Sommer, Sonne, Sport und Natur: Tourismus-Boom in der Fränkischen Schweiz

10.6.2021, 14:55 Uhr
Das Klumpertal in der Fränkischen Schweiz lädt zum Wandern ein. Weil unter anderem Pottenstein viel zu bieten habe, ist das Tal nicht überlaufen, meint Thomas Bernard.

Das Klumpertal in der Fränkischen Schweiz lädt zum Wandern ein. Weil unter anderem Pottenstein viel zu bieten habe, ist das Tal nicht überlaufen, meint Thomas Bernard. © Foto: Klaus Trenz

"Die Menschen haben in den vergangenen Monaten wieder zu schätzen gelernt, was alles direkt vor ihrer Haustür möglich ist", meint Matthias Helldörfer, Leiter der Tourismuszentrale Fränkische Schweiz. Dabei sind es auch praktische Gründe, die für einen Urlaub in der Region sprechen. "Es gibt keine Sprachbarriere und die Regeln sind allen bekannt. Das gibt vielen Sicherheit, sollte es zu gesundheitlichen Problemen kommen."

Fokus auf die Natur

Ein Trend, den Helldörfer zunehmend beobachtet, ist der Wunsch nach Natur. Dazu beigetragen habe, dass inzwischen viele Menschen ein E-Bike besitzen. Generell habe sich die Fränkische Schweiz in den vergangenen Jahren zu einer Outdoor-Region entwickelt. "Klassisches Sightseeing in den Städten wird mittlerweile deutlich seltener, was nicht bedeutet, dass sie deshalb menschenleer sind", berichtet Helldörfer.

Ob die Tagestouristen dadurch auch naturbewusster geworden sind, lasse sich schwer einschätzen. "Man kann nicht bestreiten, dass es vereinzelt zu Beschwerden gekommen ist. Die allermeisten verhalten sich jedoch rücksichtsvoll." Besonders beliebt ist das gesamte Wiesenttal und die Region um das Walberla. Pottenstein ziehe mit seinen erlebnisorientierten Attraktionen vor allem junge Familien an. Daneben locke die Fränkische Schweiz vor allem Paare und ältere Erwachsene an; jüngere Touristen gibt es, sie sind jedoch etwas seltener.

In Pottenstein hat die Sommersaison längst begonnen. "Die Telefone klingeln bei uns ununterbrochen", erzählt Thomas Bernard vom Tourismusbüro Pottenstein. Häufig sind es Fragen zu Wander- oder Fahrradtouren, die die Anrufer beschäftigen. "Viele unserer Gäste fragen auch ganz gezielt nach, weil sie bereits seit vielen Jahren zu uns kommen", sagt Bernard. Durch Corona habe sich nicht viel verändert, eigentlich. "Was auffällt ist, dass Menschen derzeit häufiger nach Plätzen suchen, an denen etwas los ist. Das ist wohl der Wunsch nach Geselligkeit." 

Trotz der hohen Frequenz sei es seiner Ansicht nach im Ort nie überlaufen. Das liege wohl auch an der Vielfalt, die Pottenstein seinen Besuchern bietet. Besonders das Klumpertal und das Obere Püttlachtal standen dabei in den vergangenen Jahren im Fokus. "Es kommt ganz darauf an, welche Interessen ich habe. Will ich wandern, klettern oder lieber ein Museum besichtigen?", meint Bernard. Einen richtigen Geheimtipp, was ein Besucher unbedingt gesehen haben sollte, könne er daher gar nicht geben. Außerdem: "Geheimtipps sind nun einmal geheim."

