Weiterhin Unruhe

Stellenabbau: Weiterer Streik an der Sana Klinik

16.6.2021, 17:27 Uhr
Auf Schildern forderten die Mitarbeiter zur Einführung der neuen Pflegepersonal-Regelung (PPR 2.0) auf.

Auf Schildern forderten die Mitarbeiter zur Einführung der neuen Pflegepersonal-Regelung (PPR 2.0) auf. © Foto: Christian Weidinger

Erneut haben sich Mitarbeiter versammelt, um gegen die geplanten Entlassungen beim krankenhauseigenen Dienstleister DGS pro.service GmbH zu protestieren. "Wir haben das Gefühl, es findet ein Ausverkauf in unseren Krankenhäusern statt, bis irgendwann nur noch die Pflege übrig bleibt", sagte Betriebsrätin Silke Flügel.

Hintergrund ist die Entlassung von zehn Mitarbeitern des Servicedienstleisters an der Sana Klinik in Pegnitz. Sie sind unter anderem im Hol- und Bringdienst, am Empfang oder als Stationsassistenz beschäftigt. Insgesamt plant DGS pro.service GmbH bayernweit den Abbau von 202 Stellen.


Verzweifelter Hilferuf: Fränkische Kliniken suchen Pflegepersonal


Viele von ihnen könnten bereits Ende des Jahres ihren Job verlieren. "Der Konzern macht gerade richtig Druck, damit er bis Ende Juni mit den Entlassungen beginnen kann", berichtet Flügel. Derzeit befindet sich das Unternehmen mit dem Betriebsrat in Verhandlungen über den Sozialplan. Dabei zeige er laut der Betriebsrätin wenig Entgegenkommen, und lehnte mehrere Forderungen entschieden ab.

Ziel sei es, so die Vermutung, das Verfahren zu beschleunigen, damit fristgerecht gekündigt werden kann. Die nächste Verhandlungsrunde sei für Ende Juni angesetzt.

Nur bis Ende des Monats

"Wenn die Kollegen bis Ende des Jahres ihre Arbeit verlieren sollen, würde das passen", meint Flügel. Sie spielt damit auf die gesetzliche Kündigungsfrist von einem halben Jahr für langjährige Mitarbeiter an. Eine fristgerechte Kündigung zum 1. Januar wäre daher nur bis Ende des Monats möglich.

Der Stellenabbau und Gerüchte über weitere Umstrukturierungen führten indes zu einem Gefühl der Verunsicherung unter den Mitarbeitern. Es ist von "Spaltung" und "Ausverkauf" die Rede. Mitarbeiter würden unter Existenzängsten leiden, seien traurig und enttäuscht.

Helga Lehner, die Vorsitzende des Betriebsrats, betont: "Das Gefühl verkauft zu werden, macht etwas mit einem." Man werde das keinesfalls auf sich beruhen lassen. Es sei daher nicht die letzte Protestaktion vor der Sana Klinik gewesen, heißt es aus dem Betriebsrat.

Der Konzern äußert sich nur sehr spärlich zu der aktiven Mittagspause am Klinikum. "Mittlerweile haben drei Verhandlungstermine über die geplante Betriebsänderung zwischen der Geschäftsleitung und dem Gesamtbetriebsrat der Sana DGS pro.service GmbH stattgefunden", sagt Unternehmenssprecher Pascal Nebling. Zudem sei bereits für den 23. Juni ein weiterer Verhandlungstermin angesetzt. "Wir bitten jedoch um Verständnis dafür, dass wir uns zu den laufenden Verhandlungen inhaltlich nicht äußern können."


Wegen prekärer Personallage: Streik an der Pegnitzer Sana-Klinik


Die Sana Klinik verwies in vergangenen Gesprächen mit der Lokalpresse auf "eine Vielzahl von regulatorischen Projekten und Gesetzen im Gesundheitswesen". Unternehmenssprecher Nebling sagte, dass für die Finanzierung dieser patientennahen Tätigkeiten über das Pflegebudget ab 2021 auch "der berufliche Qualifikationsbezug" entscheidend sei.

Für Mitarbeiter im patientennahen Dienstleistungsbereich sei "heute weitestgehend eine mindestens einjährige Berufsausbildung gefordert". Daher sei es nötig, Dienstleistungsunternehmen, die patientennahe Dienstleistungen erbringen, neu zu strukturieren.

1 Kommentar