17°

Montag, 06.07.2020

|

Segen direkt ins Auto: Pfarrer aus Plech gibt Drive-in Gottesdienst

Etwa 250 Besucher versammelten sich auf dem Supermarktparkplatz - 01.06.2020 17:42 Uhr

Drive-in-Gottesdienst in Plech, Pfarrer Christoph Weißmann predigt von einer Hebebühne aus. © Foto: Rosi Thiem


"In der Corona-Krise geht die Gemeinde neue Wege, um einen Gottesdienst im Freien feiern zu dürfen", wies der evangelische Seelsorger im Vorfeld hin. Die Idee zu einem Drive-in-Autogottesdienst wurde bereits vor sechs Wochen in Erwägung gezogen und organisiert, da der geplante Weidekirchengottesdienst an Pfingsten, in der Regel mit 200 bis 300 Personen - mit Auflagen - so nicht hätte stattfinden können.

"Halt und Orientierung, neue Kraft und Aufbruch, Hoffnung und Zuversicht – Lassen wir uns mit Hineinnehmen in die Bewegung von Pfingsten", stimmte Weißmann die Zuhörer in den Autos mit offenen Scheiben ein. Der Parkplatz war voll. Die von Weißmann geschätzten 120 Parkplätze, die Rewe und Aldi für diesen Zweck zur Verfügung stellten, hatten sich bis 10 Uhr Reihe um Reihe ausreichend gefüllt. Mal mit einer Person, mal mit zwei und oft auch mit Familien voll besetzter Autos - darunter auch mit auswärtigen Kennzeichen - fanden den Weg zum Einkaufsgebiet Schönthal/Ottenhof. Weißmann schätzte um die 250 Besucher. Ein Hygienekonzept wurde vorher beim Landratsamt eingereicht. Ins Schwitzen kam der Pfarrer am Freitag, denn die Genehmigung vom Landratsamt stand noch aus. Freitag – vor Dienstschluss - war es dann soweit.

Bilderstrecke zum Thema

Drive-in Gottesdienst auf Supermarktparkplatz in Plech

"In der Corona-Krise geht die Gemeinde neue Wege, um einen Gottesdienst im Freien feiern zu dürfen", so der evangelische Pfarrer Christoph Weißmann. Die Idee zu einem Drive-in-Autogottesdienst zu Pfingsten wurde bereits vor sechs Wochen in Erwägung gezogen und organisiert.


Insgesamt 25 fleißige Helfer vor Ort ließen den ungewöhnlichen Drive-in - "spirit to go"-Pfingstgottesdienst gelingen. Die vielen Platzanweiser der Feuerwehren, die Mesnerin Barbara Schramm, die Techniker Patrick Gröschel und Felix Heckel, die Band und Sängerinnen, die Filmemacher, Ordnungskräfte und die Elektriker ließen das Ganze mit Weißmann zu einem wunderbaren Eventgottesdienst am Feiertag zu Coronazeiten entstehen. Die Lesung übernahm Martina Weißmann.

Giovanni Trapattoni als Predigt-Impuls

"Flasche leer – war Ausspruch – vor 22 Jahren vom Trainer Giovanni Trapattoni – erbost über ein misslungenes Spiel seiner Fußballer", leitete Pfarrer Weißmann seine Ansprache über den Autodächern ein. "Kein Mut – keine Kraft? Austauschen und wegwerfen, wenn die Flasche leer ist?", fragte er. Er erinnerte an Menschen, die ausgelaugt im Betrieb ersetzt werden sollen, Menschen, die am Ende ihres Lebens die Kraft verlässt, Beziehungen die müde sind und einsame Menschen, die allein mit sich und der Welt sind. "Und wenn nichts mehr geht: Auswechseln, wegwerfen? Das hilft aber nichts. So wird das nichts", mahnte er. Pfingsten gebe uns darauf die Antwort, folgerte er. "Da brauchen wir einen Geist von außen, wenn die Kraft ausgeht. Einen, der eine Tür öffnet." Menschen, die eine Sprache sprechen und in Rücksicht füreinander da sind mit Hoffnung und Glauben, so Weißmann weiter.

Sind Menschen mit sich allein, so griffen andere Ungeister wie Egoismus und Rücksichtslosigkeit und Sorgen fressen auf. "Erzählt auch euren Kindern, was euch trägt", gab er mit auf den Weg für die einsamen Coronazeiten. Auch Menschen zu sehen, die nach einem guten Wort hungern. "Wir reden und reden und verstehen oft einander nicht", sagte er. "Pfingsten sagt uns: Es muss und kann anders gehen. Einander zuhören, sich einfühlen – eine Sprache sprechen – die Flasche füllen und dass wir niemanden aufgeben." Weißmann stellte Gott und Jesus Christus als seine Tankstelle, seinen Treibstoff und den Rückenwind, nicht nur an Pfingsten, sondern in jeder Stunde jedes einzelnen Tages für alle vor.

Gottesdienst per Livestream

Auch zuhause konnten die Interessierten per Livestream den Pfingstgottesdienst zeitgleich mitverfolgen. Seit Mitte März bemüht sich die Kirchengemeinde die Gläubigen Woche für Woche mit Gottesdiensten zu versorgen. "Solange die Auflagen bestehen, werden wir weiterhin Gottesdienst aus dem Netz bieten", informierte der engagierte Seelsorger. Dass dies ankommt, erzählte Weißmann, war an den Besucherzahlen der vergangenen Wochen im Netz und an den vielen Rückmeldungen erkennbar, auch von außerhalb: "Gerade jetzt wollen die Menschen eine lebensnahe Kirche."



Bevor die Fahrzeuge am Ende in einer Einbahnstraßenregelung das Gelände organisiert verlassen konnten, gab es für den Pfarrer und den vielen Helfern einen großen spontanen Applaus und die Hupen ertönten dankbar. Ein bereitstehendes Fläschchen, gefüllt mit einem Liedtext, den die Band vorgetragen hatte, sorgten bei den Teilnehmern des ungewöhnlichen Gottesdienstes für ein Lächeln und ein dickes Lob gab es aus vielen Autofenstern: "Das war toll und macht weiter so." Pfarrer Christoph Weißmann grinste zufrieden zurück und war flugs verschwunden – eine Taufe in der benachbarten Weidenkirche wartete schon.

Am 28. Juni ist ein Live-Weidekirchengottesdienst um 19 Uhr abends mit Mundschutz und Abstand. Im Internet kann der Pfingstgottesdienst noch heute nachgeschaut werden: www.plech-evangelisch.de

Bilderstrecke zum Thema

Impfstoff, Grenzöffnungen und Unterricht: Das ändert sich im Juni

Die Temperaturen steigen und die Langeweile im Social Distancing Alltag auch. Doch diesen Juni geht es mit Lockerungen der Corona-Maßnahmen voran und vielleicht können wir uns sogar über Erfolge in der Impfstoffforschung freuen.


Rosi Thiem

2

2 Kommentare

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus: Plech