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So arbeitet ein Ranger in der Fränkischen Schweiz

Martin Kreisel will die Region erlebbar machen. - 27.10.2020 13:55 Uhr

Sieht sich selbst als Allrounder unter den vier Rangern des Naturparks Fränkische Schweiz-Frankenjura: Martin Kreisel, den bei seinen Außenterminen oft seine Australian-Shepard-Hündin Lumi begleitet.

26.10.2020 © Foto: Frauke Engelbrecht


Ohne zu zögern springt Lumi in die Transportkiste im Kofferraum von Martin Kreisels Auto. Eigentlich könnte sie noch ein paar Kilometer laufen. Die einjährige Australian-Shepard-Hündin begleitet den Ranger des Naturparks Fränkische Schweiz-Frankenjura oft bei seinen Outdoor-Terminen. Seit einem Jahr gibt es diese Naturpark-Ranger.

Kreisel hat in Weihenstephan Gartenbau studiert und in einer Baumschule gearbeitet. "Aber das war irgendwann nicht mehr meins", sagt der 43-Jährige. "Ich bin ein Naturmensch, bin naturverbunden aufgewachsen." Als Naturpark-Ranger könne er sich jetzt mehr für Natur und Umwelt einsetzen. Aber was ist ein Ranger? "Wir sind Vermittler zwischen Natur und Mensch, setzen uns für einen naturnahen Tourismus ein", erklärt Kreisel.

Hälfte der Zeit im Büro

Im Naturpark Fränkische Schweiz-Frankenjura sind sie zu viert. Kreisel ist für das Bayreuther Gebiet zuständig; die anderen für Forchheim, Bamberg und das Nürnberger Land. Es gibt ein Jahresprogramm, das die Ranger zusammen mit der Geschäftsführung aufgestellt haben. Etwa die Hälfte seiner Arbeitszeit verbringt Kreisel draußen, die andere im Büro. "Ich wäre lieber mehr draußen, aber wir haben auch viel Konzeptarbeit", sagt er. Bei den Außenterminen geht es um Gebietskontrollen, ob in den Landschaftsschutzgebieten alles in Ordnung ist.


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Die Besucherlenkung und Bildungsarbeit gehört zu seinen Aufgaben, das heißt, er gibt Informationen über die Besonderheiten des Naturparks, Flora und Fauna. Dazu werden feste Führungen angeboten. Neuer Schwerpunkt im Jahresprogramm sind die Junior-Ranger. "Wir wollen gerade bei den Kindern und Jugendlichen mit Aktionen und Zeltlagern zum Beispiel, das Bewusstsein für die Natur erweitern", erklärt er.

Entlang der Wanderwege rund um Plankenfels gibt es immer wieder Überraschungen, wie diesen verlassenen Keller.

26.10.2020 © Foto: Frauke Engelbrecht


Weitere Kernpunkte seiner Ranger-Tätigkeit ist das Monitoring und die Forschung in Zusammenarbeit mit anderen Institutionen, unter anderem in Sachen Fledermausschutz, Gartenschläfer oder Wachtelkönig. Aber auch der Artenschutz sei ein großes Thema. Als Beispiel nennt Kreisel das Bachmuschelvorkommen im Ailsbachtal. "Da der Ailsbach durch die zunehmend heißen Sommer stellenweise ausgetrocknet ist, haben wir geholfen, die Bachmuscheln im Sommer umzusetzen."

Einen Schwerpunkt legt Kreisel ferner darauf, die bestehenden Lehrpfade in seinem 600 Quadratkilometer großen Gebiet erlebbar zu machen. "Das ist spannend und man kann den Besucher die Natur gut vermitteln", erklärt er. Wichtig sei es aber vor allem bei seiner Arbeit, gut vernetzt zu sein mit allen Akteuren sowie den Naturschutzbehörden und den Landschaftspflegeverbänden. In ihrer Zusammenarbeit mit den Gemeinden hätten diese die Möglichkeit über den Naturpark Strukturen, wie Felsfreilegungen, Lehrpfade oder andere Naturparkeinrichtungen, fördern zu lassen. Dafür muss die Kommune einen LNPR (Landschaftspflege und Naturparkrichtlinien)-Antrag stellen. "Der Naturpark ist der Träger der Fördermaßnahme. Die Untere Naturschutzbehörde prüft, ob der Antrag fachlich förderfähig ist und die Höhere Naturschutzbehörde vergibt die Gelder nach einer weiteren Prüfung", erklärt der Ranger.

Das Geld komme vom Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz. Ob die Kommune dann die anstehende Maßnahme vom Bautrupp des Naturparks oder vom eigenen Bauhof oder Fremdfirmen ausführen lasse, sei ihre Entscheidung.

Nah an der Praxis

Martin Kreisel bezeichnet sich selbst als Allrounder unter den vier Rangern. "Zwei Kolleginnen sind Biologinnen, einer ist Fachmann für Geologie und Ökologie", berichtet Kreisel. "Ich kenne mich mit Pflanzen aus und bin nah an der Praxis dran." Aber nicht nur. Bei einer ausgiebigen Wanderung auf dem Rundweg rund um Plankenfels zeigt Kreisel Besonderheiten in der Natur – von Felsenkellern und Kletterfelsen über Streuobstwiesen bis zu diversen Büschen, die Insekten als Nahrungsquelle dienen und Flüssen, die sich durch Wald und Wiese schlängeln.

Der Naturpark Fränkische Schweiz-Frankenjura ist ein seit 1968 eingetragener Verein. Er ist mit 2346 Quadratkilometern der drittgrößte in Bayern und erstreckt sich zwischen Lichtenfels, Sulzbach-Rosenberg, Forchheim und Creußen. Damit umfasst der Park drei Regierungsbezirke, acht Landkreise sowie knapp 80 Gemeinden.

FRAUKE ENGELBRECHT

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