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Schnelles Web im Schneckentempo: Pottensteiner Breitbandausbau geht schleppend voran

Viele Pottensteiner Bürger warten seit fast zwei Jahren auf Breitbandausbau - 08.04.2021 11:55 Uhr

Mit verschiedenen Fachfirmen und mehreren Subunternehmern, die zum Teil aus dem Ausland anreisten, wurde der Pottensteiner Breitbandausbau bisher bewerkstelligt.

07.04.2021 © Foto: privat


Das bestätigte auch der zuständige Sachbearbeiter der Kommune, Andreas Berner, auf NN-Anfrage. "Wir sind eineinhalb Jahre in Verzug." Mitte März 2021 war der Breitbandausbau in zwölf von 34 Pottensteiner Ortsteilen abgeschlossen.

Bei der Erklärung für die enormen Zeitverzögerungen in Sachen Breitbandausbau möchte sich der Sachbearbeiter nicht hinter der Corona-Pandemie verstecken. "Das fing ja schon vorher an." Laut Berner hätten Ursachen wie "Bodenbeschaffenheit" sowie "andere Unwägbarkeiten" den Zeitverzug verursacht.

Zugleich betonte er, dass die Pottensteiner Stadtverwaltung stets "sehr zügig" zugearbeitet hätte, um einen möglichst schnellen Baufortschritt zu ermöglichen.

Vier Bauabschnitte

Wie auch auf der städtischen Homepage ersichtlich sei, war Pottenstein für den Breitbandausbau in vier Bauabschnitte aufgeteilt worden: Bauabschnitt Pop I mit Steifling und weiteren Ortsteilen, Bauabschnitt II mit dem Gewerbegebiet Langer Berg, BA III mit Regenthal, Waidach, oder auch Kühlenfels sowie BA IV mit Geusmanns.

Laut PR-Text auf der Stadt-Homepage solle die Inbetriebnahme "abschnittsweise" erfolgen. Wobei zwischen "baulicher Fertigstellung" und tatsächlicher Inbetriebnahme eine "gewisse Zeitspanne" liegen könne.

Wie lange diese Zeitspanne nun exakt dauere, etwa in Kühlenfels, darauf wollte oder konnte sich Berner selbst jetzt noch nicht festlegen.

Brennend an dieser Antwort interessiert wäre auch der Kühlenfelser Wilfried Kolb. Seine Gattin und er besitzen und bewohnen ein Mehrfamilienhaus. Wilfried Kolb ist selbst gelernter Bauingenieur.

Der Ruheständler wurde seit 2019 einige Male bei der Stadtverwaltung und verschiedenen beteiligten Baufirmen vorstellig, um Genaueres zur geplanten Fertigstellung des Breitbandinternets in Kühlenfels zu erfahren. Die geführten Telefonate und geschriebenen Mails kann er kaum zählen.

Das kostete ihn viele, viele Stunden Zeitaufwand sowie einige Nervenkraft – und führte nur selten zum Erfolg. "Die sollten mir einfach einen bestimmten Ansprechpartner nennen." So wollte der Kühlenfelser Hausbesitzer stets auf dem Laufenden bleiben.

Infos für Bürger

Kolb kann sich noch gut erinnern, als 2019 "die ganze Geschichte begann" und es "freudestrahlend" darum gegangen wäre, Fördergelder zu beanspruchen. Er besuchte auch im März 2019 jene Infoveranstaltung im Bürgerhaus, auf der die damals beauftragte Firma LEC für den Breitbandausbau vorgestellt worden war.

Diese kommt aus Lettland und arbeitet europaweit. "Ein halbes Jahr später sollte alles fertig sein." Leider habe es sich bei dieser zeitlichen Prognose "um einen Wunschtraum gehandelt", urteilt der Ortsteilbewohner inzwischen rückblickend.

Diese Firma hätte "über 100 Mann" beschäftigt. Unterhalb des früheren Aldi-Marktes sei ein "großes Materiallager" eingerichtet worden. Kolb ließ nicht locker. "Aus meiner Zeit als Bauleiter wusste ich, dass man regelmäßig nachhaken muss, wenn man etwas erreichen will." Gesagt, getan.

Schließlich wurde eine "bulgarische Firma als Subunternehmer" in Kühlenfels tätig. Diese hätte den nötigen Glasfaseranschluss "ins Haus geschossen".

Kurios: Eigentlich steht Kolbs Mehrfamilienhaus nur 40 oder 50 Meter vom gut vernetzten Kühlenfelser Feuerwehrhaus entfernt. "Dort hätten wir alles, was wir brauchen."

Stattdessen musste sich das Ehepaar weiterhin mit einem mageren 2000er Internet begnügen. Eine Scheinfelder Firma hatte inzwischen bei ihnen im Haus die Anschlüsse verlegt. Aber deshalb flossen noch lange keine Daten von außen ins Haus – in ausreichendem oder zumindest halbwegs erträglichem Tempo. Kolb erklärt: "Als Techniker wundere ich mich, wieso man für einen Ort mit 400 Leuten ein halbes Jahr braucht?" Nachdem der "letzte Bagger" verschwunden sei, hatten die Kühlenfelser aber immer noch kein schnelles Internet. Eine Mieterin aus Kolbs Mehrfamilienhaus hatte wegen des lahmen Internets gekündigt. Insgesamt hat Kolb für das Haus, in dem er selbst mit Frau wohnt, vier schnelle Internetanschlüsse beantragt.

Bis Jahresende?

Über einen inoffiziellen Kontakt zu einem befreundeten Telekom-Elektriker hatte Kolb erfahren, "was noch alles fehlt". Nun solle alles "bis Jahresende" erledigt sein. Inklusive der sechswöchigen Prüfung der Dokumentation durch die Stadtverwaltung sowie einer sechsmonatigen Vorbereitungszeit durch die Telekom. Angeblich könne Kolb sogar schon "im Juni oder Juli" mit schnellem Internet rechnen. Von der Stadtverwaltung mochte bisher aber keiner diesen Zeitplan bestätigen.

Für die abgesprungene Mieterin haben die Hausbesitzer seit vorigem Herbst eine Nachfolgerin. Kolb selbst versorgt sich "über LTE von der Dachantenne" mit schnellem Internet für den Hausgebrauch. Das klappt notdürftig.

"Ich weiß nicht, was Kinder aus Waidach oder Kühlenfels machen sollen beim Homeschooling". Sein abschließendes Urteil: "Das ist alles eine Blamage".

 

FRANK HEIDLER

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