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So gehen Freizeiteinrichtungen mit Corona um

Die Maßnahmen zur Bekämpfung des Coronavirus haben Auswirkungen auf den Pottensteiner Tourismus. - 13.04.2020 08:55 Uhr

Auch der Erlebnisfelsen Pottenstein steht derzeit still. Wann die Freizeiteinrichtungen — wie der Hexenbesen — wieder genutzt werden können, weiß derzeit niemand.

10.04.2020 © Foto: Archiv/Thomas Weichert


Seit drei Wochen ist Schluss mit Shopping und Spaß. Auch in den Freizeiteinrichtungen in der Fränkischen Schweiz heißt es seither "Rien ne va plus" – nichts geht mehr. Die Maßnahmen zur Bekämpfung des Coronavirus haben massive Auswirkungen auf den Tourismussektor. Für touristische Betriebe ist die Verfügung, die ein Veranstaltungs- und Versammlungsverbot, die Schließung der meisten Freizeiteinrichtungen und von Gastronomiebetrieben beinhalten, ein herber Schlag. Wie gehen die Abenteuerwerkstätten, Erlebnismeilen, Funparks und Burgen oder Golfplätze in der Region mit dem Problem um?

"Sämtliche Einrichtungen der Pottensteiner Erlebnismeile bis 19.04.2020 geschlossen! Der Betrieb sämtlicher Einrichtungen, die nicht notwendigen Verrichtungen des täglichen Lebens dienen, sondern der Freizeitgestaltung, wird untersagt." Dieser oder ähnliche Hinweise sind dieser Tage auf allen Homepages oder an den Eingängen der diversen Vergnügungsstätten zu lesen. Christoph Maler von der Abenteuerwerkstatt Betzenstein gibt sich kämpferisch: "Wir stecken den Kopf jetzt nicht in den Sand, sondern arbeiten ganz viel am Gelände." Was in normalen Zeiten außerhalb des Jahresplans vielleicht etwas zu kurz komme, könne jetzt erledigt werden. "Ferner planen wir jetzt verstärkt neue Konzepte, straffen interne Strukturen und optimieren Abläufe."

Was bietet die Abenteuerwerkstatt normalerweise? Maler erklärt: "Unternehmen und Organisationen stehen vor enormen Herausforderungen, immer mehr wird klar, dass Gewohntes hinterfragt werden muss. Wir machen neue Perspektiven erfahrbar und entwickeln Teams." In Workshops würden Übungen und Reflexionen speziell auf das jeweilige Team abgestimmt. Ob beim gemeinsamen Flossbau, während einer GPS-Tour oder bei Teamübungen auf dem Eventgelände. In der Natur greife man Themen wie Kommunikation, Workflow, vernetztes Denken, Teamgeist, Schnittstellen oder Zusammenarbeit auf und mache dies praktisch erlebbar.

Die Werkstatt beschäftigt vier feste Mitarbeiter und wird von circa 30 meist auf geringfügiger Basis angestellter Helfer unterstützt. Maler bedauert die derzeitige Situation auch angesichts des tollen Wetters, das über Ostern vorausgesagt worden sei. "Aber wir leben unsere Aufgabe, für die unser Herz schlägt. Momentan haben wir viel zu tun und wir werden aus der Zeit der Beschränkungen unseren Nutzen ziehen", betont Maler. Dennoch müsse man sich natürlich auch mit der Frage von eventueller Kurzarbeit beschäftigen. "Wir haben ja jetzt null Einnahmen. Das kann man nicht über einen längeren Zeitraum durchhalten."

"Es war alles bereit"

Hart getroffen von der Schließung ist auch die Burg Rabenstein in Ahorntal. "Wir mussten sofort in Kurzarbeit gehen", sagt Sabine Dess. Einige wenige Wochenstunden seien von den Mitarbeitern teilweise noch zu leisten: Geländearbeiten, Aufräum- und Reinigungsarbeiten, Kundenbetreuung für Stornierungen und die derzeit wenigen Reservierungen. "Da die Ausgangsbeschränkungen verlängert wurden, erwägen wir, weitere staatliche Hilfen zu beantragen." Von den Einschränkungen sei die gesamte Belegschaft betroffen, will man ja derzeit null Einnahmen habe, da weder Gastronomie noch Hotellerie oder Führungsbetrieb erlaubt seien.

Im Winter habe man zur Vorbereitung auf die Saison Reparaturen und ähnliche Arbeiten durchgeführt, die jetzt zu bezahlen seien. Dess: "Und das ohne Einnahmen. Es war alles bereit für den Geschäftsbetrieb im Frühjahr und Sommer." Weitere Reparaturen und Instandhaltungsarbeiten würden derzeit aus Kostengründen nicht in Angriff genommen. Investitionen müssten jetzt erst einmal zurückgestellt werden. Dennoch sei man zuversichtlich, dass man die schwierige Zeit überstehe und danach wieder für die Gäste da sein könne. "Außerdem hoffen wir, dass die Infektionszahlen möglichst rasch eine Lockerung der Beschränkungen erlauben."

Ähnlich sieht es in der Burg Gößweinstein aus. Man erledige jetzt Kleinigkeiten, aber alles andere liege derzeit auf Eis. "Keiner kann sagen, wie lange es noch dauern wird. Wir müssen das Geld zusammenhalten, denn in Krisenzeiten ist der König, der sein Geld zusammengehalten hat", heißt es von der Burgverwaltung. Als Konsequenz hat das Familienunternehmen und Saisonbetrieb bisher kein zusätzliches Personal eingestellt. Staatliche Hilfe habe man ebenfalls nicht beantragt. Von der Schließung der Einrichtung sind fünf Beschäftigte direkt betroffen. Für die Zukunft gibt man sich auf der Burg vorsichtig positiv. "Die Krise wird vorüber gehen und der regionale Tourismus noch mehr Anhänger finden. Wir werden die Zeit nutzen, um unser bestehendes Geschäftsmodell bestmöglich an den Wandel anzupassen."

Aufräumen, optimieren, reparieren

Die Zeit des Stillstands nutzt man im E-Funpark Pottenstein zum Aufräumen, Optimieren und Reparieren. "Was anderes bleibt uns ja nicht", sagt Parkleiter Werner Schmitt. Normalerweise würden jetzt wieder Dutzende elektrisch betriebener Go-Karts, Segways, Motorräder und Fahrräder über das Gelände am Langen Berg jagen und den Piloten großes Vergnügen bereiten. Für die drei betroffenen Mitarbeiter habe man Kurzarbeit beantragt, aber noch nicht genehmigt bekommen, sagt Schmitt. Er ist sich ziemlich sicher, dass der Betrieb nach Ostern wieder freigegeben werde, denn "die können ja nicht alles noch länger schließen."

Jeder geschlossene Betrieb sei ein Glied in der Wirtschaftskette, die dann insgesamt nicht mehr funktionieren könne. "Es wird bald weitergehen", ist Schmitt überzeugt.

UDO FÜRST

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