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"Stadt Pegnitz sollte ihre Schätze sichtbar machen"

Studenten der Hochschule Weihenstephan stellten Arbeiten vor — Radwege sollen näher an den Fluss - Freizeitsee kein Thema - 22.03.2019 09:00 Uhr

Blick vom Lochsberg-Felsen auf die renaturierte Pegnitz. Ein Radweg könnte dem Verlauf des Flusses gewässernah folgen. © Foto: Christian Hauber


In PowerPoint-Präsentationen zeigten die Studenten exemplarisch, wie sie die Aufgabenstellung für ihre Bachelorarbeit lösten. Sie reisten mit ihren Professoren Birgit Schmidt und Christoph Moning an. "Wir erhalten immer wieder Anfragen, ob wir an Projekten interessiert sind, und jetzt kommt ein Aber. Wir verstehen uns ausschließlich als Impulsgeber und nicht als Auftragnehmer", sagte Schmidt.

Diese Aussage richtete sich direkt an Bürgermeister Uwe Raab, der vorab bereits äußerte, dass er einen Freizeitsee im Bereich des Cabriosol plane. Dazu erklärte Schmidt, die Arbeiten seien eher wie ein bunter Blumenstrauß, der der Stadt überreicht wird – mit vielen Ideen, die zu weiteren Diskussionen anregen könnten.

Trotzdem sei die Lehre frei, so Schmidt: "Wir müssen sehr breit denken. Wir machen es gerne, mussten uns aber ein bisschen von dieser Fokussierung lösen, sonst sind wir nicht mit im Boot." Dazu ergänzt ihr Kollege Moning, dass die Aufgabe mehr in die Breite ginge und der Stadt dabei geholfen werde, eine identitätsfindende Lösung zu erstellen. Zudem hätten die Studenten alle Informationen gehabt, inklusive der Wunschvorstellung einer Seenlandschaft. Sie durften aber ihre Vertiefung eigenständig wählen.

Arbeit präsentiert

Der Student Christian Hauber durfte als erster seine Arbeit präsentieren. Mit dem Titel "Pegnitz – Leben und Wohnen am Wasser" entwickelte er ein Freiflächenkonzept für die Stadt. Dafür sei er des Öfteren nach Pegnitz gekommen und habe sich unter anderem das Naturschutzgebiet und die Geh- und Radwege angesehen. "Merkmale die Pegnitz ausmachen sind rar. Die Stadt nimmt eine Randrolle in der Fränkischen Schweiz ein und die eine Attraktion, der Fluss, ist für den Wassertourismus fast unerreichbar und damit ungeeignet", sagte Hauber.

Trotzdem erkenne er darin ein großes Potenzial, das aber eben nicht genutzt werde. So besuchte er selber die Geh- sowie Radwege der Umgebung und empfand diese als unattraktiv. Diese würden an sämtlichen Sehenswürdigkeiten vorbeiführen; die Pegnitzquelle sowie die Altstadt würde gar nicht wahrgenommen. Dabei wären diese Merkmale touristische Magnetpunkte.

Sein Vorschlag: Den Radwegverlauf an das Gewässer legen und die bereits vorhandenen Attraktionen erlebbar machen. "Der Name Pegnitz-Radweg ist irreführend", sagte Hauber, "ich sehe nicht den Bezug zur Pegnitz." Er entwickelte ein Konzept und nannte dies Perspektive 2030.

Darin teilte er alles in neun Raumeinheiten auf, die wiederum spezielle Qualitäten vorweisen. An diesen könne man in weiteren Verfahren Entwürfe konzipieren. Hauber: "Es ist zwar nur Zukunftsmalerei, aber die Stadt sollte ihre Schätze sichtbar machen."

Mit dem Leitbild "Gewässer (be)leben" machten sich die zwei Studentinnen Johanna Becker und Julia Hiebler ihre Gedanken. Becker stellte die Vorstellungen allein vor. Das Hauptaugenmerk der Bachelorarbeit liegt auf den Fließgewässern — sowohl inner- als auch außerhalb des Stadtbereichs. Ziel der beiden war es, die Freiräume lebendiger, vielfältiger und spannender zu gestalten.

Ein weiterer wichtiger Aspekt sei der Zugang und die visuelle sowie physische Erlebbarkeit. Auch sie meinten, dass Pegnitz bereits über attraktive Merkmale verfüge, diese aber nicht nutze.

"Der Pegnitz-Radweg führt nicht durchgängig am Gewässer entlang. Das sehen wir als Defizit", so Becker. So planten die beiden um die Pegnitz herum und skizzierten Aufenthaltsorte, die das Gewässer erlebbar und zugänglich machen. In der Bachelorarbeit sei dies alles detailgenau dargestellt und würde den Rahmen der Veranstaltung sprengen auf alles genau einzugehen. Sie wollte aber anmerken: "Eine Aufwertung der Pegnitz würde für eine Aufwertung der Lebensqualität in der Stadt sorgen und Touristen anlocken."

Im Anschluss eröffnete Bürgermeister Uwe Raab die Fragerunde: "In keiner dieser Arbeiten taucht unser Wunsch nach einem Freizeitsee auf. Wie kommt es dazu?", fragt er.

Sichtlich verwundert, da die Antwort bereits am Anfang der Sitzung und in Gesprächen vor ein paar Monaten beantwortet wurde, erklärte Schmidt: "Es ist in der Natur der Sache, dass man die Projekte nicht auf einen See runterbrechen kann. Die Studenten arbeiteten mit einer großen Wertschätzung dem Standort gegenüber."

"Wir sind kein Auftragnehmer"

Anhand der Arbeiten könnte jeder sehen, dass es bereits Schätze gebe, die naturgegeben vorhanden sind. Schmidt weiter: "Ich glaube, Sie haben von uns eine Machbarkeitsstudie erwartet. Aber wir sind eine Hochschule und kein Auftragnehmer, das haben wir von Anfang an gesagt. Wir gehen da nicht in Konkurrenz mit der Profession." Dem stimmten einige Stadträte zu. Manfred Vetterl (CSU): "Es ist richtungsweisend für uns. Ich finde, das ist ein toller Ansatz. So gehen, für uns ja auch wichtig, die Kosten nicht exorbitant in die Höhe." 

MARTIN BURGER

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