seele im Haus - 09.06.2019 09:00 Uhr

Zufrieden blickt die frühere Wirtin Maria Haberberger von der Rußhütte auf 90 Lebensjahre zurück, die von viel Arbeit geprägt waren. © Foto: Brigitte Grüner


Immer wieder ein Augenzwinkern, ein verschmitztes Lächeln – Maria Haberberger ist ein Mensch, der nicht nur hart arbeiten, sondern auch lustig sein und feiern kann. Auch als sie "guter Hoffnung" war, habe sie bis zuletzt getanzt "wie der Lump am Stecken", erzählt sie. "Guter Hoffnung" – wie man früher werdende Mütter beschrieb – war die gebürtige Oberbayerin fünf Mal.

Leben mit der Großfamilie

Obwohl sie selbst ein Einzelkind war, hat sie inzwischen eine Großfamilie mit fast 30 Personen. Die fünf Kinder Richard, Rudi, Michael, Brigitte und Renate sind längst verheiratet und haben Familien gegründet. Neun Enkelkinder und zwei Urenkel gehören inzwischen zur engeren Verwandtschaft. Bei der Kirwa auf der Rußhütte sind alle dabei. In Küche und Service gibt es nur Familienmitglieder sowie deren Partner oder Geschwister. Auch Stammgäste helfen gerne mal mit. Eine darf dabei nicht fehlen: Maria Haberberger ist nicht nur die Seniorin im Haus, sondern auch die gute Seele, die noch immer viel hinter den Kulissen leistet.

Kartoffeln schälen, Salat putzen, Schnittlauch schneiden oder Besteck wickeln sind Tätigkeiten, die auch im Sitzen möglich sind. Nach einem Sturz im vorigen Jahr ist die langjährige Wirtin nämlich auf einen Stock oder bei Spaziergängen auf den Rollator angewiesen. Das hindert sie nicht daran, zu helfen wo es ihr möglich ist. Wäsche zusammenlegen und Socken sortieren gehören ebenso zu den Arbeiten, die sie noch gerne übernimmt. Ansonsten löst sie Kreuzworträtsel oder spielt Karten.

Eigentlich wollte sie gar nicht auf die Rußhütte ziehen, doch inzwischen ist das Anwesen seit über 60 Jahren ihre Heimat. Maria Haberberger, eine geborene Hell, ist im oberbayerischen Ampfing aufgewachsen. Schon mit 16 Jahren ging sie in eine Stellung als Haushälterin. Über den Sohn der Familie lernte sie den Auerbacher Richard Haberberger kennen und später lieben. Zehn Jahre habe er ihr immer wieder geschrieben, erzählt sie. Als sie guter Hoffnung war, heiratete das Paar im Januar 1957 bei minus 28 Grad in der Heimat der Braut.

Auf die abseits der Stadt gelegene Rußhütte wollte sie nicht. Im Sommer überredete Richard seine Maria zu einer Woche Erholung in seinem Elternhaus. Und sie blieb, obwohl das tägliche Leben damals alles andere als einfach war. Es gab weder fließendes Wasser noch Strom. Wasser holte die Familie von einer nahe gelegenen Quelle. Als Licht dienten Karbidlampen. Erst 1964 wurde das Anwesen an das Stromnetz angeschlossen, drei Jahre später an die Wasserversorgung. Später holte sie auch ihre verwitwete Mutter nach, die 19 Jahre bis zu ihrem Tod auf der Rußhütte lebte.

Maria Haberberger war immer tatkräftig und war sich für keine Arbeit zu fein. Als die Gaststätte 1971 erweitert wurde, hat sie den ganzen Tag mit gemauert, während sich Tante Marie um die Kinder kümmerte. Auch an viele Gespräche im Landratsamt Eschenbach wegen der Baugenehmigung erinnert sie sich noch gut. Da das Anwesen in der weiteren Zone des Wasserschutzgebietes Ranna liegt, gab es zunächst Widerstand der Behörden.

Da der Ehemann ein Fuhrunternehmen hatte und oft unterwegs war, hatte die Mutter und Wirtin einen langen Arbeitstag. Um 5 Uhr war sie schon im Stall, obwohl sie oft erst um 2 Uhr ins Bett kam, als endlich die letzten Gäste gegangen waren. Das ging etwa 40 Jahre lang so. Den Führerschein hat sie nie gemacht. "Da wäre ich am Ende nur das Taxi für die Kinder und die Gäste gewesen und wäre zu keiner anderen Arbeit mehr gekommen", sagt sie mit Nachdruck.

Trotz der vielen Arbeit war sie immer zufrieden. "Wir führten eine Bilderbuchehe", blickt sie mit etwas Wehmut zurück. Allerdings hat das Paar die Silberhochzeit vergessen, da zu der Zeit ein Fremdenzimmer nach dem anderen eingerichtet wurde und den ganzen Tag über viel zu tun war. Ihr Richard ist schon 1990 verstorben. Ein Jahr später übergab sie das Wirtshaus an Sohn Michael und Schwiegertochter Caroline.

Danach hatte Maria Haberberger etwas mehr freie Zeit, die sie gut nutzte. Regelmäßig ging sie – bis zu ihrem Sturz im Vorjahr — zur Gymnastik und hielt sich damit fit. Selbst bei der Hochzeit von Enkelin Sabrina vor einem Jahr hat die Oma noch getanzt und Teufelsgeige gespielt. Die Söhne sind ebenfalls musikalisch, sie haben alle bei der Knabenkapelle gespielt. Busgruppen wurden von der Familie oft mit Musik verabschiedet.

Mit der Kapelle in Spanien

Mit der Knabenkapelle war Maria Haberberger 1995 in Spanien. Einer der Enkel war damals erst zwölf Jahre alt und durfte nur mit Begleitperson mitreisen. Statt der Mutter nahm er seine 66-jährige Oma mit. Am Pfingstsonntag wird sie 90 Jahre alt. Sie ist bereits ein wenig aufgeregt vor diesem Tag. Obwohl einige Stammgäste und Angehörige eingeladen sind, ist das Gasthaus Rußhütte wegen des Pfingstfeiertags nicht geschlossen. Stattdessen feiert Maria Haberberger am Wochenende darauf mit ihrer Großfamilie den runden Geburtstag.

Ich habe

getanzt wie

der Lump

am Stecken 

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