Mittwoch, 20.01.2021

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"Stärk' antrinken": Brauch stärkt die Gesundheit

Das Stärke antrinken ist eine Gepflogenheit soll Kraft für das gesamte Jahr spenden - 06.01.2021 13:55 Uhr

Stärke antrinken in Pottenstein 2017 unter anderem mit MdB Silke Launert (Mitte) und CSU-Ortsvorsitzender Birgit Haberberger (2.v.r.).

05.01.2021 © Foto: Archiv/Thomas Weichert


Der Erlanger Arzt und Autor Johannes Wilkes beschreibt es in seinem "Kleinen Franken-Buch" so: "Zu Beginn des neuen Jahres müssen sich die Männer ,die Stärk antrinken‘, denn das neue Jahr ist lang und voller Herausforderungen. Da muss man gut gewappnet sein, und so zieht man bereits in der Früh los, um sich im Wirtshaus zu stärken." Soweit bekannt, wird das Stärk´antrinken erstmals 1751 in der Beschreibung von Pfarrei und Dorf Tschirn im Frakenwald erwähnt.

Digitales Antrinken in Pottenstein

Corona zum Trotz wird die Pottensteiner CSU in diesem Jahr das "Stärk´antrinken" digital abhalten. Eigentlich trafen sich alle Pottensteiner Vereine, die Feuerwehren und Interessierte nach der ewigen Anbetung in einem Lokal oder Vereinsheim zum gemütlichen Zusammensein. Doch da selbst das Lichterfest nicht stattfinden kann, wird es auch keine anderen Treffen in diesem Jahr geben. "Wir machen das Ganze virtuell", verrät die CSU-Ortsverbandsvorsitzende Birgit Haberberger im Gespräch mit der Redaktion. "Es werden leider nicht alle teilnehmen können, da die technische Ausstattung nicht bei jedem vorhanden ist. Trotzdem werden wir uns online treffen und ein Glas heben." Wie und wann, dazu konnte die Stadträtin noch nichts sagen. "Wir sind noch in der Planungsphase."

"Stärke antrinken ist ein uralter Brauch bei der SPD", erklärt Oliver Winkelmaier vom Pegnitzer SPD-Ortsverein. "Ich weiß noch, als ich das das erste Mal organisiert habe. Da waren wir noch im alten Freibad. Das war noch vor dem Umbau. Wir hatten es immer stets unpolitisch gehalten." So seien auch Gäste zu den Veranstaltungen gekommen, die keine Mitglieder der SPD sind. "Jeder war willkommen." Das Stärke antrinken fand zuletzt im ASV Sportheim bei Fey Batzaka statt. Meistens habe sogar die Böheim-Brauerei ein Fass Bier gespendet. "Es war eine gute Gelegenheit, damit alle Generationen sich mal über Gott und die Welt unterhalten konnten. Das war ein feines Durcheinander." Diese Tradition fällt in diesem Jahr aus, bestätigt die Pegnitzer SPD-Vereinsvorsitzende Jessica Markus. "Wir hatten das nie als reine Trinkveranstaltung organisiert. Wir hatten auch einen Redner und einen gewissen Rahmen." Da man auf keine Mitglieder verzichten möchte, veranstalte man das Ganze auch nicht digital. Einige seien online nicht erreichbar und so habe man sich dagegen entschieden. "Wir hatten von vornherein gesagt, wir verzichten auf größere Zusammenkünfte – und damit war auch digital gemeint."

"Kein Stärke antrinken in Auerbach"

Und auch in Auerbach wird es dieses Jahr kein gemeinsames Stärke antrinken geben. In den vergangenen Jahren wanderte Stadtrat Bernd Scheller (Grüne) mit Kollegen, Freunden und anderen Interessierten von Auerbach nach Steinamwasser. "Dort sind wir eingekehrt und haben uns die Stärke angetrunken", sagt Scheller. Ungefähr 35 Personen liefen zuletzt mit und nutzten die Gelegenheit, Kontakte zu knüpfen und sich auf das kommende Jahr "vorzubereiten". Je nach Wetterlage wurden verschiedene Wanderrouten ausprobiert. Im vergangenen Jahr führte der Weg über das Kloster in Michelfeld. "Es soll ja nicht nur getrunken werden. Wir wollen den Leuten ja auch was bieten", erklärt Scheller. "So kommt man in Kontakt mit den verschiedensten Leuten. Das ist so schön ungezwungen." Doch auch Bernd Scheller musste das Stärke antrinken und die Wanderung nach Steinamwasser absagen. "Es ist einfach nicht das Gleiche. Man kann zwar solche Sachen machen, aber das ist nicht das, was wir uns darunter vorstellen. Corona-bedingt setzen wir dieses Jahr aus und hoffen auf das nächste Jahr."

Vor rund 200 Jahren hatte Bier noch den Ruf eines idealen Stärkungsmittels für körperlich hart arbeitende Menschen. "Für die arbeitende Klaße ist [...]der Genuß des Bieres um so notwendiger, theils um den Durst zu löschen, theils die durch anstrengende Feldarbeiten erschöpften Kräfte wieder zu ersetzen und die Gesundheit zu erhalten", befand um 1830 ein Bamberger Arzt.

MARTIN BURGERUND GÜNTER DIPPOLD

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