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Steuererhöhung: Auerbacher Hundebesitzer jaulen auf

Der Auerbacher Stadtrat hat eine Erhöhung der Hundesteuer ab dem kommenden Jahr beschlossen - 18.11.2020 12:55 Uhr

Die Hündin Lola könnte ihrer Besitzerin Caroline Kleber von der Hundekiste ab Januar deutlich mehr Geld kosten. Zumindest was die Abgabe der Hundesteuer anbelangt. Die Stadt Auerbach hat hierfür die erste Erhöhung seit 14 Jahren beschlossen.

17.11.2020 © Foto: Klaus Trenz


Die bellenden Vierbeiner sind ihren Besitzern bekanntlich wertvoll. In Auerbach müssen die Frauchen und Herrchen seit 2006 konstant 30 Euro im Jahr für einen, 45 für den zweiten und 60 Euro für den dritten Hund an Steuern zahlen. Nach 14 Jahren soll sich das ändern: Ab Januar beträgt die Steuer für einen Hund 75 Euro und jeden weiteren 150 Euro im Jahr.

Viel zu viel, meinen einige Hundehalter. Simone Schätzlein vom Schmuckladen Punkt, Caroline Kleber von der Hundekiste, Astrid Jung und Susanne Sauerwein haben daher eine Unterschriftensammlung gestartet. "Die Aktion richtet sich nicht gegen eine Erhöhung der Hundesteuer an sich, sondern gegen die Höhe. Es sollte schon in einem angemessenen Verhältnis bleiben", sagt Simone Schätzlein. 

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Diese Auffassung teilt so mancher Hundebesitzer in Auerbach. In mehreren Geschäften liegen die Unterschriftenlisten aus. Unter anderem im Schmuckladen Punkt, der Hundekiste, der Arztpraxis Dr. Ulrich Jung und in vielen weiteren, so Schätzlein. Seit Ende Oktober und noch bis Ende dieser Woche können sich dort Unterstützer eintragen. "Wir werden diese Liste dann bei der Stadt einreichen – in der Hoffnung, dass sich der Stadtrat nochmal mit dem Thema befasst", skizziert Schätzlein.

Gründe für die Steuererhöhung

Die Erhöhung wurde in einer Beschlussvorlage vom 21. Oktober von der Stadt festgelegt. Seit Freitag ist der neue Steuersatz auch auf der städtischen Internetseite veröffentlicht. Auf Nachfrage dieser Zeitung rechtfertigte Bürgermeister Joachim Neuß (FW) die Anhebung der Beiträge. Die Stadt Auerbach betreibe 15 Hundetoiletten. Diese wurden nicht nur irgendwann neu angeschafft, sondern müssen auch zwei Mal wöchentlich angefahren, entleert und mit Beuteln bestückt werden. Die Stadt koste das jährlich etwa 15 000 Euro.

Zudem zahle die Stadt einen Beitrag zum Unterhalt und Betrieb des Tierheims Amberg. Im Jahr 2019 habe dieser 13 000 Euro betragen, führt der Bürgermeister die Rechnung in seinem Antwortschreiben fort. Für die Jahre 2020 bis 2022 komme zudem ein Anteil für die Sanierung des Tierheims auf die Stadt zu, der bislang auf 110 000 Euro kalkuliert werde. "Dies kann natürlich nicht ausschließlich den Hunden zugerechnet werden, aber als Fundtiere werden überwiegend Hunde gemeldet", sagt Neuß. Der Kostenaufwand, der durch das Einfangen und die Haltersuche sowie gegebenenfalls Tierarztbesuche entsteht, könne dabei nicht ermittelt werden.

Kosten für die Allgemeinheit

Diese gesamten Kosten können nicht durch die höhere Hundesteuer getragen werden. Die Gesamteinnahmen durch die noch in diesem Jahr geltende Hundesteuer decken laut Neuß lediglich die Arbeit mit den Hundetoiletten. Gemessen an den derzeit insgesamt 475 in Auerbach gemeldeten Hunden (davon 429 Ersthunde), liegen die am neuen Steuersatz berechneten Einnahmen somit bei gerade mal 39 075 Euro. Die Stadt muss also draufzahlen oder wie es der Bürgermeister formuliert: "Bei 6,25 Euro pro Monat (Anm. der Red.: Berechnet am Jahresbeitrag für einen Hund) kann ich aber auch nicht verstehen, dass man erwartet, dass die Kosten für das eigene Hobby von der Allgemeinheit getragen werden." 

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Angesprochen auf die hohe Steuer, die nun für jeden weiteren Hund zu entrichten ist, verweist der Bürgermeister auf die Einstimmigkeit des Beschlusses von Stadtrat und Finanzausschuss. Als persönliche Gründe für sein Abstimmungsverhalten führt Neuß die Beschwerden von Bürgern an, die ihn in den vergangenen zwölf Jahren über Hunde und manche Hundehalter erreicht haben. Diese richteten sich neben Verletzungen der Leinenpflicht und Gebell im Wohngebiet auch auf den nicht entfernten Hundekot und weggeworfene Plastikbeutel in der Natur. "Ich bin der Meinung, diese gesamte Problematik bekommt ein Hundehalter bei nur einem Hund wesentlich besser in den Griff", resümiert der Bürgermeister.

Scheinbar breite Zustimmung

Die Initiatorinnen der Unterschriften-Aktion erfahren zumindest einiges an Unterstützung. Allein bei Simone Schätzlein füllen die Unterschriften bereits zehn Seiten und auch in der Hundekiste haben sich über drei Seiten angesammelt.

Rückendeckung kommt zudem von der erst gegründeten Bund Naturschutz-Ortsgruppe Auerbach, wie Vorsitzende Gertrud Burger bestätigt. "Hunde sind eine Bereicherung für Familien und Kinder. Mit Hunden geht man raus, was zur Naturverbundenheit führt", sagt Burger. Allgemein sei man in der Ortsgruppe sogar gegen eine Erhöhung an sich.

"Für viele Leute sind die Tiere mehr als nur ein Hund, eher wie ein Partner, und das können sich nicht alle leisten", weist Ladenbesitzerin Schätzlein auf die Bedeutung von Hunden für ihre Besitzer hin. Ähnlich sieht das Gertrud Burger, die alleinstehende Rentner oder einkommensschwache Familien nennt, die sich dann unter Umständen keinen Hund mehr leisten könnten.

Der Bürgermeister erklärte sich auf Anfrage der Redaktion zu Gesprächen mit den Kritikern bereit, solange diese "von Respekt und der gegenseitigen Würdigung der Argumente getragen sind." Für Aufregung und unsachliche Behauptungen in den sozialen Medien, etwa, dass durch die höheren Steuereinnahmen andere Vorhaben in der Stadt finanziert werden sollen, habe er hingegen kein Verständnis.

OLIVER HAAS

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