Sana Klinik: Protestaktion fand großen Zuspruch

12.5.2021, 17:31 Uhr
Etwa 30 Angestellte zeigten am Tag der Pflege der Sana AG die Rote Karte. „Wir sollen noch mehr für noch weniger Geld arbeiten“, sagte Christine Layritz.

Etwa 30 Angestellte zeigten am Tag der Pflege der Sana AG die Rote Karte. „Wir sollen noch mehr für noch weniger Geld arbeiten“, sagte Christine Layritz. © Foto: Christian Weidinger

 Die private Krankenhausgruppe Sana Kliniken will bayernweit zum Ende des Jahres das Arbeitsverhältnis mit 202 Mitarbeitern ihrer Tochtergesellschaft Sana DGS pro.Service beenden. Konkret handle es sich um Stellen in Hof und Pegnitz, sagte Unternehmenssprecher Pascal Nebling am Mittwoch.

"Wir alle sind wichtig, wir alle sind ein Krankenhaus", sagte Silvia Flügel, die den Protest organisierte. Die Betriebsrätin zielte mit ihrer Aussage auf die Entlassung bei der DGS pro.service GmbH ab. Wie berichtet, sollen als Sparmaßnahme zehn Mitarbeiter des hauseigenen Dienstleisters bis Jahresende ihre Arbeit verlieren. Flügel appellierte an ihre Chefs: "Bedenkt noch ein Mal, was ihr da tut. Es handelt sich dabei nicht um Zahlen, sondern um Menschen!"

Eine von ihnen ist Christine Layritz. Sie hat noch keine Ahnung, wie es im Herbst beruflich weiter gehen soll. "Ich habe nur über Umwege erfahren, dass mein Job im September wegfallen soll", erzählt sie. Persönlich gesagt hat ihr das niemand. "Ich fühle mich ausgenutzt und bin schwer enttäuscht", bekennt Layritz. Sie arbeitet als Hol- und Bringdienst, aber eigentlich sei sie "das Mädchen für alles". Sie besorgt Medikamente, bringt Blutproben ins Labor, kümmert sich um die Müllentsorgung und versucht, den Transport für alte Menschen so schonend wie möglich zu organisieren.

Möglicherweise darf sie das Anfang Oktober sogar weiterhin tun, allerdings für deutlich weniger Lohn. Sie habe gehört, dass sie und ihre Kollegen möglicherweise bei einem neuen Subunternehmen eine Stelle finden könnten – welches wiederum für die Sana Klinik arbeitet. "Dann sollen wir am Ende noch mehr für noch weniger Geld machen", meint Layritz. Das Unternehmen bestätigte diese Gerüchte nicht.

Dabei wäre Christine Layritz dazu bereit, richtig anzupacken, wie sie sagt. "In der Pflege herrscht doch überall Notstand. Ich würde gerne dort arbeiten, schließlich kümmere ich mich schon jetzt den ganzen Tag um unsere Patienten". Bis zu 15 Kilometer laufe sie dabei jeden Tag – "und am Ende werden wir vergessen".

"Sündenfall der Privatisierung"

"Hier sieht man den Sündenfall der Privatisierung", meint Eckhard Schneider, Seelsorger des Erzbistums Bamberg und zuständig für die betriebliche Seelsorge. In den letzten Jahren habe sich in der Pflege nichts verändert; zumindest nicht zum Guten. Mit Sorge beobachtet er, dass Beschäftigte in der Pflege nur noch als Wirtschaftsfaktor behandelt werden – und kaum noch als Mensch. "Es geht nur noch um Nummern und um noch mehr Geld", sagt der Seelsorger. Dass jetzt zehn Mitarbeiter gehen oder für noch weniger Geld arbeiten sollen, stelle das unter Beweis.

Das Tagesgeschäft gehe indes unverändert weiter. Unruhe und Spannungen unter den Beschäftigten wachsen ständig an; einer werde gegen den anderen ausgespielt. "Wer sind denn die Guten? Die, die sagen: Nein, ich springe nicht ein, damit ihr seht wie schlecht eure Personalplanung ist? Oder jene, die ihre Kollegen nicht im Stich lassen wollen?", sagt Schneider, der selbst Mitglied bei Verdi ist.

