Mittwoch, 19.05.2021

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Spiritueller Weg zu Clara: Unterwegs auf dem Michelfelder Franziskusweg

Das moderne Kapellenkleinod schmiegt sich in die alten Pfade - 22.03.2021 17:07 Uhr

Innehalten in der Michelfelder Clarakapelle. Im Bild Sr. Madlen Kolbrand bei ihre Visite in dem Kapellenkleinod. Vor sechs Jahren war die moderne Kapelle durch den Weihbischof Herwig Gössl eingeweiht worden.

22.03.2021 © Foto: Rosi Thiem


 Schwester Madlen Kolbrand wartet am Wolf von Gubbio im Klosterinnenhof. Die markante Skulptur ist der Beginn des Michelfelder Franziskusweges mit elf künstlerisch gestalteten Stationen. Der Franziskusweg ist ein Teil des regionalen Erzwanderweges.

Frieden und Versöhnung in einer von Gewalt geprägten Gesellschaft waren eines der innigen Anliegen von Franziskus und auch der Franziskanerinnen in Michelfeld. "Bei uns Schwestern kam der Wunsch auf, ein franziskanisches Gedenken zu errichten, wenn mal keine Schwestern mehr da sind", erzählt Sr. Madlen.

Im Oktober 2011 wurde die Plastik "Franziskus und der Wolf" gesegnet. Vorher, 2009, entstand die Vogelpredigt. "Zwischenzeitlich war bei Regens Wagner Michelfeld buchstäblich das Franziskusfieber ausgebrochen. Eine Projektgruppe entstand, um aus dem Besinnungsweg einen Franziskusweg mit den Elementen des Sonnengesangs zu gestalten", lässt die quirlige Schwester Revue passieren.

"Nach Exkursionen und Diskussionen entstanden neue Ideen, wie die einzelnen Elemente des Sonnengesangs auf dem "Neunerberg" verwirklicht werden konnten. Es gesellten sich zu Wasser, Mutter Erde, Wind und Tod noch Sonne, Mond, Sterne, Feuer und Frieden."

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Auf dem spannenden Weg zur neuen Kapelle zeigt Schwester Madlen die lebendigen Stationen, die sich um das weitläufige Gelände schmiegen. Vorbei an einem Kräutergarten und einem Grillplatz ist eine bereits bestehende Marienkapelle in das Konzept intelligent integriert.

Hier besticht ein tiefblauer Sternenhimmel mit leuchtenden warmen Lichtern. Darunter fanden Figuren des heiligen Josefs und der Mutter Gottes einen würdigen Platz. "Sie waren früher in der Hauskapelle und haben nun einen Ehrenplatz bekommen", so Schwester Madlen, die seit 1968 in Michelfeld ist.

Die erste Frühlingsluft ist spürbar, obwohl der Winter noch Einzug hält. Der künstlerische Weg geht an einem landwirtschaftlichen Anwesen und dem Friedhof entlang. Das Ziel ist erreicht – die Clarakapelle. Nüchtern und beeindruckend schön steht die runde Oase im Grünen da.

"Die Türen stehen tagsüber immer offen", lädt Schwester Madlen ein und ist schon flugs über die Schwelle im lichtdurchfluteten Innenbereich gehuscht. "Abends wird die Tür durch ein automatisches Schließsystem geschlossen." Die smarte Gestaltung beeindruckt: Der helle Solnhofener Kalkstein trifft auf ein buntes, warmes Oberlicht, das sich durch den kompletten Umfang zieht und sich mit einem weißlich warmen Holz im Dachbereich ergänzt.

Eine Glaskuppel im oberen Dach schenkt wohltuendes Tageslicht. Mit zwei Jahren Bauzeit entstand hier eine moderne Kapelle mit 45 Quadratmetern Innenfläche, die die Schlichtheit des franziskanischen Lebensweges vortrefflich bewusst wiedergibt.

