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Dienstag, 21.05.2019

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Schießübungen reißen Kinder aus dem Schlaf

Stadt misst mit eigenem Gerät über 100 Dezibel und beschwert sich umgehend bei US-Armee und Bundeswehr - 24.01.2019 21:44 Uhr

Aus vollen Rohren haben die Militärs bis weit in den Mittwoch hinein geschossen und Auerbach im Westen mit Kanonendonner förmlich überzogen. Am Donnerstag war es nach Protesten still. © Foto: Markus Rauchenberger


"Dieses Thema bewegt mich, vor allem aufgrund der jahrzehntelangen Ignoranz unserer Ämter, Behörden und der Politik" bringt es ein verärgerter Bürgermeister Joachim Neuß (FW/AA) auf den Punkt. Ganz Auerbach sei von dem extremen Schießlärm-Terror belästigt worden.

Offenbar haben wieder großkalibrige Panzerfahrzeuge aus Stellungen nahe des Steinbruchs bei Zogenreuth gefeuert. Vor allem in der Nacht zum Mittwoch sei der Lärm besonders schlimm und belästigend gewesen, so dass viele Menschen aus dem Schlaf gerissen wurden oder erst gar keinen finden konnten, weiß Neuß. "Insbesondere waren auch viele Kinder davon betroffen und dies besonders in unserem Neubaugebiet Schleichershof/Am Dornbach und in Zogenreuth. Dort haben die Druckwellen die Häuser auch erheblich erzittern lassen."

Erstmals belastbare Daten

Der Bürgermeister hat sich am Mittwoch unverzüglich bei den Amerikanern und der Wehrbereichsverwaltung Süd der Bundeswehr über diese Rücksichtslosigkeit beschwert. Auch im Rathaus gingen im Laufe des Mittwochs zahlreiche Beschwerden ein, und viele Bürger haben wohl auch am Beschwerdetelefon der Wehrbereichsverwaltung angerufen.

Bereits vor etwa zwei Jahren habe die Stadt ein eigenes Lärmmessgerät angeschafft, so Neuß. Dieses wird von einem Experten bedient, der am Schleichershof wohnt. Allerdings konnten bislang keine verwertbaren Daten generiert werden, da dieses Gerät immer aufwändig in Betrieb genommen werden muss, die Schießzeiten aber vorher nicht planbar sind, und dieser Fachmann auch nicht immer zuhause sei, berichtet Neuß.

"Diesmal ist es jedoch gelungen: Am Mittwochmorgen konnten wir belegbare Messungen durchführen, die eine Lärmimmission von bis zu 106 Dezibel erbracht haben", schildert Neuß. "Diese Ergebnisse sind durch Screenshots des Auswertungsprogramms und vor allem durch exakte Messprotokolle belegbar."

Die Ergebnisse der Messung hat der Rathauschef umgehend an die Amerikaner und die Wehrbereichsverwaltung Süd weitergeleitet. In den nächsten Tagen werde er weitere Ämter, Behörden und Ministerien darüber informieren. Der gemessene Wert belege aus seiner Sicht, dass derartiger Schießlärm gesundheitsschädlich ist. "Nach meiner Kenntnis liegt der für unsere Ohren verträgliche Grenzwert bei 85 Dezibel. Dabei muss man wissen, dass sich Lärm pro drei Dezibel verdoppelt." Demnach sei mit 106 Dezibel das ertragbare Maß um das Siebenfache überschritten.

Neuß ist sehr verärgert, weil die Ämter und Behörden die Beschwerden von Bürgern, Bürgerinitiativen und lokalen Politikern seit Jahren ignorieren. Es werde beschwichtigt, Maßnahmen und Prüfungen werden versprochen, "aber es passiert nichts und nichts verbessert sich", schimpft der Bürgermeister. Freilich wurden von Behörden schon Lärmmessungen in Auftrag gegeben, bei denen aber kein einziger Schuss fiel. Hier werde wohl zielgerichtet geplant, und nebenbei erhebliche Steuergelder verschwendet, ist Neuß aufgebracht.

"Ignoranter Umgang"

Mit den Messdaten vom Mittwoch habe die Stadt erstmals — seit Jahrzehnten — eigene belastbare Ergebnisse in der Hand. Mit diesen werde er prüfen, mit rechtlichen Schritten gegen diesen Lärmterror vorzugehen, der die Menschen erheblich belaste und die Lebensqualität in Auerbach und vielleicht auch die weitere Entwicklung deutlich beeinträchtige, kündigt der Bürgermeister an.

Seiner Meinung nach schlage es dem Fass den Boden aus, wenn ein Anrufer, der in der Nacht zum Mittwoch die Beschwerdenummer gewählt hat, am Vormittag zurückgerufen wurde und dann Fragen beantworten sollte wie: "Seit wann wohnen Sie in Auerbach?" "Der Schießlärm war Ihnen doch bekannt, warum haben Sie dort gebaut?" oder: "Warum sind Sie nicht anderswo hingezogen?" Über dieses Telefonat hatte ein Bürger dem Rathauschef berichtet. "Dies ist schlichtweg ein arroganter und ignoranter Umgang mit den Sorgen und Problemen unserer Bürger", findet Neuß.  

BRIGITTE GRÜNER

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