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SPD-Frontfrau: "Man braucht eine gewisse Sturheit"

Sonja Wagner engagiert sich in der Partei, im Seniorenbeirat und hilft Menschen in Not - 21.07.2019 09:00 Uhr

Sonja Wagner im Garten ihres Hauses in Pegnitz – eine grüne Oase mit Blumen und Kräutern. Die SPD-Kreisvorsitzende und stellvertretende Sprecherin des Pegnitzer Seniorenbeirates ist leidenschaftliche Hobby-Fotografin. © Foto: Hans-Jochen Schauer


Die Juristin ist die Frontfrau der Sozialdemokraten im Landkreis. Seit 2014 führt sie den SPD-Kreisverband Bayreuth-Land; dem Kreistag gehört sie schon seit dem Jahr 2002 an. Sie ist eine jener Frauen, die die Fahne der SPD an der Basis hochhalten: umtriebig, antreibend, arbeitsam.

Die kommunalpolitische Karriere hatte sie eigentlich gar nicht angestrebt, obwohl sie aus einer Familie stammt, in der Politik immer schon eine Rolle gespielt habe. Schon 1983 trat die in der Pegnitzer Lohesiedlung aufgewachsene Wagner in die SPD ein. Als Studentin kandidierte sie 1984 für den Stadtrat Pegnitz, erreichte jedoch nicht genügend Stimmen für einen Sitz.

Kommunalpolitisch trat sie erst wieder 1993 in Aktion. Zuvor hatte Wagner ihr Jurastudium in Erlangen abgeschlossen und ihre Referendarzeit in Bamberg absolviert. Mit Ehemann Peter und den Kindern Susanne und Simon kehrte sie 1993 aus der Domstadt nach Pegnitz zurück und wurde noch im selben Jahr Schriftführerin und Kassiererin im SPD-Ortsverein. Das Engagement in Vereinen sei eine gute Möglichkeit, neue Leute kennenzulernen, meint sie.

Karl Lothes fragte sie dann 2002, ob sie nicht auf der Kreistagsliste kandidieren wolle.

Sonja Wagner wurde zur ihrer Überraschung gewählt. Sie habe sich bemüht, die Mitarbeiter in der Landratsamtsverwaltung kennenzulernen, um die bestimmte Dinge schon im Vorfeld zu klären. Denn die SPD stelle nur Sachstandanfragen, wenn "uns etwas wirklich stinkt". Aufgrund ihrer beharrlichen Arbeit und ihren selbstgeschriebenen Listen und Tabellen rückte sie 2011 für Günther Hoppert in die viel belächelte Einsparungskommission nach und sollte die Empfehlungen im Kreistag auch vortragen. "Das war die Initialzündung", sagt sie.

Unter ihrer Federführung wurde ein Gesamtkonzept für die Seniorenpolitik im Landkreis eingerichtet. Auch in der Stadt Pegnitz schob sie die Seniorenarbeit mit an. Sie gehörte zu den Gründern des Seniorenbeirats, in dem sie stellvertretende Sprecherin ist. Sie habe dort einfach mitgemacht – ohne dass diese ein Ziel gewesen sein. Sie habe sich keine Gedanken gemacht. "Ich war bereit, Verantwortung zu übernehmen." Sie schrieb den Seniorenwegweiser. "Das hat wahnsinnig viel Zeit in Anspruch genommen."

Zugute kamen ihr bei dem Engagement im Seniorenbeirat ihre Kenntnisse aus der Betreuungsarbeit. Die Juristin ist als rechtliche Betreuerin tätig und macht dabei immer wieder die Erfahrung, dass alte Menschen häufig völlig überfordert sind, wenn sie Hilfe benötigen. Sie wüssten oft nicht, wer ihre Ansprechpartner sind und wo sie diese finden oder wie man Anträge ausfüllt. "Senioren haben keine oder eine kleine Lobby", sagt Wagner und fügt hinzu, "Jugendarbeit ist eine Pflichtaufgabe, Seniorenarbeit ist freiwillig."

Hinzu komme die Unübersichtlichkeit. "Du stößt an die Grenzen im Sozial- und Pflegedschungel, in dem sich der Einzelne nicht mehr zurechtfindet. Es gibt Menschen, die von der ganzen Situation überfordert sind." Man brauche eine gewisse Sturheit und müsse viele Leute kennen, die Auskunft geben können. Wagner hat sich in den vergangenen Jahren ein Netz aufgebaut und weiß, wer als Ansprechpartner in Frage kommt.

Ein Bürgerbüro ist ganz wichtig für die Menschen

Deshalb plädiert sie vehement für eine zentrale Anlaufstelle in Pegnitz. "Ein Bürgerbüro ist ganz wichtig für die Menschen. Die Informationen müssen die Menschen erreichen." Bei ihr klingele häufig das Telefon von Leuten, die nicht mehr weiter wissen, sagt die Juristin, die freiberuflich in Teilzeit in einer Pegnitzer Kanzlei tätig ist. Sie gebe dann Tipps, an wen sich die Hilfesuchenden wenden können. Sie setzt sich auch dafür ein, dass der Seniorenbeirat im Stadtrat ein Antragsrecht erhält - oder zumindest ein Rederecht.

Als SPD–Kreisvorsitzende muss sie ebenfalls vollen Einsatz zeigen. Sie bedient die Webseite, besorgt Referenten, organisiert Workshops und bereitet Sitzungen vor. "Es ist viel Büroarbeit." Die schlechten Wahlergebnisse der Sozialdemokraten hätten ihrer Ansicht nach viele Ursachen. Ihre Arbeit vor Ort bleibe davon unberührt. "Ich versuche glaubwürdig zu bleiben und werde engagiert weiterarbeiten. Es geht darum, die Lebensverhältnisse der Menschen zu verbessern."

Sonja Wagner, die sich so für Menschen in Notsituationen einsetzt, erlitt im vergangenem Herbst selbst einen Schicksalsschlag, der ihr den Boden unter den Füßen wegzog. Ihr Sohn nahm sich im Alter von 25 Jahren völlig überraschend das Leben, nachdem er sein Studium erfolgreich abgeschlossen hatte. "Der Suizid von Simon kam aus dem Nichts und hat uns aus der Bahn geworfen."

Sie und ihre Familie hätten versucht, die Situation zu meistern, "was ich nicht allein kann". Bekannte, Freunde, Sportkameraden und Kollegen hätten Trost gespendet und Rückhalt gegeben. "Wir versuchen es zu schaffen. Wann und wie wir es schaffen, weiß ich nicht."

Nicht nur aufgrund des Todes ihres Sohnes ist es ihr ein Anliegen, dass Menschen, die nicht leistungsfähig sind, rechtzeitig Hilfe und Unterstützung erhalten. "Diese Möglichkeiten sind viel zu gering", sagt Sonja Wagner. 

HANS-JOCHEN SCHAUER

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