Dienstag, 02.06.2020

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So erleben Partnerstädte die Pandemie

Wie ist die Corona-Lage in den befreundeten Städten des NN-Verbreitungsgebiets? - 08.04.2020 06:55 Uhr

Der Festsaal in Laneuveville ist seit Wochen leer und ungenutzt. An den Folgen der Corona-Krise leiden die Menschen welt- und europaweit. Auch in den befreundeten Ländern Frankreich und Deutschland. © Foto: Brigitte Grüner


In der Auerbacher Partnerstadt Laneuveville gibt es den ersten Corona-Toten. Wie es der französischen Stadt mit dem Virus geht und wie die Lage in anderen befreundeten Städten des NN-Verbreitungsgebiets ist:

In Laneuveville gebe es mindestens acht Corona-Patienten, aber es sei nicht leicht, die exakte Zahl zu benennen, schreibt Bürgermeister Serge Bouly auf Anfrage unserer Zeitung. Vergangene Woche sei Pierre Holderbach gestorben. "Der 92-Jährige war ein großer Freund der Städtepartnerschaft und Mitglied im Partnerschaftsverein. Er war ein Mann, der alles über die Geschichte unserer Stadt wusste und der sehr beliebt war", bedauert Bouly.

Im Raum Nancy wie auch im Departement Meurthe-et-Moselle, zu dem Laneuveville gehört, gebe es sehr viele Infizierte, viele kurierten sich zu Hause aus. Seit 1. März sind mindestens 75 Personen verstorben. Vergangene Woche lagen 411 Menschen in Krankenhäusern, 156 von ihnen mussten beatmet werden. Insgesamt haben 132 Menschen die Klinik wieder verlassen.

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Der Bürgermeister selbst gehe jeden Vormittag in das Rathaus und in das Seniorenheim. Ersteres habe eigentlich geschlossen. Wenn Bür-ger etwas brauchen, müssen sie anrufen. Ein Teil der Mitarbeiter sei anwesend und arbeite weiter.

Auch rufen Bouly und eine seiner Stellvertreterinnen täglich ältere Bürger an und fragen, ob sie etwas benötigen. "Normalerweise helfen Kinder und Freunde bei den Einkäufen. Aber wir machen das ebenfalls, wenn es nötig ist", so der Bürgermeister weiter. Er hat den Eindruck, dass das Leben "stehen bleibt"; zumal man zwischen 22 und 5 Uhr nicht unterwegs sein darf.

Er ist noch bis mindestens Ende Juni Bürgermeister. Im ersten Wahlgang wurde kein Nachfolger für ihn gefunden und der zweite wurde wegen der Pandemie abgesagt. Er findet voraussichtlich im Oktober statt.

Ähnlich wie in Deutschland dürfen die Franzosen sich seit 17. März nicht mehr ohne spezielle Genehmi-gung in der Öffentlichkeit bewegen.

Nur noch zum Arbeiten, Einkaufen oder für Apotheken- und Arztbesuche. Spazierengehen sei nur für eine Stunde erlaubt. Die Corona-Zeit sei "insgesamt schwierig" für die Franzosen, vor allem aber für diejenigen, die in kleinen Wohnungen leben. Bouly selbst verbringt Zeit im Garten und arbeitet dort. Auch die Kinder in Frankreich treffe es hart. Denn nicht alle haben eine Internetanbindung, um die Hausaufgaben zu machen, die Lehrer mailen. Vor allem die Kleineren werden in der Krippe und in zwei Klassenzimmern betreut, wenn ihre Eltern in der Pflege tätig sind.

Eigentlich wollten die französi-schen Freunde im Juli nach Auer-bach kommen, allerdings muss die Entwicklung der Pandemie abgewar-tet werden. Bereits auf unbekannt verschoben ist das Treffen der Partnerstädte an Himmelfahrt in Pegnitz: Gäste aus Guyancourt und Slany wollten kommen.

"Wir haben verständnisvolle Rückmeldungen erhalten", sagt die Vorsitzende des Städtepartnerschaftsvereins Andrea Giesbert.

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"Sie hatten schon mit Absagen gerechnet." Eigentlich wollte Pegnitz zusammen mit Guyancourt und Slany das 30- beziehungsweise 15-jährige Bestehen der Partnerschaften feiern. Wie es weitergeht, weiß Giesbert noch nicht, hat aber schon einige Ideen, die noch nicht spruchreif sind.

Über Infizierte in den Partnerstädten hat sie keine Informationen, kann aber berichten, dass es bislang "allen gut geht, die wir kennen". In Slany, wie in der gesamten Tschechischen Republik, gibt es seit Ende März eine Mundschutzpflicht. Auch Schulen und Geschäfte sind dort schon länger geschlossen. Über "die Freunde" wisse sie, dass Tschechen und Franzosen die Zeit zu Hause ähnlich nutzen wie die Deutschen: "Sie versuchen, die Situation für sich zu entschärfen und machen das Beste daraus." Einige müssen — wenn auch ohne Kundenkontakt — weiterarbeiten. Die Situation sei in Guyancourt und Slany vergleichbar mit Pegnitz.

Die Lage in ganz Italien ist hin-gegen verschärfter: Der Bürgermeister der Stadt Baschi, Damiano Bernadino, mit der Betzenstein eine Freundschaft pflegt, hat vor ein paar Tagen ein Video auf seine Facebookseite gestellt und eine Schweigeminute für die Corona-Opfer in Italien gehalten. Außerdem dankt er Rettungsdiensten, Zivilschutz, Feuerwehr und Ehrenamtlichen und lobt die Einwohner von Baschi, dass sie sich an die Ausgangsverbote halten.

Und er verkündet, dass die Kommune für Bedürftige sogenannte Lebensscheine ausgeben wolle. Also Gutscheine oder Geld, damit sie das Nötigste kaufen können. In dem 2700 Einwohner großen Ort gebe es nur drei Infizierte, wobei einer schon wieder auf dem Weg der Besserung sei, sagt Betzensteins Bürgermeister Claus Meyer. Die anderen beiden seien in häuslicher Quarantäne. Zuletzt hatte Meyer vor gut einer Woche Kontakt mit den italienischen Freunden.

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Eigentlich wollten die Italiener im Frühjahr nach Betzenstein kom-men. Ob das Treffen im Herbst nachgeholt werden kann, weiß der Bürgermeister noch nicht. Denn unabhängig von Corona müssten sich viele der italienischen Freunde zu dieser Jahreszeit um die Oliven- und Weinernte kümmern.

Wie es mit den Treffen weitergeht, ist bislang ungewiss. Auch Andrea Giesbert wagt keine Prognose, lässt aber anklingen, dass sie versuchen möchte, an Himmelfahrt trotzdem eine Aktion zu planen, um zumindest an die Städtepartner zu erinnern. "Wie das genau aussehen wird, kann ich aktuell noch nicht sagen."

Außerdem würde sie gerne die geplante Ausstellung mit Gemälden von Künstlern aus Guyancourt und Slany im Gesundheitszentrum umsetzen. "Das hängt aber davon ab, ob die Grenzen geöffnet werden und wir überhaupt an die Bilder kommen." Sie sagt, dass sie eigentlich schon fast alles vorbereitet hatte, um die Gäste im Mai zu empfangen. Dass die Organisation umsonst war, findet sie "traurig", sagt sie im Gespräch. "Denn wegen der Pandemie können wir unsere Freunde nicht sehen."

BRIGITTE GRÜNER UND KERSTIN GOETZKE

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