Sonntag, 11.04.2021

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Sana-Klinik schließt Geburtenstation

Dafür soll die Intensivstation der Klinik erweitert werden - 30.10.2020 15:15 Uhr

Wo bis zum 28. Februar noch regelmäßig Babys geboren wurden, sollen demnächst Menschenleben gerettet werden. Aus der Geburtenstation wird eine moderne Intensivstation.

30.10.2020 © Foto: Archiv/Klaus Trenz


Die Sana Klinik schließt die Geburtenstation und erweitert dafür ihre Intensivstation, um die medizinische Versorgung im südlichen Landkreis Bayreuth mit seiner immer älter werdenden Bevölkerung weiter zu verbessern und zu stärken. Geplant ist, die aktuelle Nutzfläche zu verdreifachen, um den immer weiter steigenden Anforderungen moderner Intensivmedizin Rechnung tragen zu können. Gleichzeitig sieht sich die Klinik gezwungen, ihre geburtshilfliche Abteilung zu schließen, da für deren im Januar unerwartet verstorbenen Leiter, Dr. Florian Heirler, kein Nachfolger gefunden werden konnte. Die ambulante gynäkologische Versorgung bleibt indes erhalten. Das geht aus einer Pressemitteilung der Klinik hervor.

"Unsere aktuelle Intensivstation besteht aus einem Vier- und einem Dreibettzimmer. Da diese Infrastruktur als Grund- und Regelversorger nicht mehr zeitgemäß ist, möchten wir sie nun auf den neuesten Stand der Technik bringen. Dass hier Handlungsbedarf besteht, hat uns nicht zuletzt auch die Corona-Pandemie nochmals vor Augen geführt", erklärt Petra-Marié Rinsche-Förstel, Geschäftsführerin der Sana Klinik Pegnitz.

Deutliche Verbesserung

Man habe die Erweiterungs- und Erneuerungsplanungen bei einer Aufsichtsratssitzung erläutert und von den Gremiumsmitgliedern Zustimmung dafür erhalten. "Für unsere Patienten wird die Modernisierung der Intensivstation eine deutliche Verbesserung der medizinischen Versorgungsqualität bedeuten", so die Geschäftsführerin weiter.


Lohnplus für die Mitarbeiter der Sana-Klinik


Bürgermeister und Klinik-Aufsichtsratsmitglied Wolfgang Nierhoff sagte: "Dass die Geburtshilfe geschlossen wird, stimmt mich als Pegnitzer sehr traurig. Ich selbst wurde hier geboren, und die Geburtsstation war jahrzehntelang überregional eines unserer Aushängeschilder. Die Sana Klinik hat alle Anstrengungen unternommen, um die Lücke, die Dr. Heirler hinterlassen hat, zu schließen – doch leider ohne Erfolg. Dennoch bietet dieser schmerzliche Schritt auch Chancen: Pegnitz befindet sich nahezu im geographischen Mittelpunkt zwischen den Schwerpunkt- und Maximalversorgern der Region, da ist eine fundierte Intensivmedizin der Grund- und Regelversorgung für die wohnortnahe Versorgung essentiell und kann so zudem langfristig für das Klinikum – und somit auch für die Stadt und die Region – gesichert werden."

Die Planungen sehen vor, die Nutzfläche der Intensivstation von aktuell 111 auf 357 Quadratmeter zu erweitern. Dazu sollen bis zu acht Bettenplätze entstehen, was bedeuten würde, dass man die Zahl der geforderten sechs vorzuhaltenden Intensivbetten im Rahmen der Basisnotfallversorgung sogar noch übertreffen würde. "Zukünftig sollen außerdem zwei Bettenplätze mit einer Schleuse ausgestattet werden, wodurch dann auch Einzelisolationen möglich sind. Ein Sachverhalt, der durch Corona nochmals an Bedeutung gewonnen hat. Zudem streben wir ein so genanntes Integrationsmodell an: Das bedeutet, dass die Patientenzimmer künftig so ausgestattet werden sollen, dass die Betten sowohl für die Intensivtherapie als auch für die Intensivüberwachung genutzt werden können und somit dem neuesten Stand der Medizintechnik entsprechen werden", erläutert Rinsche-Förstel.

Mit der Erweiterung der Intensivstationen werde man das Modell der "kurzen Wege", das einen zentralen Aspekt der modernen Krankenhausplanung darstelle, ohne aufwendige Anbaumaßnahmen an das Klinikgebäude realisieren. "OP-Bereich und Intensivstation befinden sich dann quasi Tür an Tür – ohne eine räumliche Trennung oder Unterbrechung, wie es aktuell noch der Fall ist. Auch für unsere Mitarbeiter wird dies einen deutlichen Mehrwert bedeuten", ist sich die Geschäftsführerin sicher.

Schwierige Arztsuche

Möglich wird dies, da die beiden seit 28. Februar zwangsweise stillgelegten Kreißsäle, die seit Beginn der Corona-Pandemie bereits als Überwachungseinheit für Covid-19-Patienten genutzt werden, und seither Teil der eigentlichen Intensivstation sind, dann auch offiziell eine neue Bestimmung haben und entsprechend umgebaut werden sollen.

"Leider spüren wir auch in Pegnitz den Trend, dass es immer schwieriger wird, Mediziner für den außerstädtischen Raum zu begeistern", sagte Rinsche-Förstel mit Blick auf die vergebliche Suche nach einem neuen Arzt für die Geburtshilfe. "Junge Ärztinnen und Ärzte suchen nach Festanstellungen in der Stadt." Die Suche auf allen Kanälen sei daher ergebnislos geblieben – sogar das Engagement eines Head-Hunters und eine Suche im benachbarten Ausland seien erfolglos gewesen.

"Es ist enttäuschend, dass keine Bewerbungen eingegangen sind – nicht einmal eine lose Anfrage. Der Schritt, unsere geburtshilfliche Abteilung nun endgültig zu schließen, ist leider alternativlos – auch wenn er uns nicht leichtfällt", erklärt Rinsche-Förstel. Sie teilt mit, dass die ambulante Versorgung der Patientinnen aus Pegnitz weiterhin durch Dr. Berit Porzelt im Rahmen des Sana MVZ Gynäkologie gewährleistet bleibe.

Bei aller Wehmut habe der unausweichliche Schritt der Schließung der Geburtshilfe auch eine Chance geboten: "Da, wo wir bis zum 28. Februar Leben geschenkt haben, können wir künftig noch besser dabei helfen, Leben zu verlängern – egal ob nach Operationen, Krankheiten oder Unfällen", so Rinsche-Förstel.

NN

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