Stadt Pottenstein will Feuerwehren unter die Arme greifen

29.4.2021, 08:55 Uhr
Clemens Herlitz ist Kommandant der Feuerwehr Kirchenbirkig und zeigt den Standort des Defibrillators am Gerätehaus. Er weiß, dass bereits nach einmaligem Einsatz teure Ersatzteile nötig sind.

Clemens Herlitz ist Kommandant der Feuerwehr Kirchenbirkig und zeigt den Standort des Defibrillators am Gerätehaus. Er weiß, dass bereits nach einmaligem Einsatz teure Ersatzteile nötig sind. © Foto: Klaus Trenz

Defibrillatoren entscheiden bei einem Herzstillstand oft über Leben und Tod. Umso wichtiger ist es, dass diese kleinen Lebensretter schnell zu erreichen sind. Es ist von herausragender Bedeutung, dass sie an den unterschiedlichsten Orten für jedermann zugänglich sind, um im Notfall Leben zu retten.

Gerade deshalb gibt es immer mehr Stiftungen und Projekte, die kostenlos Geräte an Vereine und Feuerwehren verschenken. Doch wer zahlt später die sicherheitstechnische Kontrolle und ersetzt Elektroden und Batterien? Diese Frage stellte auch Stadtrat Norbert Hartmann (BPU) in der jüngsten Haupt- und Finanzausschusssitzung.

Gerade die Feuerwehren müsse man entlasten, ist sich Norbert Hartmann sicher. Er informierte sich in der Sitzung, ob die Stadt nicht dazu beitrage könne, dass die Geräte einsatzbereit bleiben. "Nicht, dass die Kosten nach einem Einsatz an der Feuerwehr hängen bleiben. Das müssen die aus der eigenen Tasche tragen", merkte Hartmann an.

Teure Verschleißteile

Zwischen 170 und 200 Euro kostet eine neue Batterie mit neuen Elektroden. Kostspielig, wenn man bedenkt, dass die Elektroden und Batterien nur einmal benutzt werden können. Zudem müssen diese alle zwei Jahre ersetzt werden, da sonst der Kleber auf den Elektroden nicht mehr richtig am Körper hält und die Batterie zu wenig Strom erzeugt.

Vor allem die Feuerwehren sollten durch den Vorschlag von Norbert Hartmann Unterstützung erfahren, da deren Aktive mit die ersten seien, die bei einem Einsatz zu dem Gerät greifen. Das bestätigte der Kirchenbirkiger Feuerwehrkommandant Clemens Herlitz. Vor fünf Jahren erhielt die Wehr über eine Spende der Raiffeisenbank Bayreuth einen Defibrillator.

Schon zwei Mal musste der kleine Lebensretter, der am Feuerwehrhaus in Kirchenbirkig hängt, zeigen, was er kann. Einmal wurde der Defibrillator zu einem Einsatz bei einer älteren Frau mitgenommen. Bei seinem zweiten Einsatz war Clemens Herlitz persönlich unterwegs, schnappte sich den Defibrillator und eilte zu einem Nachbarn. "Wenn die Geräte nach einer einmaligen Verwendung nicht mehr betrieben werden können, dann sind Menschenleben in Gefahr", weiß Herlitz aus Erfahrung.


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Es komme eben auf jede Sekunde an. Doch wer soll die Kosten tragen, wenn die Elektroden in Benutzung waren und nun neue bestellt werden müssten? Die Feuerwehren sowie deren Vereine, die Stadt oder die VR-Bank?

Bereits ein weiteres Mal spendierte die VR-Bank der Kirchenbirkiger Feuerwehr eine weitere Ausstattung. Doch dass das ewig so weitergehe, dafür gebe es keine Sicherheit. "Wenn die zweijährige Überprüfung ansteht und die Elektroden ersetzt werden müssen, dann spenden wir das sehr gerne. Das machen wir zusammen mit der Björn-Steiger-Stiftung", erklärt Sabine Eichenseer von der Raiffeisenbank in Bayreuth. Für einen Ersatzkauf nach einem Einsatz könne die VR-Bank jedoch keine pauschale Zusage geben.

Gerade, weil nicht alle öffentlichen Defibrillatoren vom gleichen Hersteller sind – außer denjenigen, die über eine Spende der VR-Bank kamen – sieht Bürgermeister Stefan Frühbeißer (CWU-UWV) ein Problem, das er in der Sitzung ansprechen wollte. "Man hätte sich bei der Anschaffung Gedanken machen müssen", sagte er in der Haupt- und Finanzausschusssitzung.


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"Ich wage zu behaupten, dass es Hersteller gibt, die gerne Defibrillatoren kostenlos zur Verfügung stellen, weil sie dann später das Geld über die Verbrauchsartikel generieren." Dass Hersteller Knebelverträge abschließen, kann sich Sabine Eichenseer nicht vorstellen. "Die haben einen sozialen Auftrag. Wenn das im Einsatz war, dann gab es einen Notfall und es wurde möglicherweise ein Leben gerettet. Und auch, wenn die Defibrillatoren nur hängen, dann schafft das ein beruhigendes Gefühl."

Auch das Bayerische Rote Kreuz (BRK) kauft Geräte ausschließlich von einem Hersteller, doch das habe weniger etwas mit den Kosten zu tun, erklärt Tobias Schif, BRK-Sprecher in Bayreuth. "Wenn Defibrillatoren über das Rote Kreuz bezogen werden, dann achten wir darauf, dass es dasselbe System ist, welches in unseren Rettungsfahrzeugen zum Einsatz kommt."

Das habe den Vorteil, dass die Anschlüsse der Elektroden untereinander kompatibel seien. Dadurch könnten die Geräte umgesteckt werden – also vom sogenannten Laien- auf den Krankenwagen-Defibrillator.

"Es ist natürlich von Vorteil, wenn das ein System ist, da die Elektroden nicht wiederverwendbar sind." Trotzdem sei es wichtiger, dass es überhaupt Geräte in unmittelbarer Nähe gebe. "Im Ernstfall spielt das aber eine untergeordnete Rolle. Hauptsache, den Menschen kann geholfen werden."

Dass den Menschen geholfen werde, bestätigte Bürgermeister Stefan Frühbeißer. Das stünde gar nicht zur Diskussion. Bereits in der Haupt- und Finanzausschusssitzung sicherte er Mittel zu, um den Feuerwehren unter die Arme zu greifen. "Wenn ein Einsatz war, dann wird da natürlich geholfen." Es gebe aber auch "günstigere Alternativen. Darauf müssen wir schauen und diese Optionen letztendlich auch prüfen".

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