Allerdings: Auch die Kirche ist Träger von sozialen Einrichtungen. Die Arbeitsbedingungen in der Pflege sind dort häufig nicht besser. "Ja, das stimmt. Es war falsch, dass die Caritas die Tariflöhne nicht anerkannt hat", meint Schneider. Fatal sei das für das Image gewesen, sowohl für den Träger als auch für die Beschäftigten. Das Erzbistum, in dessen Auftrag er an der Protestaktion vor dem Krankenhaus teilnahm, habe das eingesehen. Der Erzbischof von Bamberg unterstütze nun die Forderung der Pflegekräfte nach besseren Arbeitsbedingungen. Kommende Woche finde deshalb ein Gespräch mit Angestellten und Gewerkschaftern statt.

Einer von ihnen war bereits zu der Protestaktion vor der Klinik angereist. "Wir stehen solidarisch an eurer Seite! Ihr habt unsere volle Unterstützung", betont Frank Bodenschatz, Regionalsekretär beim DGB. Die Situation in der Pflege sei schon vor der Corona-Pandemie schlecht gewesen. Die Politik habe stets viel versprochen und wenig gehalten, um das zu verbessern.

Gerade für Beschäftigte in einem Dienstleistungsunternehmen wie DGS pro.service seien die Arbeitsbedingungen noch schlechter. Wenn jetzt Arbeitsstellen immer weiter ausgelagert werden, würde sich das zwangsläufig auf das gesamte System auswirken. "Dagegen werden wir mit allen Mitteln ankämpfen", meint der DGB-Regionalsekretär.

Die Sana-Klinik sieht das ganz anders und verweist auf den Gesetzgeber und dessen "Vielzahl von regulatorischen Projekten und Gesetzen im Gesundheitswesen". Dazu gehöre auch das von der Bundesregierung verabschiedete Pflegepersonal-Stärkungsgesetz, das die Ausgliederung der Pflegepersonalkosten aus dem System der Fallpauschalen vorschreibt. Die Kosten fürs Pflegepersonal sollen über das Pflegebudget bezahlt werden.

Auch die Anforderungen an den Dienstleistungssektor im Krankenhaus hätten in den vergangenen Jahren "deutlich zugenommen", wie es in einer Mitteilung des Konzerns heißt. Die Prozesse seien "insgesamt zunehmend komplexer". Besonders stark sei dies in den Teilbereichen Reinigung, Service und krankenhausinterne Logistikdienstleistungen festzustellen – also bei der DGS pro.service GmbH.

Pressesprecher Pascal Nebling sagt, dass bei der Finanzierung dieser patientennahen Tätigkeiten – ebenso – über das Pflegebudget ab 2021 auch etwas anderes entscheidend sei: nämlich "der berufliche Qualifikationsbezug" der Mitarbeiter. Denn für Mitarbeiter im patientennahen Dienstleistungsbereich sei "heute weitestgehend eine mindestens einjährige Berufsausbildung gefordert". Eben dies mache die Neustrukturierung von patientennahen Tätigkeiten erbringenden Dienstleistungsunternehmen erforderlich. "Die Sana DGS pro.service GmbH in ihrer aktuellen Struktur kann den zukünftigen Herausforderungen daher nicht mehr ausreichend zufriedenstellend gerecht werden", heißt es in einer Presse-Erklärung.

Inzwischen steht auch fest, wann die Verhandlungen zwischen Arbeitgeber und -nehmer stattfinden: Am 20. und 27. Mai. Ende April war bereits bekannt geworden, dass bei der Tochtergesellschaft Sana DGS pro.Service zum Ende des Jahres bundesweit rund 1000 Stellen wegfallen sollen. Sana ist eigenen Angaben zufolge einer der größten privaten Klinikbetreiber Deutschlands. Bundesweit betreibt das Unternehmen über 50 Krankenhäuser.

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