Samstag, 27.02.2021

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Sorgen bei Pegnitzer Jägern: Deshalb sollten Wanderer im Wald auf den Wegen bleiben

Im Winter sei das Wild großem Stress ausgesetzt - 17.01.2021 17:48 Uhr

Einmal in der Woche füllt Jäger Karl-Heinz Inzelsberger im Winter die selbst gebauten Futterstellen im Revier Pegnitz auf. Sie sollen Ruhestellen sein. Viele Wanderer und Radfahrer wissen das aber nicht und setzten die Tiere erheblich unter Stress.

17.01.2021 © Foto: Frauke Engelbrecht


Die beiden Männer bejagen miteinander das Revier Pegnitz. Groß hat 1961 seinen Jagdschein gemacht, Inzelsberger 1989. Und wie jedes Jahr machen sich die beiden große Sorgen um das Wild, das im Winter großem Stress ausgesetzt sei. "Normalerweise hat das Wild keinen Stress", erklärt Groß. "Es fährt im Winter seinen Energiehaushalt runter."

Aber damit sei es vorbei, wenn Wanderer mit ihren Hunden und Schneeschuhen durch den Wald stapften oder Mountainbike-Fahrer durch die Prärie rauschten. Und das mitunter noch ganz nahe an den Futterstellen, die er und Inzelsberger, füllten. "Die Leute wissen gar nicht, was sie da anrichten", resümiert Inzelsberger. Rund 800 Hektar ist ihr Revier groß, 450 Hektar davon sind jagdbar.

Wöchentlicher Nachschub

Im November fangen die beiden Jäger langsam an, die zehn Futterstellen, die sie selbst gebaut haben, zu füllen. Wöchentlich füllen sie die Unterstände auf, hängen Salzlecksteine auf. So können sich die Rehe langsam an das Futter gewöhnen. "Wir füttern im Winter nur dazu, wir wollen die Tiere nicht mästen." Es gibt Rohfaser, wie Luzernegras und Heu, oder Apfeltrester für die Feuchtigkeitsaufnahme und auch Eiweißfutter, etwa Körnermais und Hafer. Etwa 1000 Euro geben die beiden dafür im Jahr aus.

Die Futterstellen liegen weit auseinander, um die Übertragung von Krankheiten zu verhindern. Nicht nur die Rehe fressen dort, auch Hasen knabbern an Futter, das heruntergefallen ist, berichten die beiden.

Die Futterstellen sollen Ruhestellen für die Tiere sein. Wenn sie aber von Menschen aufgescheucht werden, haben sie diese nicht. "Es herrscht viel Unwissen bei den Leuten", sagt Inzelsberger. Er habe ja Verständnis dafür, dass sie raus in die Natur wollten, aber sie sollten dann doch bitte auf den Wegen bleiben. Wenn die Tiere so unter Stress geraten, besteht die große Gefahr, dass sie sich an Jungbäumen verbeißen und die Jäger dann vom Förster zu einer höheren Abschussrate aufgefordert werden.

Hinzu kommen noch die Schälschäden – sie entstehen, wenn das Wild die Rinde von den Bäumen abnagt. "Das Schlimmste ist aber, dass die Tiere viel Energie verlieren", berichtet Inzelsberger. Das sei ein Risiko auch für die Geißen, in denen meist ab Januar die Kitze heranwachsen.

Gesetzliche Pflicht

"Wir sind ja in Notzeiten, wenn die Feldfrüchte abgeerntet sind, gesetzlich zur Fütterung verpflichtet", bestätigt Dr. Wolfgang Laumer, der in Schwachbach als Tierarzt für Großtiere praktiziert hat und das Revier Leupoldstein seit 22 Jahren bejagt. Die Natur sei einfach nicht mehr wie früher, der Rehkörper fahre energetisch runter und dann komme zum Beispiel ein Hund. "Da verbrauchen die Tiere mehr Energie, als sie vorrätig haben", so Laumer. Er beschäftigt sich schon lange mit der Rehfütterung, mit dem, was wichtig für die Tiere ist. Auch er verweist darauf, dass die Rehe ab November langsam ans Futter gewöhnt würden, um den Pansen zu adaptieren.

Jetzt im Winter schießen die Jäger nur das sogenannte Raubzeug, die Füchse, die die Rehe reißen. Und auch das Schwarzwild – die Wildschweine, um die Afrikanische Schweinepest im Griff zu haben. Große Sorge bereitet allen drei Jägern aber auch die Zunahme der Wolfspopulation: "Wenn das so weitergeht, ist das eine Gefahr für das Rotwild und die Rehe", erklären die Drei. In diesem Fall wollen sie alle die Jagd an den Nagel hängen.

FRAUKE ENGELBRECHT

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