Eine Außenansicht der beliebten Clarakapelle. Die Namensgebung für diese religiiöse Stätte kam von Schwester Madlen.

22.03.2021 © Foto: Rosi Thiem


Geplant wurde die Kapelle von dem ehemaligen technischen Leiter Josef Münster. Bewusst schlicht ist auch die Inneneinrichtung: ein Altartisch mit einer leicht verständlichen Bibel, der Ambo, 30 Stühle und ein San Damianokreuz. "Vor einem dieser Kreuze hat Franziskus seine Berufung erfahren", erklärt die ehemalige Krankenschwester. "Franziskus hat darunter immer gebetet und gefragt, was soll ich tun?" Gegenüber fällt das einzige bodennahe Fenster hinter dem Altartisch auf, das Franziskus mit Clara zeigt.

"Das Lebenswerk Franziskus wurde auch Claras Lebenswerk. Sie war eine tüchtige, fromme Frau. Das Armutsideal begeisterte Clara. Die Darstellung auf der Folie im Fenster stammt von einem Linolschnittmotiv der Franziskanerin M. Clara Winkler aus Bamberg, die leider schon verstorben ist", bedauert die Konventoberin. Warum wählte man Clara und nicht Franziskus?

"Der Namensvorschlag – Clara – zu dieser Kapelle kam von mir", legt Schwester Madlen bescheiden offen. "Eine Würdigung der Frauengestalt Clara lag mir beim Franziskusweg am Herzen", bekennt sie. "Clara von Assisi war eine Adelstochter. Sie ließ sich von der Lebensform des Franziskus mit seiner Gottesliebe und radikalen Armut faszinieren."

Die Clarakapelle ist behindertengerecht gestaltet. Am 3. Oktober 2015 wurde die besondere Gebetsstätte von Weihbischof Herwig Gössl eingeweiht. Besucht wird das besondere Kleinod aus zwei versetzten Halbkreisen aus den verschiedensten Anlässen und Menschen. "Es kommen Besuchsgruppen, wie der Frauenbund, Wandergruppen und Besucher aus den Pfarreien unserer Bewohner. Aber auch junge Familien und einzelne Gäste, die Ruhe finden möchten."

"Wunderbare Akustik"

Manche versammelten sich zu einer Andacht hier "oder einfach nur zum stillen Gebet". Ein "Reichtum" der Begegnungen. "Die Akustik ist hier wunderbar, da braucht es keinen Lautsprecher", stellt die Franziskanerin vor. Die Kapelle wird nicht geheizt, nur bei Bedarf.

Schwester Madlen hat seit der Eröffnung inzwischen das dritte Gästebuch ausgelegt. "Es wird sehr viel gedankt. Freude und Leid kann man in diesem Buch erleben. Auch für die nahen Verstorbenen wird gebetet und bei Krankheit der Familienangehörigen. Ein lustiger Eintrag war in kindlicher Schrift: ,Danke, wir haben den Gummibärendieb erwischt.‘ Ist das nicht köstlich?", freut sich die Franziskanerin über die liebevolle Niederschrift eines Kindes. 

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Viele Besucher kommen immer wieder, vor allem Familien. In der Pandemiezeit hat sie ein extra Gebet ausgelegt. "Glaube ist für mich ein Lebenselexier und eine unheimliche Kraftquelle", fügt die Franziskanerin hinzu. "Glaube heißt, die Unbegreiflichkeit Gottes ein Leben lang aushalten", zitiert sie den Jesuit Karl Rahner. Sr. Madlen Kolbrand ist zufrieden, als sie vor der Kapelle das aufgestellte alte Turmkreuz der Pfarrkirche zeigt. "Dank unserer engagierten Mitarbeiter und der Projektgruppe dürfen wir heute mit großer Dankbarkeit unseren Michelfelder Franziskusweg zur Clarakapelle gehen, den sie gut auf die Beine gebracht haben."

ROSI THIEM

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