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Stressgeplagte entspannen in der Fränkischen Schweiz

Auf dem Weidehof in Prüllsbirkig soll schon im Sommer eine „Glamping“-Anlage mit nur fünf Einheiten öffnen - 01.03.2016 12:33 Uhr

Norbert Grellner und Karina Kireth wollen ab 1. Juli Luxuscamping auf dem Weidehof in Prüllsbirkig betreiben. Mehr als ein halber Hektar Platz für nur fünf Unterkünfte sind ein starkes Argument. © Luisa Degenhardt


Dort, wo außer gelegentlich vorbeifahrenden Autos und dem Schlagen der Kirchturmuhr nicht viel zu hören ist, soll bald etwas mehr Leben einkehren. Norbert Grellner und seine Lebensgefährtin Karina Kireth wollen mehr Touristen nach Prüllsbirkig locken. Und zwar mit Glamping. Der Begriff setzt sich aus den Worten Glamour und Camping zusammen. Camping für den etwas größeren Geldbeutel sozusagen.

Norbert Grellner ist Eigentümer des Weidehofs Prüllsbirkig. Im Herbst war er mit seiner Lebensgefährtin in den Niederlanden auf WiesenBett-Urlaub. WiesenBett heißt das Unternehmen, dem sich Grellner anschließt.

Das Konzept ist immer gleich: Die Zelte und das gesamte Inventar — vom Suppenlöffel über Küchenzeile und Kuschelsofa bis zur Bettwäsche — werden gestellt, an jedem Standort gibt es einen Hofladen mit Waren des täglichen Bedarfs. Außerdem einen Hühnerstall und einen Streichelzoo. „Die Leute sollen lernen, auf Handy und Strom zu verzichten“, sagt Norbert Grellner.

Zurück zu den Wurzeln also, das soll auch die rustikale hölzerne Einrichtung widerspiegeln. Grellner sieht einen klaren Vorteil in dem Franchise-Prinzip. Denn WiesenBett sei schon bekannt, außerdem lieferten sie ihm das entsprechende Know-how.

Ein halber Hektar Platz

Der 31-Jährige war von dem Konzept begeistert. Gleich neben den Weideflächen für sein Vieh sollen auf 5400 Quadratmetern fünf Zelte entstehen. Wobei man die Zelte auch als Hütten bezeichnen könnte, denn sie stehen auf einem festen Fundament, die Außenwände lassen sich abnehmen. Natur pur ist dabei stets das Motto. „Die Natur ist das Schönste in der Fränkischen Schweiz“, sagt Grellner.

Er ist davon überzeugt, dass das Konzept hier funktioniert. „Pottenstein ist das Touristengebiet schlechthin“, sagt er. Außerdem seien es nur drei Kilometer bis zur Erlebnismeile mit Felsenbad, Sommerrodelbahn und Schöngrundsee. Wer will, könne sich im Dorfladen, der zum Weidehof gehört, mit regionalen Lebensmitteln versorgen.

Die Zielgruppe sind Familien mit Kindern. Der gestresste Manager aus der Stadt soll in Prüllsbirkig zur Ruhe kommen. Laut Georg Spätling, Vorsitzender des bayerischen Landesverbands der Campingplatzunternehmer, wäre das Angebot in Prüllsbirkig das erste seiner Art in der Fränkischen Schweiz.

Der Grund dafür liegt für ihn allerdings auf der Hand: „Weil der Markt noch nicht da ist, dass die Leute so viel Geld ausgeben“, sagt er. Wenn Grellner exorbitant teurer sei als die Zimmervermietung, „dann hat er schon ein Problemchen“, so Spätling.

Jedoch ist er davon überzeugt, dass das Konzept funktioniert, wenn der Preis stimmt. Er hält Grellners Idee grundsätzlich für gut. „Vielleicht wird es ein Leuchtturm für die Fränkische Schweiz und zieht neue Gäste an, das ist nur begrüßenswert.“ Laut Norbert Grellner muss man das Alleinstellungsmerkmal für die Region ausnutzen.

Doch was ist denn nun der Luxus am WiesenBett-Konzept? Da muss Norbert Grellner nicht lange überlegen: Beim normalen Camping baue man sein Zelt selbst auf. Grellners Zelte könne man sofort nach der Ankunft direkt beziehen. Der Luxus liege auch darin begründet, dass man selbst kochen könne, eine eigene Toilette habe, es einen Whirlpool gebe, der mit Holz befeuert werde.

Norbert Grellner und Karina Kireth haben sich auch schon ein umfangreiches Programm überlegt, besonders für die Kinder: Einmal pro Woche ist ein Pizzaabend geplant, außerdem Hofführungen und Lesungen. Grellner will zeigen, wie der Feldbau funktioniert.

Seine Lebensgefährtin ist Tierheilpraktikerin und will die kleinen Besucher über alte Handarbeiten und Traditionen informieren, zum Beispiel mit ihnen Butter machen und Erkältungssirup herstellen. Ein Jäger will ebenfalls Führungen anbieten. Die Kinder können außerdem aufs Erdbeerfeld gehen, Kühe, Strohschweine, Pferde, Hühner, Katzen, Hasen, Ziegen und Bienen streicheln und bewundern. So soll der Bezug zur Landwirtschaft hergestellt werden.

Start im Sommer

Grellner und Kireth selbst sind allerdings keine großen Fans des klassischen Campings. „Sich in Wohnwagen reinquetschen, das sind nicht wir“, sagt Grellner. Doch das WiesenBett-Konzept findet er schon toll.

Am 1. Juli ist die Eröffnung geplant. Grellner will den Unterbau vorbereiten. Öffnen will er seine Hütten für Touristen in den folgenden Jahren von Ostern bis Mitte Oktober. Auch ein paar Hilfskräfte will er dann anstellen. Er denkt da an Hausfrauen, Studenten oder Rentner. Einige jüngere Leute zwischen 16 und 25 Jahren hätten sich schon bei ihm gemeldet.

Doch ein Problem gilt es noch zu klären, bevor es losgeht: Prüllsbirkig liegt im Wasserschutzgebiet. Deshalb treffen sich bald Wasserwirtschaftsamt und das Geo-Team Hof auf dem Weidehof. „Sobald das geklärt ist, dürfte es in Ordnung sein“, sagt Grellner. Bis Ende März soll das der Fall sein. Anfang Mai würde er dann gerne mit den Erdarbeiten anfangen. So dass im Juli die ersten Gäste die Zelte beziehen können. Die ersten Buchungen gibt es bereits. 

LUISA DEGENHARDT

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