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Bundestagswahl

Stimmkreis Amberg: Feierlaune sieht anders aus

Dr. Harald Schwartz holt mit Stimmenverlusten das Direktmandat - 14.10.2018 22:11 Uhr

Die Stimmung bei der Wahlparty in Sulzbach ist nicht gerade ausgelassen: Erwin Renner (von links), Marie Renner, Günther Koller und Stefan Frank, CSU-Kreisgeschäftsführer, gratulieren Harald Schwartz. © Pia Regnet


Lisa Belz und Petra Kraus (v.l.) sind im Auerbacher Rathaus ein eingespieltes Team beim Aufnehmen und Erfassen der Schnellmeldungen. © Brigitte Grüner


Harald Schwartz holte das Direktmandat nach 2013 zum zweiten Mal. Das Ergebnis war allerdings schlechter als damals (47 Prozent). Ein persönliches Ziel habe er nicht gehabt, sagt der CSU-Mann am NN-Telefon. Für ihn sei eine gründliche Analyse des Wahlergebnisses nun ein zentrales innerparteiliches Anliegen. Die Gründe für das schlechte Abscheiden sollten dringend besprochen werden.

Ob einzelne Politiker schuld an der Misere seien, wollte Schwartz so nicht beantworten. "Schuld" sei nicht das passende Wort, meinte der Jurist. Vielleicht könne man es eher "unglückliche Verkettung" nennen. Für den Wähler sei das ohnehin zweitrangig. "Wichtig ist eine schnelle Neuaufstellung, damit wir eine handlungsfähige Regierung bekommen."

Könnten die Freien Wähler ein möglicher Koalitionspartner sein? "Dies war weder Wunsch noch Ziel, aber wir sind Demokraten und würden uns wohl zusammenraufen." Als letzte Option bewertet Schwartz eine schwarz-grüne Koalition.

Im Amberger Congress-Centrum trafen sich die CSU-Politiker mit interessierten Bürgern. Schwartz wollte am NN-Telefon weder von freudiger noch von gedrückter Stimmung sprechen. "Die Stimmung ist neutral."

Uwe Bergmann ist heute wieder in der Schule. Der Mittelschullehrer hat als Nachfolger von Reinhold Strobl, der aus Altersgründen nicht mehr zur Wahl stand, einen engagierten Wahlkampf geführt. "Ich kann mir persönlich keinen Vorwurf machen. Auch hatte ich ein gutes Team", sagte Bergmann am NN-Telefon. Dass er weit unter Strobls Ergebnis von 2013 (24,6 Prozent) zurückblieb, könne unter den gegebenen Umständen kaum verglichen werden. "Damals war noch keine AfD dabei, die viele Wählerstimmen an sich gebunden hat."

Insgesamt dürfe man das Ergebnis der Genossen nicht schön reden. "Es ist eine Wahlschlappe, zum wiederholten Mal." Die Gründe liegen für Bergmann auf der Hand: "Es war keine Landtagswahl, sondern eine Bundestagswahl." Der Wahlkampf der bayerischen SPD sei gut gewesen, die Themen von Bildung über Familie und Wohnraum auch interessant. "Wir wurden wohl für die GroKo in Berlin abgestraft." Ob er es über die Liste in den Landtag schafft, stehe erst in den nächsten Tagen fest. Das hänge von mehreren Faktoren ab, sagte Bergmann, der sich mit den Parteikollegen im Amberger Gewerkschaftshaus traf.

Die Bürgermeisterin von Ammerthal, Alexandra Sitter, war für die Freien Wähler als Direktkandidatin in das Rennen gegangen. Sie konnte den Anteil von Peter Dotzler aus dem Jahr 2013 (9,6 Prozent) erhöhen und war auch mit dem Abschneiden der FW insgesamt zufrieden. "Die Bayern haben gesehen, dass die Freien Wähler nicht nur kommunal stark sind." Im Wahlkampf habe man bewusst das Gespräch mit den Bürgern gesucht und gefragt, wo der Schuh drückt. Mit der Kommunalpolitik als gutem Fundament habe die Partei ein "tolles Ergebnis" erzielt. Positiv seien bei den Wählern wohl die "tollen Volksbegehren" der Freien Wähler – etwa zu den Themen "Rückkehr zum G9" und "Abschaffung der Straßenausbaubeitragssatzung" — angekommen. "Die Freien Wähler sind die starke Mitte Bayerns", sagte Sitter im Oberpfalz-Fernsehen.

Die nächsten Tage werden für Harald Schwartz und seine Parteikollegen arbeitsintensiv. Bereits am Montag nach der Wahl trifft sich die Fraktion in München, um das weitere Vorgehen abzusprechen. Vermutlich werden auch gleich Arbeitsgruppen gebildet, um die Verhandlungen mit möglichen Koalitionspartnern beginnen zu können.

"Ich bin dafür, dass wir das zügig angehen." Ein langes Hin und Her wie nach der Bundestagswahl 2017 dürfe es nicht geben. "Das ist laut Verfassung ohnehin nicht möglich. In vier Wochen muss der Ministerpräsident gewählt werden."

BRIGITTE GRÜNER

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