Sonntag, 24.01.2021

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Straßenbau gefährdet wertvolle Kois im nahen Teich

Erster Abschnitt der Bauarbeiten am Hasengraben in Kühlenfels stört die Winterruhe der Tiere - 26.11.2020 22:48 Uhr

In der Straße Hasengraben in Kühlenfels entfernt ein Bagger den Asphalt. Die Bauarbeiten sind möglicherweise eine Gefahr für Kois, die in einem Teich in der Nähe der Straße leben.

25.11.2020 © Foto: Martin Burger


Aufgrund einer Änderung des Kommunalabgabengesetzes müssen bis zum 1. April 2021 Straßen, die nicht den Richtlinien entsprechen, ausgebaut werden. Bürgermeister Stefan Frühbeißer (CWU-UWV) kündigte bereits in einer vergangenen Stadtratssitzung an, dass dort "gewisse Altlasten abzuarbeiten" seien.

Einige Bürger zeigten sich während der Sitzung unzufrieden und enttäuscht, da die geschätzten Kosten von 143 000 Euro auf die anliegenden Grundstückseigentümer umgelegt werden müssen. "Es ist keine Kann-Entscheidung, sondern eine Muss-Entscheidung. Dafür gibt es Gesetze", sagte Frühbeißer in Richtung Zuhörer.

Experte hinzugezogen

Inzwischen rollt der Bagger über den Hasengraben und entfernt den Asphalt, der sich teilweise wie ein Flickwerk bis zur Kühlenfelser Straße zieht. "Wir beginnen die Arbeiten von hinten und hören nach der Hälfte der Strecke auf", erklärt Bauhofleiter Klaus Eckert, "wir schaffen es zeitlich nicht. Der erste Abschnitt wird wohl bis Weihnachten fertig sein, der zweite soll im März abgeschlossen werden." Und damit eben rechtzeitig für die auferlegten Richtlinien.

Beachtliche Länge

Doch bereits jetzt könnten die Arbeiten für einige tierische Bewohner gefährlich werden. Rund zwei bis drei Meter von der Straße entfernt befindet sich auf einem Grundstück ein Teich mit 36 Kois. Seit fast zehn Jahren leben die Tiere dort und haben bereits eine beachtliche Länge von 80 Zentimetern. Die Eigentümer wurden bereits bei einer vorherigen Aktion aufgeschreckt. Nämlich, als der Hasengraben für den Breitbandausbau aufgebrochen wurde und im Anschluss Kabel verlegt wurden.

Todesursache unklar

Drei tote Kois trieben urplötzlich auf der Wasseroberfläche. "Denen hat nie etwas gefehlt und dann sterben drei zur gleichen Zeit", berichtet die Eigentümerin. Um auf Nummer sicher zu gehen, wurde Kay Kuhlen hinzugezogen, der in der Fachberatung für Fischerei und Fischartenschutz beim Bezirk Oberfranken arbeitet. "Ich habe beim Vor-Ort-Termin bestätigt, dass die Arbeiten zum aktuellen Zeitpunkt eine Gefahr für die Fische darstellen", berichtet Kuhlen. Er erklärt, weshalb die Kois gerade jetzt sensibel reagieren.

"Die Fische halten Winterruhe und fahren ihren Stoffwechsel herunter. Es ist gefährlich, die Kois in diesem Stadium zu stören." Kuhlen konnte vor Ort und Stelle noch keine Empfehlung aussprechen und warnte vor den Gefahren.

Auch wenn die Arbeiten aktuell 15 bis 20 Meter davor aufhören würden, bestehe auch im März — wenn der zweite Abschnitt angegangen wird — eine Gefahr. So bestätigt Bürgermeister Stefan Frühbeißer, dass keine Empfehlung des Fachberaters ausgesprochen wurde, dieser aber mit der geplanten Vorgehensweise der Stadt "ausdrücklich aus fachlicher Sicht" sein Einvernehmen erklärt habe.

"Es hat mich wirklich überrascht, dass selbst ein Mitarbeiter der Baufirma, die an dem Tag anwesend war, von sich aus gesagt hat, dass er die Entfernung für nicht ausreichend hält", erinnert sich der Experte Kay Kuhlen und vergleicht die Situation mit einer ähnlichen.

So seien bei Arbeiten an einer Straße in Untersteinach die Bewohner nicht vorgewarnt worden. Letzten Endes starben 90 Prozent der Fische im Teich. "Ein Zusammenhang ist bei solch sensiblen Tieren sicherlich gegeben."

Trotzdem wird weiter gebaggert. Auch der zweite Abschnitt soll rechtzeitig bis Ende März fertiggestellt sein. "Es ist davon auszugehen, dass eine Beeinträchtigung durch den Baustellenverkehr nicht erfolgt", antwortete Frühbeißer auf Anfrage der Redaktion.

Fast direkt an der Straße

"Andernfalls dürfte es bei einem Teich, der fast bis an die Straßengrenze gebaut wurde, bisher auch schon Beeinträchtigungen gegeben haben."

Die Anwohner fühlen sich hintergangen und zu wenig informiert. So habe es kein Gespräch mit ihnen gegeben, erst als das Problem mit den Fischen aufkam, sei Bürgermeister Frühbeißer nach Kühlenfels gekommen. Dort habe er sich jedoch nur mit den zuständigen Bauleitern unterhalten und nicht das Gespräch mit den besorgten Kühlenfelsern gesucht. Der Aussage widerspricht Frühbeißer: "Bezüglich der Maßnahme gibt es fortlaufend persönlichen Austausch mit Anwohnern."

Hohe Kosten befürchtet

Für diese weiterhin ungeklärt sind die Kosten, bei denen keiner abschätzen kann, was auf sie zukommt. So befürchtet ein Grundstückseigentümer, dass die Zweiteilung der Maßnahme die Kosten weiter in die Höhe treibe, dies der Stadt jedoch egal sei, da sie nicht zahlen müsse.

Auf Anfrage der Redaktion bei der zuständigen Baufirma Tauber Straßen- und Tiefbau aus Nürnberg wollte sich diese dazu nicht äußern. Lediglich der Bürgermeister gab an, dass durch die Bauzeiten bedingte Mehrkosten derzeit nicht zu erkennen seien, da die zeitliche Abfolge Herbst/Frühjahr ohnehin so geplant gewesen sei.

Nun bleibt den Eigentümern nichts anderes übrig, als abzuwarten, ob die Stadt es bis Ende März schafft, die Straße fertigzustellen. Zudem hoffen die Koi-Besitzer, dass ihre tierischen Familienmitglieder die Maßnahme unbeschadet überstehen.

Erster Abschnitt wird wohl bis Weihnachten
fertig sein

MARTIN BURGER

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