Samstag, 28.11.2020

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Schnabelwaider feiern Schulerhalt mit spontaner Zusammenkunft

Schnabelwaider feiern Rücknahme der Schulschlieẞung mit einer kleinen spontanen Zusammenkunft. David hat gegen Goliath gesiegt. - 29.08.2020 08:55 Uhr

In Pegnitz wird Gregori mit dem Lied „Und dann die Hände zum Himmel, kommt lasst uns fröhlich sein“ begonnen. Die Schnabelwaider können, zumindest dieses Jahr, auch dieses Lied singen.

28.08.2020 © Foto: Ralf Münch


Auf dem Pausenhof stehen ein paar bunte Bänke. Es gibt alkoholfreie Getränke oder ein Bierchen zum anstoßen. Kinder springen herum, Eltern tauschen sich über die Geschehnisse der vergangenen Tage aus. "Dass diese Feier stattfindet, ist alles andere als selbstverständlich. Die Geschichte hätte auch ganz anders ausgehen können", sagt Frank Färber von der Elterninitiative, die Unterschriften gegen die Schulschließung gesammelt hatte. Fast sind die Schnabelwaider so etwas wie die Gallier – sie haben sich gegen eine Übermacht durchgesetzt.

Der Hintergrund ist schnell erzählt: Die Schulschließung wurde vom Schulamt beschlossen, weil zurzeit nur 24 Schüler an der Grundschule sind, das Minimum wären 26. Zunächst für ein Jahr. Der Schnabelwaider Bürgermeister Hans-Walter Hofmann: "Man kann sich doch vorstellen, was passiert, wenn eine Schule erst einmal geschlossen ist." Die Nachricht kam für den Bürgermeister, die Eltern und für die vier Lehrkräfte, die ebenfalls davon betroffen gewesen wären, vor zwei Wochen überraschend mitten in den Ferien. Aber ganz so überraschend dann auch wieder nicht: "Wir hatten schon die ganze Zeit wegen der Schülerzahlen gezittert. Dass es dann so Knall auf Fall kommt, war schon überraschend", erklärt Färber. Daraufhin habe man "Gas ohne Ende" gegeben.

Der Gemeinderat, der Bürgermeister, der Elternbeirat und die betroffenen Eltern haben sich zusammengetan. Man wendete sich ans Ministerium und an das Schulamt und ging Klinkenputzen für die Unterschriften. Und man hatte Erfolg – vergangenen Mittwoch kam die erlösende Nachricht, dass die Schule doch geöffnet bleibt.

Der Schnabelwaider Christian Schuster hat ein Kind, das nach den Ferien eingeschult wird. Er erzählt: "Leider waren wir zu der Zeit, als die Nachricht der Schließung kam, im Urlaub. Wir haben das nur über Whatsapp mitbekommen. Und Bekannte haben uns telefonisch aufgeklärt, was passiert. Wir waren baff, als wir das hörten. Jetzt sind wir einfach nur erleichtert, dass die Kinder den kurzen Schulweg haben und nicht nach Creußen müssen." Mit dieser Einstellung ist er nicht der Einzige. Alle, die bei der Feier auf dem Pausenhof sind, machen ähnliche Aussagen. Begriffe wie "Total happy" fallen, von "Gänsehautmoment" oder von "Luftsprüngen" wird gesprochen.

"Ich wäre sehr traurig gewesen"

Simone Salzgeber hat eine siebenjährige Tochter, Chiara heißt sie. Die geht in die zweite Klasse. "Wir waren im Urlaub im Schwarzwald, als ich die Nachricht der Schulschließung aufs Handy bekam. Ich wollte niemandem den Urlaub vermiesen und hab es für mich behalten. Erst auf der Heimfahrt hatte ich das im Auto erzählt. Das sorgte bei allen dann für Besorgnis. Chiara: "Ich habe hier an der Schule so viele Freunde. Ich wäre sehr traurig gewesen, wenn ich in eine neue Schule hätte gehen müssen. Ich bin super froh."

Bürgermeister Hofmann, der als Rechtsanwalt berufsbedingt zu allem etwas sagen muss, ist an diesem Abend sprachlos. In einer sehr kurzen Ansprache wendet er sich an die Feiernden. "Ich bin überglücklich. Wir haben gegen ein Hirngespinst gekämpft und gewonnen. Was soll ich anderes sagen?"

RALF MÜNCH

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