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Schlamm verstopft Zulauf zum Pegnitzer Karstwunder

Der Wasserberg liegt trocken — ISEK-Themenkreis Fremdenverkehr arbeitete sich tief in den Berg vor - 16.04.2016 10:33 Uhr

Nach dem Abseilen des Trupps wird klar: Ein paar Steine sind aus der Wand gebrochen, sonst ist vor allem der Schlamm das große Problem, das behoben werden muss, bevor Weiteres im Schacht des „Karstwunders“ stattfinden kann.

15.04.2016 © Helmut Strobel


Der unterirdische Verlauf der Pegnitz durch den Wasserberg gilt als geologische Besonderheit, das nicht nur Geologen aus ganz Deutschland und darüber hinaus anlockt. Umso erstaunlicher ist es, dass trotz jahrzehntelanger Planungen bislang keinerlei Anstrengungen unternommen worden sind, mit diesem Pfund auch zu wuchern.

So finden sich im Archiv Zeitungsberichte aus dem Jahr 1969, in denen von konkreten Vorstellungen des Bauausschusses im Stadtrat für den Einlauf der Pegnitz die Rede ist, die im Jahr 1970 verwirklicht werden sollten.

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Stadt-Heimatpfleger erkundete Wasserberg in Pegnitz

Ein vorrangiges Projekt für die Themengruppe Fremdenverkehr beim Integrierten Städtebaulichen Entwicklungskonzept ISEK ist die attraktivere Präsentation des Wasserbergs in Pegnitz. Jetzt arbeitete sich eine Gruppe um den Stadt-Heimatpfleger Helmut Strobel und den Montan-Historiker Jörg Wettengel in das Innere des Karstwunders vor. Dabei trafen sie auf eine erstaunlich gut erhaltene Bausubstanz, aber auch auf Unmengen von Schlamm.


Fünf Jahre später berichteten die NN von Beratungen im Kreistag, wonach das Karstwunder zum Wanderziel ausgebaut werden sollte: Nach der Aufnahme des Projekts in das Naturschutzprogramm teilte das Landratsamt damals mit, dass die Sehenswürdigkeit „sicherlich heuer noch“ in einen befriedigenden Zustand gebracht wird. Als Maßnahmen waren die Anlage eines Parkplatzes und der Bau von Wanderwegen durch den Pegnitzgrund zu den Lochfelsen vorgesehen. Außerdem sollten Ein- und Ausfluss der Pegnitz freigelegt werden. Als besonderer Clou war am Einfluss ein Durchbruch geplant, der einen Einblick bis auf die Bergsohle ermöglicht. Dort sollte den Besucher sogar eine kunstvoll beleuchtete Grotte erwarten.

Das „Karstwunder“ ist seit Jahrzehnten ein Sorgenkind, seit Jahrzehnten geht es hier nur schleppend bis gar nicht voran. „Jetzt oder nie“, meint daher unter anderem Stadtheimatpfleger Helmut Strobel.

15.04.2016 © Richard Reinl


Welche Kosten dabei entstehen, wurde damals offen gelassen, weil die Arbeiten vom Kreisbautrupp ausgeführt werden sollten. Weiter hieß es 1974 im NN-Bericht: „Die Finanzierung erfolgt über das Naturparkprogramm, durch das Ministerium für Umweltschutz und Landesplanung sowie durch den Landkreis Bayreuth sowie die Stadt Pegnitz.“

Zustand zum Schämen

Wie jeder Pegnitzer weiß, ist bis dato nichts geschehen. Das „Karstwunder“ präsentiert sich in einem Zustand, für den sich nicht nur der Sägewerksbesitzer Bernd Asmus schämt, über dessen Grundstück der Wasserzulauf früher erfolgte.

Heute führt der Mühlkanal in den Wasserberg kein Wasser mehr, die Zuleitungen sind weitgehend verstopft. Wenn Geologen der Universität Erlangen ihre alljährlichen Untersuchungen anstellen wollen, müssen sie jeweils erst Wasser in den Brunnenschacht einfüllen, ehe sie mit den Tracerversuchen beginnen können.

Blick von unten in den Lichtschacht neben der Straße nach Hainbronn.

