Dienstag, 20.10.2020

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Spies: Forst-Experte führte durch seinen Privatwald

Hans Escherich, Vorsitzender der Forstbetriebsgemeinschaft, lud 30 Personen in seinen Privatwald ein - 12.10.2020 17:59 Uhr

42 Hektar Wald werden von Hans Escherich bewirtschaftet. Der Wald sei seine Medizin, sagte der 78-Jährige während der Exkursion. 

© dpa/Jens Büttner


"Der Wald ist meine Medizin", verriet der 78-jährige Hans Escherich. Das glaubt man ihm auch. Mit Schwung begleitete er die fast 30-köpfige Teilnehmerschar zu einer Waldexkursion in seinem Privatwald, zu der die Forstbetriebsgemeinschaft (FBG) Pegnitz eingeladen hatte.

Bereits 2017 wurde der frühere, langjährige Vorsitzende der FBG für seine vorbildliche Waldwirtschaft mit dem Staatspreis ausgezeichnet. "Nur wenn wir Interesse am Wald haben, lebt der Wald", so sein Tenor.

In über drei Stunden erhielten die fast 30 Waldgänger einen umfassenden Überblick über einzelne Pflegeeingriffe, die Wuchsdynamik der verschiedenen Baumarten, Pflanzung und Aussaat des Nachwuchses und Spätfrostschäden. Am Ende entführte Hans Escherich mit seinem Sohn Alfred — dem inzwischen der Wald gehört — in ein interessantes Waldstück mit einer erlesenen Mischung der verschiedensten Baumarten.

Auf diesem ehemaligen Acker wurde schon 2011 eine bunte Vielfalt geschaffen, die nun zum Wachsen positiv bereitsteht. Hier tummeln sich neben Elsbeeren, Douglasien, Schwarznuss, Flatterulmen, Vogelkirsche und Goldbirken auch Wildbirnen, Roteichen und Edelkastanien.

"Acht bis zehn verschiedene Baumarten sind auf der Fläche zu empfehlen", riet Escherich. Manchmal brauchte man auch etwas Geduld: "Buche und Tanne wächst langsam in der Jugend", erklärte Förster Stefan Failner, während Ahorn in jungen Jahren rasch nach oben gedeihe. "Die ersten vier Jahre sind meine Weißtannen auch rückwärts gewachsen", stellte Escherich fest und mahnte zu Geduld. "Natürlich wollen wir uns nicht nur auf die verschiedenen Baumarten konzentrieren", ergänzte Failner, der Förster der FBG, der die Veranstaltung leitete.

"Eine Naturverjüngung kann auch schon viel erreichen. Hier muss allerdings das jagdliche Umfeld passen."

Hans Escherich verbringt täglich mehrere Stunden im Wald. Er rechnete vor: "Ein Hektar Wald bindet circa fünf Tonnen Kohlendioxid." Er hat bereits vor Jahren, als noch die wenigsten den Klimawandel und die Borkenkäferplage im Fokus hatten, mit dem Waldumbau begonnen.

"Ich habe versucht, vieles umzusetzen und auszuprobieren. Manches ist auch nicht gelungen", ergänzte er ehrlich. 42 Hektar Wald werden bewirtschaftet, davon sind derzeit geschätzte zwei Drittel eingezäunt, so Sohn Alfred Escherich.

Inzwischen war die Gruppe bei einem Altbestand angelangt, der lichte Stellen hatte, die nun mit einem Unterbau geschickt versehen sind. AELF-Behördenchef Georg Dumpert verwies auf die Förderfähigkeit des Unterbaus. "Es ist sinnvoll, dass man immer etwas reinbringt, um Kahlstellen zu vermeiden und eine neue Waldgeneration zuzulassen, auch im Blick auf die Wasser- und Bodenverbesserung." Die heuer im Frühjahr neu aufgelegten Fördermöglichkeiten im Wald hatten sich laut Dumpert deutlich verbessert.

Kleidung aus Buchenholz

So gibt es eine Grundförderung beim Erstaufforsten mit 3,25 Euro je Stück, und bei einer Wiederaufforstung 2,50 Euro je Stück. Zuschläge für seltene Baumarten, Wuchshilfen, Markierungsstäbe, Ballenpflanzen oder Förderrichtlinien für den Kleinprivatwald unter 20 Hektar sind Beispiele einer deutlichen Förderverbesserung. "Wichtig ist bei jeder Maßnahme, vorher mit dem Förster zu sprechen und sich beraten zu lassen", regte der Amtschef an. Er machte auf die Bindefrist von fünf Jahren aufmerksam. Es müssen auch keine reinen Laubbestände sein, Mischbestände reichten.

"Was in 50 Jahren bei der Vermarktung gebraucht wird, kann man nicht vorhersehen", bemerkte Failner. Vielmehr notwendig sei daher, so wie bei den Escherichs auf verschiedene Baumarten zu setzen. Inzwischen, so Förster Failner, werden aus den Zellfasern des Buchenholzes Kleidungsstücke gewonnen oder die Buche im Innenbereich im Bau eingesetzt.

Und Georg Dumpert ergänzte, dass im Laubholzbereich über die Nutzungsmöglichkeiten viel geforscht werde. Den Fachleuten wurden während der Begehung der eingezäunten Waldstücke mit viel Moos, Laub und Artenvielfalt etliche Fragen gestellt.

So erfuhren die Teilnehmer, dass Plastikwuchshilfen in der Diskussion sind, ein klares Befürworten der Herbstpflanzungen angeregt wurde und ein starkes Interesse der Teilnehmer an Naturverjüngung und auf Samen lag.

"Nicht immer alles einzäunen"

Waldbesitzer Reinhard Dennerlein aus Biberbach erzählte von seinen Erfahrungen mit eigenen Elsbeerebeständen und deren Naturverjüngung. "Ich suche nach jeder Naturverjüngung und biete dieser einen Einzelschutz", verriet er "Man kann nicht immer alles einzäunen."

Er lobte das Wachstum aus Samen gegenüber seinen Erfahrungen mit Pflanzungen. "Diese werden meistens die ,Besen’, stellte er vergleichend fest. Dann nannte er Vorteile des Anwachsens aus Samen, weil die Wurzeln sich jung und stark entwickelten. Genau dort, wo sie wachsen sollten. Eigene Möbel aus der Elsbeere gehören bei ihm schon seit Jahren zur Einrichtung.

Auch kamen kritische Fragen: "Ich gehe in den Wald — mein Nachbar nicht?" Oder: "Wie gehe ich mit Spätfrostschäden um? Wie komme ich zu stabilen Beständen und wann und wie betreibe ich eine negative Auslese?" Diskussionen regten die fruchtbare Exkursion an.

Der Borkenkäfer, der anderswo beherrschend ist, wurde hier in der Baumartenvielfalt vergessen und bekam keinen Tisch gedeckt. Der katastrophale Holzmarkt kam kurz zur Sprache, aber auch die ansteckende Leidenschaft Escherichs für den sichtbaren, gesunden Wald ließ Funken überspringen. "Klimatolerante Wälder sind für uns alle eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe", so Georg Dumpert und er lobte mit Stefan Failner die eindrucksvollen Bilder der Escherichs, die tollen Erfahrungen aus drei Stunden in der Natur. Wiederholen empfohlen.

ROSI THIEM

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