Samstag, 18.01.2020

|

Schlittenhunde-Camp zum Hochzeitstag

Fritz Amm aus Velden überraschte seine Frau Evi mit einer Einladung von befreundeten Tierhaltern - 23.10.2016 19:15 Uhr

Fritz (li.) und Evi Amm genossen ihr Hochzeitstags-Camp, auch wenn es an einigen Tagen etwas unter dem regnerischen Wetter litt. © Thomas Knauber


Am Waldrand stehen nicht nur Wohnmobile, sondern auch Spezialanhänger für Hunde: Ein kleiner Kreis von Schlittenhunde-Fans hat dort sein Treffen. „Sehen Sie sich vor“, sagt Petra Bergmann aus Warstein, „wenn es Sie anspringt, haben Sie auch gleich so einen Hund!“ Bei ihr sei es nämlich so gewesen. Sie hatte zehn Tage in einer schwedischen Husky-Farm geholfen „und da hat es mich angefixt“. Seitdem ist sie Musherin, was vom französischen „marcher“ (marschieren) kommt, und spannt ihre Alaskans vor Schlitten oder Radwagen.

Zuverlässig und schnell

 Diese Alaskans haben sibirische Einkreuzungen, weshalb sie vom deutschen Hundewesen-Verband nicht als reinrassig anerkannt werden. Aber sie sind zuverlässig und schnell. „Auf Langstrecken werden sie gern genommen, zum Beispiel beim Yukon Quest“, berichtet Bergmann. Das Treffen in Bernheck läuft derweil nur auf Kurzstrecken von zehn Kilometern, quer durch den Veldensteiner Forst.

Sieben Familien von Dortmund bis Lindau sind angereist, nachdem sie von Fritz Amm zusammengetrommelt worden waren. Die Gruppe kennt sich von Großtreffen wie in Oberstdorf oder  Kitzbühel, wo Tausende von Schlittenhunden aus ganz Europa zu bestaunen sind. Denn dort, im kleinen St. Ulrich, sind immer im Januar zwei Wochen für die Hundefreunde reserviert. 25 Kilometer sind gespurt und an drei Tagen laufen Rennen.

Die dort entstandenen Freundschaften sind so tief, dass jetzt alle, die von Fritz Amm angerufen wurden, um als Überraschungsgäste zu seinem 34. Hochzeitstag  zu kommen, auftauchten. Seine Frau Evi wusste nichts davon. „So ein Geschenk von meinem Mann, diesem Scherzkeks“, freute sie sich. „Jetzt bin ich nur gespannt, was er sich zu unserem 35. Hochzeitstag einfallen lässt . . ." Evi Amm ist der große Hundefan in der Familie, und das kam so: Sie hatte einen Eurasier, „einen richtigen Familienhund“. Doch der erkrankte und konnte sie nicht beim Joggen begleiten, das sie aus gesundheitlichen Gründen intensivieren musste. „Da bin ich über die Samojeden gestolpert . . ., die kann man für so einen Sport nehmen.“

Es begann vor neun Jahren mit Ayla, einer schneeweißen Hündin, die heute schon in Rente lebt. Und es endete mit einem sechsten Hund aus der Schweiz. Andere Tiere stammen aus Schweden und von der Nordsee. „Ich hab schnell mit dem Zughundesport begonnen. Es macht süchtig.“ Evi Amm muss dafür selbst äußerst fit sein. Samojeden sind zwar kluge Sturschädel, die man  zum Laufen fast überreden muss, aber wenn sie mal am Ball sind, halten sie auch nach 30 Kilometern ihr Tempo von zehn bis zwölf Stundenkilometern (Huskys schaffen 15, sind aber Sprinter, das heißt nur am Anfang schnell).

100 Kilometer radeln

Evi Amm radelt also im Sommer ein paar Mal in der Woche 100 Kilometer, damit sie im Herbst fit ist für die Schlittenhundesaison. Dann steht sie auf ihrem vierrädrigen Zugwagen, tritt mit einem Fuß mit, und rast bergauf, bergab. „Ich will da nicht wie ein nasser Kartoffelsack draufstehen. Ich arbeite mit.“ Aber sie weiß, dass ihre Fitness nicht endlos ist. „Ich bin jetzt 54. Wie lang schaff' ich das noch?  Wie lange kann ich meine Hunde auslasten? Ich lass‘ es deshalb langsam auslaufen.“

Das Bernhecker Treffen litt zwar etwas unter dem Wetter, aber den Hunden machte es wenig aus. Sie brauchen kühle Temperaturen – weshalb ihre Herrchen und Frauchen im Sommer auch immer in aller Frühe mit ihnen raus müssen. Auch die Luftfeuchtigkeit sollte stimmen und nicht zu hoch sein. „Sie brauchen eine gute Betreuung“, bestätigt Claudia Böhm, die mit ihrem Mann Carsten vom Bodensee angereist ist – in neun langen Stunden wegen eines Staus.

Aus einem einzelnen sibirischen Husky wurden bei ihnen plötzlich 16. Die tummeln sich nun daheim in einem Zwinger mit 1000 Quadratmetern. Zum Training bekommen sie ein Quad vorgespannt. Täglich. „Das ist eine aufwendige Sache“, berichtet Böhm. Auch die  Urlaube sind hundebestimmt: Möglichst in der kühlen Jahreszeit. Zum Beispiel geht es zu den beliebten Ostercamps, die an der Ostsee oder im Schwarzwald angeboten werden. Dort beginnen dann jene Freundschaften, die jetzt in Bernheck am Lagerfeuer  zu so schönen Abenden führten.

THOMAS KNAUBER

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus: Bernheck