Sonntag, 24.01.2021

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So entstehen die Arrakbrezen der Auerbacher Schulschwestern

Mit dem Plätzchenbacken wird dort traditionell bereits am 19. November begonnen - 21.12.2020 11:55 Uhr

Nach einem traditionellen Rezept backen Sr. Anneliese (links) und Sr. Manuela Arrakbrezen. Die Köchin probiert aber auch gerne Neues aus.

20.12.2020


"Arrakbrezen ist ein originales Kloster-Rezept, das von Generation zu Generation weitergegeben wird", verrät Sr. Manuela, die Köchin von den Auerbacher Schulschwestern von Unserer Lieben Frau. "Ich habe es von meiner Vorgängerin ,geerbtʻ. Die Arrakbrezen werden bei uns in jedem Jahr gebacken." In der großen blitzblanken Klosterküche duftet es am Nachmittag nach Weihnachten. "Traditionell beginnen wir in der Mutterhausküche am Gedenktag der Heiligen Elisabeth von Thüringen, den die Kirche am 19. November feiert, mit dem Plätzchenbacken", erzählt Sr. Manuela. "Die Heilige Elisabeth ist die Heilige der Nächstenliebe, die als Landgräfin den Armen sehr viel Gutes tat und die Vorräte der Burgküche eigenhändig an die Bettler verteilt hat."

Es gibt im Advent in der Küche viel zu tun wegen der Plätzchenbäckerei, denn "nebenbei" muss auch noch täglich für das ganze Mutterhaus gekocht werden. Jeden Tag zaubert die Köchin ein komplettes Menü für um die 60 Personen. "Außer Mittwoch und Freitag, da gibt es keine Nachspeise", sagt Sr. Manuela, die als 19-Jährige 1968 eingekleidet wurde und seitdem im Kloster ist.

"Ich habe immer in Großküchen gearbeitet: im Mutterhaus, im Altenheim St. Elisabeth in Forchheim, in der St. Johannes Klinik in Auerbach und seit 2007 hier wieder im Mutterhaus", zählt sie auf. "So manche Mitschwester kommt gern für ein, zwei Stunden, um Plätzchen zu verzieren oder Nüsse zu knacken. Das ist für die Schwestern ein willkommener Ausgleich und für uns in der Küche eine große Hilfe", weiß Sr. Manuela zu schätzen. "Es heißt nicht umsonst: "Viele Hände, schnelles Ende", fügt sie lachend hinzu.


Wahl-Pegnitzerin verrät ihr liebstes Backrezept


Heute hilft Sr. Anneliese, die eigentlich Krankenschwester ist. Für sie ist es auch eine willkommene Abwechslung. "Hier helfe ich in der Adventszeit sehr gerne. Wir backen neben den Arrakbrezen auch Bärentatzen, Kokos- und Kaffeebusserl", listet sie vergnügt auf. Da kommen schon einige Kilo Plätzchen zusammen – und es geht alles weg", versichert Sr. Anneliese. "Mit selbstgebackenen Plätzchen kann man viel Freude schenken."

Gleichmäßigkeit in Perfektion

Inzwischen ist schon wieder ein Blech gefüllt. Jedes einzelne Plätzchen liegt in Reih und Glied auf dem Backblech und gleicht den anderen. Die Schwestern zeigen ihr Nudelholz, dass durch einen Abstandshalter die Teigstärke reguliert. "So erhält man die gleichmäßigen Plätzchen", verraten die emsigen Klosterschwestern, die im Vorfeld schon fleißig gebacken haben. "Selbstverständlich kann man das Rezept auch abwandeln, indem man verschiedene Formen aussticht oder die Verzierung verändert", sagt Sr. Manuela.

"Es ist auch möglich, die Geschmacksnote zu variieren, wenn man statt Arrak beispielsweise Rum oder Vanille zum Teig gibt", verrät die Bäckerin aus ihrem langen Erfahrungsschatz. "Ich bin sehr offen für Anregungen. Mitschwestern bringen mir Rezepte oder machen mich auf ein Rezept in einer Zeitschrift aufmerksam, dass ich dann auch – wenn es schön ausschaut – ausprobiere", lacht sie. "Freilich greife ich auch gerne auf Bewährtes zurück."

Ist beim Plätzchenbacken auch schon mal etwas schief gegangen? "Ja natürlich", gibt sie unumwunden zu. "Einmal konnten wir die Branntweinkränzchen nicht vom Blech lösen, ohne dass sie zu Bruch gingen. Der Fehler war, dass wir sie nicht sofort – noch im warmen Zustand – gelockert hatten." Die Klosterschwester erinnert sich an ihre Kindheit: "Bei uns zu Hause wurden die Plätzchen versteckt. Wir haben als Kinder gar nichts vom Backen mitbekommen. Die Plätzchen sahen wir das erste Mal unter dem Weihnachtsbaum."

Und wann gibt es heute im Kloster die Plätzchen? "Wenn wir am Heiligen Abend in der schwesterlichen Runde zusammensitzen. Bis dahin werden die Plätzchen in Dosen sorgfältig aufbewahrt. Den Bruch darf man allerdings schon vorher "naschen", verrät Sr. Manuela. Auch das Eintüten der Plätzchen vor dem dritten Adventssonntag sei eine beliebte Beschäftigung der Mitschwestern.

In der Adventszeit wird zudem sehr viel im Kloster gebastelt. So entstehen individuelle Weihnachtskarten, jede selbst ein liebevolles Unikat, und kunstvolle Strohsterne. "Die Weihnachtskarten schreiben wir unseren Angehörigen", erzählen die Schwestern.

Einstimmung aufs Fest

Die jungen Schwestern im Kloster schmücken Weihnachten den Baum und bereiten die Krippe vor. Auf den Tischen zieren Naturgestecke mit Sternen, Kerzen und Laternen mit den Herbergssuche-Motiven die gemütlichen, historischen Räume. "Es gibt sehr viele schöne Gedichte und Geschichten zu Weihnachten. Ich nenne die Erzählung "Als ich Christtagsfreude holen ging" von Peter Rosegger, einem österreichischen Heimatdichter. Er schreibt über seine Erlebnisse als Waldbauernbub", empfiehlt Sr. Manuela zur Lektüre.

Derweil ist schon wieder ist ein Blech mit Arrakbrezen fertig, dessen Inhalt liebevoll verziert – Weihnachtsfreude an Beschenkte garantiert von Herz zu Herz weitergibt.

ROSI THIEM

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