Donnerstag, 21.11.2019

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SG Auerbach/Pegnitz: Glaube an den großen Wurf

Der Vizepräsident des Bayerischen Handballverbands als Gasttrainer der D-Jugendhandballer - 14.10.2019 10:21 Uhr

„Ich habe 20 Kinder erwartet“, sagt Ernst Werner (in Blau). Doch zum Training in die Christian-Sammet-Halle kamen 28 Nachwuchshandballer, was den Vizepräsidenten des Bayerischen Handball-Verbands beeindruckt hat. Die Entwicklung der Mannschaft von Trainer Michael Graß und dessen Co-Trainer Georg Folkenborn empfindet er als Vorbild für ganz Bayern. © Marcel Staudt


Ernst Werner macht alle Übungen vor. Auch wenn das bedeutet, dass der 67-Jährige vollen Körpereinsatz zeigen muss. "Das hier ist zu schwer für euch", ruft er den 28 Kindern im Alter von zehn bis zwölf zu. Dann geht er ganz tief runter, stützt sich mit einer Hand vom Boden ab, während er den Ball mit der anderen Hand prellt. Einmal prellen lassen, dann Wechsel auf die Hand, einmal prellen lassen und wieder Wechsel.

Nach etwa 30 Sekunden erhebt sich Werner wieder, fasst sich kurz ans Kreuz, ein verlegenes Lächeln huscht über sein Gesicht. Vergangene Woche war der stellvertretende Präsident des Bayerischen Handball-Verbands, zuständig für den Bereich Bildung, noch bei "Jugend trainiert für Olympia" in Berlin zu Gast. Jetzt gibt er die erste von zwei Trainingseinheiten für die Nachwuchshandballer der SG Auerbach/Pegnitz in der Christian-Sammet-Halle. Warum?

Trainer Michael "Joschi" Graß hat seinen alten Freund und damaligen Trainerkollegen bei Haspo Bayreuth Ernst Werner aus dreierlei Gründen gebeten, mal bei seinem Handballteam in Pegnitz vorbeizuschauen. Im Januar erzählte der Bayernliga-Meistermacher der Auerbacher Handballer dieser Zeitung, dass er jetzt Kindertrainer ist und mit seinem Team in sechs Jahren in der A-Jugend-Bundesliga spielen möchte, der höchsten Klasse.

Gut ein Dutzend Kinder waren es damals, jetzt sind es über 20. Genug Handballer, um zwei Mannschaften im Punktspielbetrieb zu stellen. Das Training mit Vizepräsident Werner sollte ein Zuckerl sein. Außerdem sind manche Schützlinge von Graß mittlerweile gut genug, dass er sie zur Bezirksauswahl schicken möchte. "Da ist das Training von Ernst eine gute Vorbereitung."

Der dritte Grund: Manche haben sich schon die Augen gerieben bei den Plänen von Graß mit der SG Auerbach/Pegnitz. "Da bekommt der Verband mal durch Ernst eine Rückmeldung, was bei uns los ist."

"Wenn ihr das schafft..."

Die beschriebene Übung von Vizepräsident Werner macht Joi für seine Handballkollegen noch einmal vor. Auch bei ihm klappt es prima, für andere aus dem Handballnachwuchs ist das hier tatsächlich zu schwer. Aber für Werner ist das kein Problem. "In eurem Alter ist es das Wichtigste, dass ihr euren schlechten Arm trainiert", erklärt er den Kindern, während er Passübungen machen lässt, "wenn ihr das schafft, könnt ihr Nationalspieler werden." Noch so einer, der groß denkt.

A-Jugend-Bundesliga. Bis die jungen SG-Handballer auch altersmäßig in die Nähe dieser Klasse kommen, werden noch fünf, sechs Jahre vergehen. Bisher ziehen die Kinder und Eltern super mit, sagt Graß und klingt stolz. "Bei einem Turnier waren wir mit 17 Kindern. 18 Elternteile waren dabei. Mir wird prophezeit, dass es nachlassen wird. Aber wir Trainer, die Spieler und die Eltern verstehen sich super. Warum sollte sich das ändern?"

Warum sollten die Guten schwach werden, wenn beispielsweise der HC Erlangen in den nächsten Jahren auf sie aufmerksam wird? "Wir sind doch ein Rudel", sagt Graß, "aus dem bricht man nicht einfach aus. Vor allem, wenn man zu den Guten gehört und die Schwächeren unterstützen muss."

Graß, dem schon lange vor seinem Engagement im Kinderhandball der Ruf voraus eilt, nur 100 Prozent zu kennen, wird den Handball jedenfalls ganz vorne anstellen. Selbst wenn noch mehr Kinder kommen und noch mehr trainiert werden muss. "Dann stelle ich mich eben fünf Mal pro Woche in die Halle." Solche Sätze hört Vizepräsident Werner natürlich gerne. In seiner Sportart fehlt es wie in vielen anderen an Jugendtrainern. "Macht die C-Lizenz, wenn ihr 16 oder 17 seid, was besseres kann euch gar nicht passieren", hatte er den Kindern vor dem Training gesagt.

Nach der Übungseinheit verteilt er ein dickes Lob, vor allem für die Mannschaftsstärke: "Größtes Kompliment, dass ihr so eine große, tolle Truppe beisammen habt." Im Freistaat fällt ihm kein anderer Verein beziehungsweise keine Spielgemeinschaft ein, die so eine Entwicklung genommen hat.

Dem Verband wird er erzählen, dass "hier etwas passiert, was Vorbildcharakter für ganz Bayern hat". Kann daraus eine A-Jugend-Bundesligamannschaft wachsen? Klare Antwort des Vizepräsidenten: "Ja."

MARCEL STAUDT

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