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Montag, 21.10.2019

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Seminar am Gymnasium: Die dunkle Seite von WhatsApp

Klassenchats können zu Stress, Mobbing und Druck führen, Facebook interessiert kaum noch - 08.06.2019 15:00 Uhr

Melanie Loew und ihr Seminar arbeiten in einem Klassenzimmer des Pegnitzer Gymnasiums an ihrer Präsentation. Sie wollen jüngere Schüler über die Gefahren von WhatsApp aufklären.


Durch ein Klassenzimmer des Gymnasiums hallen harte Worte, die man hier eher nicht erwarten würde: heftigste Beleidigungen und wüste Drohungen. Ein Schwall verbaler Boshaftigkeit dringt aus den Lautsprechern. Daneben stehen Fabian, Lea (beide 17) und David (16) erstaunlich entspannt. Die Ausfälligkeiten sind Teil einer Präsentation, die ihr Seminar für die Eltern von jüngeren Schülern vorbereitet hat. Das durchaus brisante Thema: Die Möglichkeiten und Gefahren des Internets.

Der Fokus der Schulung liegt im Besonderen auf dem Kurznachrichten-Dienst 
WhatsApp, wie Lea erklärt: "Es geht um generelle Prävention, nicht um Werbung für eine bestimmte App." Den Eltern soll so nahegebracht werden, was ihre Kinder eigentlich so treiben oder was mit ihnen passiert, wenn scheinbar niemand hinsieht.

Während der Präsentation finden die Schüler einen interessanten Vergleich: Die Anwendung ist laut ihrer Allgemeinen Geschäftsbedingungen ab 16 Jahren freigegeben – das hat sie mit dem Bier gemeinsam. Dennoch wird beides auch illegal von Jüngeren konsumiert.

Zerfaserung der Aufmerksamkeit

Der verantwortungsvolle Umgang kann schwierig sein. Das werde gerade am Beispiel der Klassenchats deutlich, so Lehrerin Melanie Loew: "Das führt zu einer Zerfaserung der Aufmerksamkeit. Die Schüler passen in der Schule schon mal nicht auf oder schreiben nicht mit – irgendjemand wird das schon im Klassenchat posten."

Die Gruppen können aber auch aus anderen Gründen zur Gefahr werden: Die schiere Anzahl der Teilnehmer könne zu Unübersichtlichkeit führen und die vielen parallel stattfindenden Gespräche würden gerade bei jüngeren Schülern schnell den ungesunden Druck erzeugen, auf die Bemerkungen ihrer Klassenkameraden möglichst schnell zu antworten.

Außerdem könnten sich negative Gruppendynamiken aus dem Schulalltag so auch schnell auf das Privatleben ausweiten. Durch das Smartphone verschwindet die Distanz zwischen Mobbing-Opfer und Täter vollends.

Ziel des Seminars, das innerhalb des überregionalen Projekts "Netzgänger" veranstaltet wird, sei es, die Kinder vor den negativen Seiten der modernen Informationstechnologie zu schützen und bei ihnen für eine positive Erfahrung zu sorgen, sagt die 17-jährige Vanessa: "Klar kann man das Internet nicht von heute auf morgen verändern, da werden sich immer ein paar danebenbenehmen. Aber man muss möglichst frühzeitig lernen, damit richtig umzugehen."

Melanie Loew bietet das Seminar seit sechs Jahren an. Damals war die Aufklärung noch für die sechsten Klassen gedacht. Das habe sich geändert, so David: "Die Kinder haben ja immer früher ein Handy."

Und so richtet sich die Aufklärungsarbeit des Seminars inzwischen auch schon an Grundschüler der vierten Klassen aus der gesamten Umgebung, so Vanessa: "Bayreuth, Pottenstein, Auerbach, um nur einige Städte zu nennen."

Die Klassen würden in Gruppen aufgeteilt, die jeweils zwei Tutoren zur Seite gestellt bekommen. Mit den Arbeitsgruppen werde dann zwei Tage lang intensiv gearbeitet. In diesem Jahr habe man schon mit zwölf vierten und fünften Klassen das Seminarthema "beackert".

"Der deutlichste Entwicklungsunterschied war zwischen den fünften und sechsten Klassen zu sehen", erzählt Fabian. Während die jüngeren Kinder sich noch viel zeigen lassen wollten, seien die sechsten Klassen froh, wenn man sie in Ruhe ließe. "Die denken schon eher, dass sie Bescheid wissen."

YouTube und Instagram gefragt

Seit Beginn des Seminars vor sechs Jahren habe sich einiges geändert, so Melanie Loew: "Als es los ging haben wir nur über Facebook gesprochen. Das interessiert heute keinen mehr." Angebote wie YouTube, Instagram oder eben 
WhatsApp seien nun gefragt. Das bestätigt auch Lea: "Wir haben eine Umfrage unter den Kindern gemacht. Da war fast keiner dabei."

Auch in ihrem eigenen Jahrgang benutze fast keiner mehr Facebook. Der ehemalige Platzhirsch werde in Schülerkreisen mehr und mehr als eine App für Erwachsene im Allgemeinen und Eltern im Besonderen wahrgenommen.

JULIAN SEIFERTH

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