Sonntag, 15.12.2019

|

SPD will zu alter Stärke finden

"Nach dem Zweiten Weltkrieg war Auerbach eine SPD-Hochburg." Mit einer Portion Wehmut erinnert sich Alfred Melchner an diese Zeit. "Ganz oben" waren die Genossen auch 2002, als Helmut Ott mit 80,3 Prozent der Stimmen als Bürgermeister wiedergewählt wurde. - 08.11.2019 14:55 Uhr

Helmut Ott ist nicht nur als Namensgeber der Sporthalle unvergessen, sondern auch als Bürgermeister.


Helmut Ott ist nicht nur als Namensgeber der Sporthalle unvergessen, sondern auch als Bürgermeister.


Lang, lang ist das her. Auch die Stadtratsfraktion ist nicht mehr so groß wie damals. Acht SPD-Stadträte gab es 1996 und 2002 im Gremium, elf waren es vor dem Zweiten Weltkrieg. In alten Unterlagen hat Peter Danninger das Parteibuch von Ehrhard Christau gefunden. Die Eintragungen enden abrupt 1933, so der Vorsitzende.

Die Nazi-Ära war für die Auerbacher Genossen eine schwierige Zeit. Sie stellten nicht nur zwangsweise die politische Arbeit ein. Es gab auch Verhaftungen und Deportationen in Konzentrationslager. Adolf-Wolfgang Schnödt, der nach dem Krieg Parteivorsitzender und von 1946 bis 1956 Bürgermeister war, gedachte in der Gründungsversammlung 1945 der ums Leben gekommenen Mitglieder.

Schnell ging es mit der Sozialdemokratie in Auerbach wieder aufwärts. Viele Arbeiter in den Fabriken und dem Bergwerk waren SPD-Wähler. Entsprechend voll waren die Mitgliederversammlungen. Parteilokal war damals die Bierwirtschaft Neumüller "Beim Burtler" in der Kirchstraße. Die Vorstandssitzungen fanden in einem kleineren Raum im ersten Stock statt, weiß Alfred Melchner noch.

Spannende Neuwahl

Auch die Neuwahl 1970 ist dem Bernreuther noch gut in Erinnerung. Bei der Nachfolge für den damaligen Vorsitzenden Karl Ficker gab es für ihn unerwartet Gegenkandidaten. Max Belz setzte sich durch, maßgeblich unterstützt von den Kumpels aus dem Bergbau.

Trotz der inzwischen 100-jährigen Geschichte des Ortsvereins haben es die Sozialdemokraten bislang nur zweimal geschafft, den Bürgermeister zu stellen. Von 1996 bis 2008 war der frühere Lehrer Helmut Ott Rathauschef. Von seiner Beliebtheit profitierte die SPD auch bei Landtags- und Bundestagswahlen. Die Genossen fuhren in Auerbach – zumindest in den Wahllokalen der Stadt – hervorragende Ergebnisse ein. Auerbach war "rot".

Wann ist die Zeit reif für einen dritten SPD-Bürgermeister? Mit dieser Frage konfrontierten die Nordbayerischen Nachrichten den aktuellen Vorsitzenden. Die Zeit sei dann reif, wenn die Menschen generell wieder mehr Vertrauen in die soziale Demokratie hätten, meint Peter Danninger. "Und wenn man erkennt, dass die SPD für eine gerechte Umverteilung hin zu einer Gesellschaft mit gleichen Lebenschancen steht, in der auch der Sohn einer Arbeiterfamilie die Möglichkeit bekommt, zu studieren." Ohne die Einführung des BAföG für bedürftige Schüler und Studenten in der Ära von Bundeskanzler Willy Brandt wäre er heute nicht Schulleiter, ist sich Danninger sicher.

Norbert Gradl hat bei der Auerbacher SPD Geschichte geschrieben. Er wurde 1984 mit 23 Jahren als bislang jüngster Stadtrat gewählt. Zu dieser Zeit war er Vorsitzender der Jusos, die im März 1973 auf Vorschlag von Alfred Melchner gegründet wurden und sehr engagiert waren.

Jungsozialisten gibt es in Auerbach längst nicht mehr. Der letzte Versuch unter der Leitung von Dominik Lauss währte von 2001 bis 2002 nur kurz. Ist die SPD nicht attraktiv für die Jugend? Jede Partei versuche sehr intensiv, junge Menschen für Politik zu begeistern, sagt Peter Danninger. "Ich freue mich über die Entwicklung, dass sich die Jugend im Moment für die Klimapolitik interessiert und hoffe, dass sich dieses politische Interesse in unseren Ortsvereinen verankert und nicht nur in unverbindlichen Freitagsdemonstrationen."

Jugend interessiert

Er freue sich über einige neue junge Mitglieder, die sich künftig bei der SPD einbringen werden. Ob es in der Zukunft für eine Juso-Gruppe reicht, bleibe abzuwarten.

Zuversicht und Aufbruchstimmung waren bei der Nominierung der Stadtratskandidaten spürbar. Die Genossen möchten wieder zu alter Stärke zurückkehren. "Wir wollen die Bürgerinnen und Bürger mit Menschen in unseren Reihen überzeugen, die für eine bodenständige, soziale und ehrliche Politik stehen. Mit Menschen, denen man vertraut und die man auch mag, weil sie das bereits vielfach in Vereinen oder Organisationen bewiesen hätten", erklärt Peter Danninger. Sein erklärtes Ziel sei es, dass die SPD Auerbach auch in der Zukunft für Menschen mit Herz und Verstand stehe.

BRIGITTE GRÜNER

1

1 Kommentar

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus: Auerbach