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Freitag, 18.10.2019

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Seelenmusik spielen statt sprechen

Helmut Eisel und Birke Falkenroth baten zum Klezmer-Konzert ins Altenstädter Schloss - 16.05.2019 18:31 Uhr

Klezmer-Musik zum Nach- und Weiterdenken servierten Helmut Eisel (li.) und Birke Falkenroth im Altenstädter Schloss. © Foto: Volker Schmitt


Der authentisch-charismatische Musiker Eisel zog mit Ausstrahlung, Glaubwürdigkeit und trockenem Humor das interessierte Publikum in seinen Bann. Zu den Stücken, die das Duo auf dem Programm hatte, steuerte er persönliche Erlebnisse, Erläuterungen und Vergleiche bei. Insgesamt 14 Titel gaben die beiden Musiker aus Leidenschaft zum Besten – von nachdenklich-melancholisch bis überraschend-impulsiv.

Den etwa 40 Besuchern wurde eine "Beinahe-Premiere" geboten: Obwohl die beiden Künstler bereits seit einem Jahr zusammenarbeiten, gaben sie in dieser Konstellation erst das zweite Konzert.

Klezmer ist ein Jahrtausende altes jüdisches Musikgenre, das der Legende nach bis auf den biblischen König David zurückgeht. Weil es sich um eine sogenannte Wandermusik handelt, flossen im Laufe der Jahrhunderte etliche regionale Einflüsse ein. Diese Entwicklung reichte bis in das 20. Jahrhundert. So nahmen jüdische Immigranten beispielsweise in den 1960er Jahren in den USA den Swing zum Anlass, die Klezmer-Musik auch als Teil der persönlichen Identität und des individuellen Ausdrucks zu betrachten und zu gestalten.

Diese Überzeugung teilt auch Helmut Eisel, der Mathematik studierte und als Unternehmensberater und Softwareentwickler tätig war. Obwohl die Musik schon immer seine "geheime Leidenschaft" war, entschloss er sich erst nach einer Begegnung mit dem legendären Klezmer-Klarinettisten Giora Feidmann Ende der 1980er Jahre, seinen Lebensunterhalt professionell mit Musik zu verdienen. Mittlerweile hat Helmut Eisel 19 CDs herausgebracht und Klezmer-Projekte wie ein vom ihm organisiertes Festival in Mühlhausen und einen Workshop mit Schülern in Saarbrücken realisiert.

Dabei sieht Eisel durchaus die Möglichkeiten der Musik als "Instrument der Sprache". Er bleibt keinesfalls unpolitisch. Die Zugabe "Don’t speak – play" ("Sprich nicht – spiele") soll zeigen, wie wichtig es für die Gesellschaft und für die Politik ist, einander zuzuhören und sich als Teil eines großen Ganzen zu sehen. Das Maß der Improvisation bestimmt laut Helmut Eisel den Grad der individuellen Freiheit. Seine Duopartnerin Birke Falkenroth, die aus der Klassik kommt, schätzt vor allem die Offenheit in der Improvisation.

Die beiden Künstler betonten, dass sie auch weiterhin miteinander musikalische Projekte in Angriff nehmen werden. Sie bedankten sich bei ihrem ebenso begeisterten wie nachdenklichen Publikum nach zwei gelungenen Konzertstunden.

VOLKER SCHMITT

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