Freitag, 05.03.2021

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So steht es in Pegnitz um den heimischen Unterricht

Einige Programme, die beim Homeschooling zum Einsatz kommen, brechen unter der Last der Anfragen zusammen. - 15.01.2021 16:32 Uhr

Der Neustart des Distanz-Unterrichts am Montag war wieder von Störungen geplagt. Einige Schüler konnten sich nicht einloggen oder hatten Probleme bei der Übertragung von Daten. Eine perfekt funktionierende Software scheint es nicht zu geben.

14.01.2021 © Foto: Martin Burger


Kurz vor dem ersten Lockdown machten sich die ersten Schulen Gedanken darüber, wie man die Schüler ohne Präsenz unterrichten könne. So unterstützte auch Jens Havelberg die Grundschule, indem er Tipps gab und die einzelnen Vor- und Nachteile der unterschiedlichen Programme aufzeigte. Einer seiner Favoriten sei dabei ganz klar Microsoft Teams, welches bereits erfolgreich an der Christian-Sammet-Schule zum Einsatz kommt. So erklärt Schulleiter Thorsten Herzing: "Eigentlich läuft es sehr zuverlässig. Klar hat man manchmal Ruckler, aber keine kompletten Abbrüche." Eventuell liegen die Ruckler jedoch an einer zu schlechten Internetleitung, erklärt Jens Havelberg.

In der Theorie könnten die Schulen ebenfalls dieses Programm nutzen, es kommt bisher nur selten zum Einsatz, weiß Havelberg. Hier sieht der IT-Experte eine große Gefahr, die er auch auf Facebook postete und viel Zuspruch erhielt. So ginge es ihm vor allem darum, dass alles aus einer Hand geliefert werde und auch die Stabilität der Systeme spiele eine Rolle. Viele Software-Lösungen seien gar nicht für so einen großen Ansturm an Benutzern gewappnet. Das zeigte sich wohl auch am Montagmorgen im Pegnitzer Gymnasium, als die Software Bigbluebutton (Videokonferenz) sowie der schuleigene Dateiaustausch-Server beim Ansturm der Schüler zusammenbrachen. "Wir haben festgestellt, dass es nicht gut geeignet ist, wenn sehr viele Benutzer gleichzeitig in eine Videokonferenz wollen", bestätigt Annett Becker, die Schulleiterin des Gymnasiums. Nun fahre man zweigleisig und benutze neben Bigbluebutton noch ein weiteres: Zoom. So soll die große Last an Anfragen auf zwei Systeme verteilt werden.

Kostenloses Paket

Doch genau das sei ein Problem, meint Havelberg. Microsoft biete ein gesamtes Paket und das kostenlos. Auch im Arbeitsleben erleichtere das den Einstieg der Schüler, denn sehr viele Firmen nutzen die gängigen Softwarelösungen wie Excel, Word oder Outlook. "Microsoft Online wird den Schulen nicht erst seit der Pandemie kostenlos angeboten, das war, ist und bleibt auch immer so."

Mit den zwei Programmen ist die Schulleitung am Gymnasium jedoch zufrieden. Parallellaufend halte man Video-Unterrichtsstunden ab – von der fünften bis zur zehnten Klasse. "Der jeweilige Klassenleiter gibt einen Stundenplan heraus, wann er eine Videokonferenz abhält. Ein bis zwei Stunden am Tag sollten auf jeden Fall per Videokonferenz stattfinden, damit der Kontakt gehalten wird."

Das große Problem am Montag sei laut Becker gewesen, dass sich viele Schüler nicht an den Wunsch der Schule gehalten und die benötigten Programme bereits am Vorabend runtergeladen haben. Einige Eltern hätten darüber bereits ihren Unmut geäußert, trotzdem erhalte die Schule auch viel positives Feedback. So auch von den Lehrkräften, die bereits seit März vergangenen Jahres ausreichend Zeit hatten, sich damit zu beschäftigen.

Auch an der Pegnitzer Grundschule sei man relativ zufrieden, bestätigt Schulleiterin Tanja Engelbrecht. "Unsere Lehrkräfte haben die größtmögliche Freiheit, altersangemessen und pädagogisch passgenau Lernumgebungen zu gestalten." Für die Wochenpläne werde mit der Software Padlet gearbeitet, in der die Aufträge der Fachlehrer integriert werden können und für Videokonferenzen werde Jitsi verwendet. Hinzu kommen fertige Erklär-Videos aus verschiedenen Rundfunk-Mediatheken oder Sport- beziehungsweise Musikseiten zum Einsatz. Für freiwillige oder zusätzliche Übungen kämen unterschiedliche Apps dazu, wie Antolin. Deren Inhalte seien alle kostenlos.

Da die Schule seit nunmehr fast einem Jahr so arbeite, gebe es recht wenig Beschwerden von Seiten der Eltern. "Zahlreiche Eltern sind mit den verwendeten Programmen vertraut. Wir haben beibehalten, was sich bewährt hat und ergänzen individuell mit zusätzlichen Tools", erklärt Engelbrecht. Nach den ersten drei Tagen gab es vereinzelt Rückmeldungen der Eltern, dass deren Kinder sich gut zurechtgefunden haben. "Sicherlich gibt es Eltern, die auch andere digitale Werkzeuge befürworten würden. Letztendlich ist es aber wichtig, eine gemeinsame Basis zu finden, auf der übersichtlich, datenschutzkonform und pädagogisch sinnvoll gearbeitet werden kann."

Auch das Kollegium sei mit den Programmen zufrieden, da sie diese selbst wählen können. "Beste hohe Flexibilität und pädagogische Freiheit." Aufgrund der hohen Auslastung gebe es natürlich hin und wieder Probleme, wie zum Beispiel beim Einloggen oder beim Ton. Doch die Umstände erfordern eben Geduld und das sei mit einem höheren Zeitaufwand verbunden – man arbeite jedoch durchgehend an einer Optimierung.

Auf die Frage, ob man auf ein baldiges Ende des Homeschoolings hoffe und ob die Schulleiterinnen denken, dass diese Art von Unterricht Auswirkungen auf die geschulten Kinder haben werde, waren sich beide einig. "Jeder will ein baldiges Ende der Pandemie und der damit verbundenen Änderungen von Routinen", sagt Engelbrecht, "die Eindämmung und Bewältigung der Pandemie hat allerdings obersten Stellenwert."

Kein Ersatz für die Präsenz

Und auch Annett Becker hofft auf bessere Zeiten. "Dass momentan Homeschooling stattfindet, ist wichtig. Ich hoffe trotzdem, dass ein Teil der Schüler ab Februar wieder in die Schule kommen darf. Homeschooling kann den Präsenzunterricht nicht ersetzen", ist sich Becker sicher. Und auch im Hinblick auf die Langzeitschäden der Kinder denkt Becker, dass die Defizite durch den hoffentlich bald wieder eingeführten Präsenzunterricht aufgefangen werden können.

MARTIN BURGER

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