Donnerstag, 17.10.2019

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Samba: Trommelwirbel für eine heiße Show

Silvia Eger legt in ihrer Freizeit den Justiz-Job in die Ecke und pfeift für eine fast brasilianische Trommlerbatteria - 25.02.2012 17:54 Uhr

Die schönen Tänzerinnen sind Brasilianerinnen, die im Alltag ganz normal in Erlangen leben — meist als Ehefrauen von Siemens-Mitarbeitern. Silvia Eger (ganz rechts) weiß: Wenn sie auf die Bühne treten, muss ihre „Batteria“ zurückstecken. Dann blicken die Zuschauer nur noch auf die Show der Damen. © privat


Was ist eine „Batteria“? Eine brasilianische Gruppe von Trommlern. Und die gibt’s in Erlangen. Zu der stieß die Oberpfälzerin aus dem kleinen Püchersreuth (an der Waldnaab), weil sie einmal eine Kollegin im Zimmer hatte, „die auch über fünf Ecken dazu gekommen war“. Die nahm sie mit. „Ich blieb dabei. Es war ergreifend. So eine faszinierende Musik!“

Silvia Eger in Aktion. Mit einer Trillerpfeife leitet sie ihre „Batteria“. Besondere Handzeichen kommandieren spezielle Einsätze. Alles wird sonntags Hunderte Male im Erlanger Studio geübt.


Silvia Eger, heute in Pegnitz und Nürnberg daheim, hat das Glück, Rhythmusgefühl im Blut zu haben. Darum leitete sie auch in den letzten drei Jahren die „Batteria“, mit der Dirigentenpfeife im Mund und mit genau festgelegten Handzeichen für die „breaks“, die Sonderaktionen.

Sie gründete sogar eine zweite Gruppe. „Ich brauchte wieder einen Kick.“ Die traf sich lange in Fürth und sammelte die besten Trommler aus ganz Bayern. „Verrückte Leute. Es war sehr spannend.“

Im Moment ist ein Brasilianer im Land, der Workshops gibt. Dieser Jonas hat daheim in Rio 350 Trommler und Sänger unter sich, die er mit einer unglaublichen Gelenkigkeit bis in die letzte Reihe hinein perfekt dirigiert. Seine Arme und Beine fliegen nur so. „Das ist der adligste Typ, den ich je geseh’n hab“, kommentiert Silvia Eger.

Er weiht ihre „Escola di Samba Primeira de Erlangen“ in die Samba-Finessen ein, mit Instrumenten wie Surdo, Cuica, Caxixi, Repinique, Tambourim, Berimbau, Reco-Reco, Chocalho (Schelle), Ganzá und Agogo (Glocke).

All diese Dinge sorgen, präzise geschüttelt und geschlagen, für einen Sound wie im rasanten italienischen Sommerhit, voller Lebensfreude.

Mit Lothar Matthäus

Und wie entstand die Erlanger „Batteria“? Sie ist eine Tochter des großen „Deutsch-Brasilianischen Vereins“, der durch die weltweiten Siemens-Aktivitäten entstand. Und wo tritt sie auf? Schon bei der „Kieler Woche“, bei einer Fußball-Pressekonferenz in Frankfurt mit Lothar Matthäus, bei der Fußball-WM, in Thüringen, bei Geburtstagen und Firmenfeiern.

Und beim Samba-Festival in Coburg. „Das ist der Höhepunkt. Immer am zweiten Juli-Wochenende. Das ist ein Muss. Das größte Sambafest Europas.“

Silvia Eger schwärmt von den 1000 Sambistas, den 70 Gruppen und ihrem Flair. Die Trommler und Tänzer reisen aus Schweden und Japan an, von Italien und aus Paris.

Ihre eigene „Batteria“ holt heiße Brasilianerinnen aus Erlangen dazu, die ein exhibitionistisches Show-Gen in sich haben. Trotz breit schwingender Federbüsche enthüllen sie, was nur geht.

Die Trommler um Silvia Eger tragen in Coburg breite, mit Gold verbrämte Schulterkostüme. Ihr prächtiger Kopfschmuck beeindruckt — und drückt. „Das hältst du kaum aus. Aber es ist mal Glitzer pur.“

In Rio

Doch Coburg ist nur ein Ableger von Rio de Janeiro. Silvia Eger war zweimal dort. Sie erzählt packend von ihren letzten vier Wochen in Brasilien, von den Workshops, vom Treffen mit einer Deutschen, die über Samba promoviert hat, von den Fahrten zu großen Sambaschulen am Rand der Favelas. „Wir waren uferlos auf Veranstaltungen. Die Gruppen dort haben ja 2000, 3000 oder 4000 Mitglieder. Die Proben an den Wochenenden fangen auch erst um 23 Uhr an und gehen bis vier Uhr morgens. Das ist ziemlich abgefahren.“

Sie war auch im Stadion „Sambodromo“ und bei einem Testlauf für den Karneval, wo der Durchzug durch eine bestimmte Straße geübt wird, später von einer Jury beäugt. „Die Leute dort geben ihr ganzes Geld für den Karneval aus. Er gibt ihnen Energie.“

Aber wie viel Schmiergeld fließt, wie viele Sponsoren aus dunklen Ecken beeinflussen die Jury? Wie oft lassen die Top-Gruppen („wie unsere Bundesliga“) dem besseren Konkurrenten keine Chance, weil alles abgekartet ist? „Es ist hochinteressant.“

Silvia Eger schenkte ihrem Pegnitzer Freund übrigens schon mal Sticks, damit er mittrommelt. Aber er will nicht. Er will nicht zu den 25 trommelnden Erlangern gehören, die Ärzte und Ingenieure sind, Krankenschwestern und Studenten. Der jüngste ist 22, der älteste 70. „Total interessant“, findet Silvia Eger.

tk

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