Montag, 08.03.2021

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Schauspiel in der Fränkischen Schweiz: Hexe Anna am Pranger

Premierenveranstaltung zur Hexenjagt in Pottenstein - 22.09.2020 07:30 Uhr

Thomas Büttner (im Bild rechts) inszinierte die Hexenjagd. Links sein ehelicher Sohn Görch und in der Mitte Hexe Anna, die am Pranger stand.

21.09.2020 © Foto: Rosi Thiem;


Langsam wurde es dunkel über der Felsenstadt. Eine zufällige Krähe kreischte über dem Abendhimmel. Das passte – denn die Hexenjagd begann. Um die 40 Teilnehmer hatten sich am Samstagabend getroffen. Der Schmied von Pottenstein – gespielt von Thomas Büttner – suchte mit den Versammelten und seinem "ehelichen" Sohn Görch – gemimt von Marco König aus Wendelstein – die Hexe. Diese sollte für alle Geschehnisse in Pottenstein verantwortlich sein.

Es war das Jahr 1738. "Das schlimme Hochwasser 1718 und das verheerende Feuer vor etwa zwei Jahren ist allein der Hexe Anna zuzuschreiben", klagte der Schmied an.

"Es gibt ein halbes Dutzend Zeugen, die beobachtet haben wollen, wie diese Hexe mit dem schwarzen Pulver magische Praktiken vollzogen hat. Schwarze Magie ist im Spiel", betonte er bedrohlich, der inzwischen mit der Gruppe bei seinem Geburtshaus anlangte. Hier trafen sie auf Anna, gespielt von Antje Güllner aus Mistelgau, die für alle Unglücke als Hexe angeprangert wurde.

Feuer gelegt

"Du hast oben am großen Westtor Feuer gelegt und dich anschließend in eine Katze verwandelt", richtete der Schmied. Die Hexe wurde gefangen genommen und in stockdunkler Nacht anklagend durch verschiedene historische Stationen, wie das alte Brauhaus, gezogen.

Alle Gäste folgten gespannt, was nun so nach und nach ans Licht kam. "Schau ihr nicht in die Augen — ihr Blick könnte euch treffen", warnte Büttner die neugierigen Menschen, die sich um die Hexe reihten.

Hexenjagd in Pottenstein: Die Premierenveranstaltung zog am Wochenende viele interessierte Teilnehmer an. Für die historische Darbietung mit einer überraschenden Wendung am Ende gab es danach viele lobende Worte.

21.09.2020 © Foto: Rosi Thiem


Eine Familie aus dem Hummeltal war begeistert und schon das zweite Mal bei einer Führung in Pottenstein dabei: "Wir haben schon die Nachtwächterführung mitgemacht und sind auch heute wieder gerne dabei", erzählten sie und lauschten vor dem Bürgerhaus, was es der Hexe vorzuwerfen gab.

Eine erstaunlich am Ende der Premierenveranstaltung: Die Hexe kam frei und es wurde die Frage gestellt: "Sind es immer nur die anderen? Es liegt an uns, uns mal andere Gedanken zu machen. Meine Zukunft bestimme ich, mit meinen Gedanken", mahnte der Schmied, alias Thomas Büttner am Ende. Ein zustimmender Applaus folgte.

Bei der Auftaktveranstaltung, die am 24. Oktober wiederholt wird, erwartete die Gästen am Ende noch eine kleine geschichtliche Einführung in das Leben des 18. Jahrhunderts durch den Fränkische-Schweiz- Museumsleiter Jens Kraus. "Wenn man damals an den Pranger gestellt wurde, war man gesellschaftlich fertig. Man konnte nicht mehr heiraten und der Ruf war vorbei", zeigte er in Details auf. Dabei erfuhren die interessierten Teilnehmer dass nicht aus Liebe, sondern in gleichen Schichten geheiratet wurde. Und was es mit Kindsmorden, Mägdeleben und dem Wandel von Galgen und Scheiterhaufen bis zum Zuchthaus auf sich hatte.

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Auch 2020 verwandelte sich am Dreikönigstag die Felsenlandschaft rund um Pottenstein in ein Meer aus Flammen. Tausende Besucher wohnten dem großen Prozessionszug bei, der sich durch die festlich geschmückten Straßen der historischen Altstadt von Pottenstein schlängelte. Im Hintergrund loderten über 1000 Feuer auf den Felsenwänden und sorgten für magische Stimmung.


Das benachbarte Tüchersfeld war damals Ausland, da es Trockauer Gebiet war, während Pottenstein zum Hochstift Bamberg gehörte. "Diese Veranstaltung ist eine andere Art der Vermittlungsarbeit", lobte Kraus. Er meinte, über diese Führungen lasse sich spielerisch Geschichte transportieren. "Wenn die Menschen nach der Veranstaltung zuhause darüber diskutieren, dann ist das Ziel erreicht", war er sich mit Büttner einig. Thomas Büttner, der neben dieser Veranstaltung auch ganzjährig wechselnde Themen wie Fledermaus- Stadtherold- und Scharfrichterführungen anbietet, zeigte sich zufrieden, auch in Coronazeiten. "Die Busgruppen fehlen heuer leider, doch es sind mehr Einzelpersonen da."

Die Saison läuft von Ostern bis Allerheiligen. Auch in den Weihnachtsferien gibt es Sonderveranstaltungen. Das Drehbuch dazu schreibt Büttner selbst. Zu diesem brauchte er zwei Monate Vorlaufzeit.

Bei jedem Wetter

Für 2021 ist die Hexenjagd fester Bestandteil seiner thematischen Führungen. Die Touren finden auch weiterhin bei jedem Wetter statt.

Ein Drittel der Teilnehmer, so zeigte er auf, werde von Einheimischen belegt, ein weiteres Drittel füllen die Urlaubsgäste und die restliche Zahl besteht aus Interessierten aus der weiteren Umgebung.

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Für den anwesenden Thomas Bernard, den Leiter der Touristinfo Pottenstein, sind die Führungen eine runde Sache: "Thomas Büttner bereichert das touristische Angebot auf eine kurzweilige und theatralische Weise. Er lässt die Geschichte unseres Felsenstädtchens für alle lebendig werden", lobte er im Anschluss.

"Begeisterte Gäste geben uns Rückmeldung und meinen, sie hätten nicht gewusst, was Pottenstein so zu erzählen hat. Da kann ich nur sagen Kompliment und weiter so."


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Rosi Thiem

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