15.04.2016 © Helmut Strobel


Ein untragbarer Zustand, sagten sich die Mitglieder des ISEK-Themenkreises Fremdenverkehr, und so machten sie sich mit Stiefeln, Gummianzügen, Seilen, Scheinwerfern und Messgerät auf den beschwerlichen Weg in den Untergrund. Mit von der Partie war der Stadtheimatpfleger Helmut Strobel, der Montan-Historiker Jörg Wettengel, Michael Hochgesang, der das Karstwunder multimedial aufbereitet und ein NN-Redakteur, den der Wasserberg schon sein ganzes Berufsleben begleitet. Mit Erlaubnis von Sägewerksbesitzer Bernd Asmus durften alle ehemaligen Wasserläufe unter die Lupe genommen und vermessen werden. Das Ergebnis knapp zusammengefasst: Die Bauwerke sind in einem erstaunlich guten Zustand, die Kanäle allerdings durch etwa 60 bis 100 Kubikmeter Schlamm verstopft, die vor einer Sanierung zwingend entsorgt werden müssten.

Stadt-Heimatpfleger Helmut Strobel war nach seinem Besuch im Wasserberg total erschöpft.

15.04.2016 © Richard Reinl


Michael Hochgesang geht in seiner Beschreibung der Begehung ins Detail: „Der Zulauf zum Mühlenkanal befindet sich auf dem Gelände des Sägewerk Asmus. Ein Gitter auf der Bachseite schützt den Zulauf vor größerem Treibgut. Der Zulauf des Bachwassers kann mit einem kleinen Wehr geregelt werden.

Die dafür nötigen Bohlen des Wehrs sind völlig verrottet. Der Wasserlauf, der das Gelände unterquert, ist vom Wehr bis zum Sammelschacht auf einer Länge von 26 Metern mittels eines 100-Zentimeter-Kanals verrohrt. Das Rohr selbst ist mit geschätzten 14 Kubikmetern Schlamm fast völlig verstopft.

Der Sammelschacht selbst ist ebenfalls komplett mit geschätzten drei Kubikmetern Dreck verschlammt. Vom Schacht aus führt ein rechteckiger betonierter Kanal weiter unter der Straße in die alte Sägehalle des Sägewerks. Auch dieser Kanal ist fast völlig verschlammt.

Dessen Ablauf führt in die ehemalige Wasserradstube der Mühle, ist in tadellosem Zustand, aber ebenfalls komplett dicht. Der Boden ist mit einer 30 bis stellenweise 60 Zentimeter dicken Dreckschicht bedeckt. Von der Wasserradstube aus geht es in den ausgebauten Mühlstollen. Dieser führt bis zum Lichtschacht an der Straße und darüber hinaus weiter zur Ponorhöhle im Wasserberg.

Heimatpfleger am Seil

Stadtheimatpfleger Strobel ließ es sich nicht nehmen, sich mit einem Seil gesichert rund 35 Meter durch eine stellenweise bis zu einem halben Meter hohe Schlammschicht bis kurz vor diese Ponorhöhle vorzuarbeiten. Nach etwa 14 Metern traf er direkt unter dem Lichtschacht auf einen Berg herabgeworfener Äste und Steine. Anschließend wagte er sich gut weitere 15 Meter in den Berg hinein, wobei er über den guten Zustand der gemauerten Felswände staunte. Nur vereinzelt sind hier einige grob behauene Steine herausgebrochen.

Obwohl sich Strobel danach kurz vor der in der Literatur beschriebenen rund 35 Quadratmeter großen Ponorhöhle befand, wurde die Begehung hier aus Sicherheitsgründen beendet. Sie soll später mit entsprechenden Fachleuten fortgesetzt werden.

Eines hat der Ortstermin zweifelsfrei ergeben: Vor allen baulichen Maßnahmen müssen die gewaltigen Mengen an Schlamm beseitigt werden, die sich über die Jahrzehnte angesammelt haben. Weil dies mit reiner Muskelhypothek nicht zu schaffen ist, soll eventuell zusammen mit Experten des THW, dem Kanalreinigungs-Knowhow der Entsorgungsfirma Veolia und leistungsfähigen Pumpen der KSB versucht werden, der Herausforderung Herr zu werden. Für eine wissenschaftliche Begleitung steht „Karstpapst“ Dr. Alfons Baier vom Lehrstuhl für Angewandte Geologie in Erlangen zur Verfügung.

Nicht nur Stadtheimatpfleger Strobel ist wild entschlossen, das Projekt zu einem guten Ende zu bringen: „Wenn wir das jetzt nicht schaffen, dann passiert da nichts mehr.“

Mehr über die Aktivitäten des Kleinen Historischen Kreises in Pegnitz unter:

www.khk-pegnitz.de

RICHARD REINL

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