In Obertrubach sind es vor allem Unterkünfte, nach denen die Anrufer fragen. "Als vergangene Woche gelockert wurde, haben wir eine deutliche Zunahme an Anfragen erlebt", berichtet Martin Reichel von der Touristeninformation Obertrubach. Ansonsten sind es eher allgemeine Fragen, die Erholungssuchende stellen. "Vereinzelt sind auch Fragen zu den Corona-Regeln dabei; die sind aber etwas seltener geworden." Dass Urlauber inzwischen aktiver sind, hat Reichel nicht beobachtet. Fragt man ihn nach eine Empfehlung, hat er folgenden Geheimtipp: "Die Gegend um den Altarstein oder den Wolfsberg mit der Burgruine ist besonders schön."


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Aktiv sein wollen auch die Besucher von Auerbach. "Das Interesse ist in letzter Zeit deutlich gestiegen", erzählt Tina Schwendner vom Stadtmarketing. Besonders die Stellplätze für Wohnmobile seien derzeit unter Anrufern das Top-Thema. Aber auch Wanderwege und Ausflugsziele seien derzeit gefragt, "man merkt einfach, dass die Menschen ihre Zeit aktiv verbringen wollen."

Häufig zieht es die Menschen daher zu der Steinernen Stadt, der Maximiliansgrotte oder dem Felsenlabyrinth. Corona mache den Touristen derzeit weniger sorgen. "Es kommt zwar vor, dass sich jemand nach den Regeln erkundigt, das ist mittlerweile aber eher selten geworden", meint Schwendner. Für Ausflügler hat sie ebenfalls einen Geheimtipp: "Der Gottvaterberg wurde vor Kurzem sehr schön hergerichtet. Man hat eine Sitzbank um Brotzeit zu machen und hat dabei einen sehr schönen Panoramablick über die Berge." Die wieder erlangte Freiheit lässt auch in Waischenfeld die Telefone nicht mehr still stehen. "Es ist schon heftig, was gerade los ist", sagt Adolf Hofmann, Leiter der Touristeninformation. Viele Anrufer fragen nach Unterkünften oder ob die Gasthäuser wieder offen haben. Nicht ganz unbegründet, wie sich zeigt: "Bis vergangene Woche waren viele Gaststätten und Anbieter verunsichert, ob sie öffnen können und sollen". 

Boom gleicht Ausfälle nicht aus

Dass nun vor allem die Testpflicht gelockert wurde, habe zu einer deutlich höheren Nachfrage geführt. Besonders gefragt sind auch in Waischenfeld Wander- und Fahrradtouren, vor allem der Brauereien- und Kulturwanderweg erfreut sich dabei einer großen Beliebtheit.

Daneben steige auch das Interesse an Wohnmobilstellplätzen in der Stadt. "Ganz ausgleichen kann der aktuelle Boom die Ausfälle durch Corona nicht", meint Hofmann. Es sei aber gut, dass nun endlich wieder etwas möglich ist. Geheimtipp: "Seit vergangenem Jahr gibt es den Panoramaweg mit einer sehr schönen Aussicht, und einem wunderbaren Blick auf die Burg."

In Gößweinstein freuen sich Hoteliers und Besitzer von Ferienwohnungen ebenfalls über die Lockerungen. "Die Rückmeldungen sind durchwegs positiv", bestätigt Monika Merz vom Ferienzentrum Gößweinstein. Dass aktuell nur noch bei der Anreise ein Corona-Test nötig ist, habe das Reisen interessanter gemacht. Neben Wandern und Fahrradfahren ist auch das Klettern beliebt. Der eigentliche Trend sei jedoch Reisen im eigenen Land. "Vergangenes Jahr hatten wir doch noch eine sehr gute Saison", sagt Merz. Wie es am Ende dieses Jahres aussehe, könne man derzeit noch nicht einschätzen – "dazu bräuchte man schon eine Glaskugel". Jetzt heiße es nach vorne zu schauen und nicht zurück. 

Geheimtipp: "Der Walli-Maus-Weg ist gerade für Familien mit Kindern sehr schön. Im Wallfahrtsmuseum kann man sich ein Paket abholen, mit dem sich Kinder einen eigenen Wanderstock basteln können."

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