Donnerstag, 03.12.2020

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Sorge vor "hartem Lockdown" bei Gewerbevereinen

Gewerbetreibende sprechen über die Sorge vor einem möglichen "harten" Lockdown und drohende Schließungen. - 22.11.2020 08:55 Uhr

Die Pegnitzer Innenstadt war zum Zeitpunkt des ersten Lockdowns im März 2020 wie leer gefegt. Viele Gewerbetreibende litten unter den Corona-Maßnahmen. Die Angst vor einem erneuten, harten Lockdown besteht, aber man gibt sich optimistisch.

20.11.2020 © Archivbild: Andreas Beil


Vor allem in Hinblick auf das Weihnachtsgeschäft halten sich Hoffnung und Angst die Waage bei den meisten Selbstständigen. Sollte ihnen ein drohender harter Lockdown einen Strich durch die Rechnung machen, wäre das für viele fatal.

"Ich kann es mir eigentlich nicht vorstellen, aber ich hoffe auf keinen Fall, dass es nochmal einen harten Lockdown gibt. Das wäre eine absolute Katastrophe", so Christina Wellhöfer vom Arbeitskreis "Unser Pegnitz". "Der Einzelhandel hat viel gelernt und die Hygieneregeln umgesetzt. Es wird auch strikt darauf geachtet, wie viele Personen ins Geschäft dürfen", zählt sie nur einige der Vorgaben für den Einzelhandel auf.

"Wenn wir jetzt vor Weihnachten den Einzelhandel zumachen müssten, wäre das ein Drama. Dann ist das Weihnachtsgeschäft gelaufen", erklärt Susanne Wagner-Dörrzapf, Vorsitzende des Förderkreises "Attraktives Auerbach". Aber auch sie gehe nicht davon aus, dass es nochmal einen kompletten Lockdown für den Handel gibt.

Sorge abhängig vom Gewerbe

Die Pandemie ist für Selbstständige und Gewerbetreibende unberechenbar, da sie nicht alle Branchen gleichermaßen betrifft. Eine pauschale Antwort, was ein erneuter Lockdown für die Betriebe im Verband bedeuten würde, könne man also nicht geben, so Harald Pischitz, Vorsitzender im Bund der Selbständigen (BDS) Ortsverband Betzenstein-Plech. Die Busunternehmen werden zum Beispiel härter getroffen, wenn zum ausfallenden Reiseverkehr auch noch die Schulen schließen sollten und dadurch die Schulbusfahrten wegfallen würden, gibt Pischitz zu bedenken.

Auch die Gastronomie leide. "Ich finde es sehr heftig, dass die wieder schließen mussten. Mit dem Essen zum Mitnehmen kann man das nicht auffangen", so Wagner-Dörrzapf. Alles was mit Handwerk zu tun habe, treffe das eher weniger. Diese haben teils mehr Aufträge erhalten als zuvor, berichtet Pischitz aus Betzenstein.

Im Einzelhandel ist es wiederum von den Waren abhängig. Während Outdoor- und Wanderausrüstung gerade gut über die Ladentheke gehe, sei das Geschäft mit Ski-Zubehör nicht vergleichbar mit der vorherigen Saison, spricht Susanne Wagner-Dörrzapf aus eigener Erfahrung. 

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Viele der Gewerbetreibenden in den Verbänden setzen stark auf das Weihnachtsgeschäft. "Wir hoffen natürlich darauf, dass uns die Kunden unterstützen und nicht ins Internet abwandern", so die Pegnitzerin Wellhöfer. Es ist ein allgemeiner Trend, der bereits festzustellen sei und sich durch einen neuen Lockdown noch verstärken würde, erachtet Harald Pischitz.

Susanne Wagner-Dörrzapf und Christina Wellhöfer setzen stark auf den Faktor Kleinstadt. "Vielleicht spielt es uns etwas in die Karten, dass in unserer Einkaufsstraße weniger los ist, als etwa in Bayreuth oder Nürnberg und die Leute eher in Pegnitz einkaufen." Auch Wagner-Dörrzapf hofft auf diesen Kleinstadt-Vorteil und erklärt: "Da fühlen sich die Leute sicherlich wohler, als in einer riesigen Fußgängerzone."

Existenzangst und Ungewissheit

Beim BDS Betzenstein sei man in der glücklichen Situation, dass die Mitglieder nicht akut in ihrer Existenz bedroht sind. "Das liegt an unserer guten Struktur und den sattelfesten Betrieben, die jahrzehntelang gut gewirtschaftet haben", begründet der Vorsitzende Pischitz. Zudem sei er stolz, wie die Kunden in dieser schwierigen Zeit die Treue zu den regionalen Unternehmen halten. Da könne er aber nur für Betzenstein und Plech sprechen, fügt er hinzu.

Auch Christina Wellhöfer hat noch keine Hinweise aus dem Arbeitskreis erhalten, dass Geschäfte in Pegnitz wegen der Corona-Maßnahmen vor dem Aus stehen. Beim Verband Attraktives Auerbach sind ebenfalls keine Geschäftstreibenden bekannt, deren Existenzen bedroht wären. Es werde aber natürlich darüber gesprochen und die Sorge bestehe, geben beide Frauen zu verstehen.

"Ich denke schon, dass jeder Selbstständige ein bisschen Angst um seine Existenz hat. Da hängen ja auch mehrere Mitarbeiter mit dran. Vor allem, weil wir eine solche Situation noch nie hatten, weiß niemand so recht, wo das ganze hinführt", fasst Susanne Wagner-Dörrzapf die gegenwärtige Stimmung im Verband zusammen.

Das Wichtigste für Harald Pischitz sei die Gesundheit der Familien, Kunden und Mitarbeiter. "Ich will in keiner Weise die Maßnahmen unserer Regierung kritisieren und halte diese teils für notwendig und sinnvoll", so Pischitz und fügt hinzu: "Was uns Gewerbetreibende eher stört, ist die fehlende Planungssicherheit." Zwar verstehe er, dass man in manchen Situationen schnell reagieren müsse, aber das hin und her mache die Lage schwierig.

OLIVER HAAS

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