Dienstag, 18.02.2020

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Stromspartipps vom Pegnitzer Energieberater

Bemühen tut nicht nur der Umwelt, sondern auch dem Geldbeutel gut - 04.03.2018 20:55 Uhr

Der staatlich geprüfte Energieberater Werner Braun gibt Tipps, wie sich auch im kalten Winter Strom- und Heizkosten reduzieren lassen. © Kerstin Goetzke


Vor allem im Winter wird viel geheizt und viel Strom verbraucht. Grund dafür ist die oft anhaltende Kälte und lange Dunkelheit. Doch das bedeutet nicht, dass man in dieser Jahreszeit keine Energie sparen kann, sagt Werner Braun, staatlich geprüfter Energieberater.

"Am einfachsten kann man Energie sparen, wenn man die Dinge des täglichen Gebrauchs, also Haushaltsgeräte, effizient benutzt", sagt Braun. Das bedeutet, dass man zum Beispiel beim Kochen auf die Größe des Topfes achtet. "Für eine kleine Portion einen kleinen Topf benutzen und dafür auch eine kleine Flamme", erklärt der 52-Jährige. Zudem könne man die Restwärme der Platten nutzen, um das Essen warm zuhalten.

Ein weiterer Tipp des Energieberaters: kalte Geräte an einen kalten Ort stellen. "Wenn man die Gefriertruhe an einen kühleren Platz stellt, der nur ein Grad kälter ist, ergibt sich hier schon eine Einsparung von drei Prozent", sagt Braun. Ein Austausch alter Geräte rentiert sich, wenn man dabei auf die Energieeffizienz der neuen Produkte achtet.

Auch bei Leuchtmitteln lässt sich Strom sparen. Alte Glühlampen wandelten 95 Prozent der aufgenommenen Energie in Wärme um und nur fünf Prozent in Licht. "Aus diesem Grund gibt es die herkömmlichen Glühlampen auch nicht mehr auf dem Markt. Besser sind einfache LEDs."

Einen großen Unterschied mache auch, wenn man alle Geräte nicht im Standby lasse, sondern ganz ausschalte. Dies sei kein großer Aufwand und lasse sich leicht umsetzten, indem etwa mehrere Elektrogeräte an eine Mehrfachsteckdose angeschlossen werden und diese nach Gebrauch ausgeschaltet wird.

60 Euro weniger im Jahr

"In einem durchschnittlichen Hauhalt kann man so bis zu 60 Euro im Jahr sparen", resümiert der Ingenieur. Ebenfalls werde bei einer um ein Grad Celsius niedrigeren Zimmertemperatur schon sechs Prozent weniger Strom benötigt. "Man sollte sich überlegen, ob anstelle von 24 Grad in der Wohnung nicht eventuell auch 23 langen", so Braun.

Ob Holz-, Öl- oder Gasheizungen am effektivsten sind, lasse sich so nicht sagen, erklärt Braun. Doch Holz sei effektiv und sparsam, weil es auch eine regenerative Energiequelle ist und so der Umwelt helfe. Daher würden Öl- und Gasheizungen nicht so stark von der KfW gefördert, da sie auf endlichen Quellen fußen und nicht nachhaltig sind, so Braun. Auch die Nutzung von Biomasse in Form von Wärmepumpen und Durchlauferhitzern hätte keine negativen Auswirkungen auf die Umwelt. Ebenso könne durch Thermostate der Energieverbrauch gesenkt werden. Einfach ließen sich auch die Regler austauschen, damit ein hydraulischer Abgleich besser funktioniere. Das bedeutet, dass bei mehreren Heizkörpern in einer Reihe alle gleich viel Wärme abgeben. Denn oft passiere es sonst, dass der erste Heizkörper sehr warm wird und der letzte kaum mehr. "Damit wird schon 20 Prozent weniger Energie benötigt", betont Braun.

Beim Lüften sollte man darauf achten, Fenster nicht dauerhaft zu kippen, sondern nur drei- bis viermal am Tag für fünf Minuten die verbrauchte Luft auszutauschen. "Wenn man den ganzen Tag nicht zuhause ist, sollte man morgens nach dem Aufstehen und abends vor dem Einschlafen die Fenster kurz öffnen", sagt der Experte. Bei alten Gebäuden sei es nicht zwingend nötig, mehrmals am Tag frische Luft reinzulassen, wenn man tagsüber nicht da ist. Bei neuen Gebäuden mit guter Isolierung sollte jedoch auf eine Lüftungsanlage nicht verzichtet werden.

Auch eine Photovoltaik- oder Solaranlage seien eine gute Möglichkeit, um Energie zu sparen. So könne eine Photovoltaikanlage bis zu 70 Prozent des benötigten Stroms erzeugen. "Die Solaranlage ist dagegen eine rein thermische Anlage", so der Bauingenieur.

Für die "Earth Hour" am Samstag, 24. März, bei der viele Städte und Firmen auf der Welt wieder für eine Stunde alle Lichter ausschalten, hat der geprüfte Energieberater nur ein kleines Lob übrig: "Ich finde die Idee des gemeinsamen Energiesparens gut. Aber als Berater habe ich Sorge zu tragen, dass vor allem nachhaltig gespart wird."

Dass viele Firmen und Industriehallen die ganze Nacht beleuchtet seien, müsse man jedoch gesondert betrachten, sagt Braun. Denn das Licht werde zum Einbruchschutz genutzt. "Wo Licht ist, wird eher nicht eingebrochen. Eine Möglichkeit wäre, nur einzelne Bereiche zu beleuchten und den Rest über Bewegungsmelder zu steuern. Das könnte aber problematisch sein, wenn Hunde und Katzen vorbei laufen."

Stand von vor 1995

Dass in Deutschland 80 Prozent der Gebäude noch auf einem Stand von vor dem ersten Wärmeschutzstandard 1995 sind, ärgert den 52-Jährigen regelrecht. Denn: "Bei diesen Häusern liegt ein Energiebedarf von 200 Kilowattstunden pro Jahr pro Quadratmeter vor. Das sind 20 Liter Öl pro Quadratmeter pro Jahr. Bei sanierten Gebäuden sind es zwischen fünf und drei Litern."

Vor allem würden in Deutschland 18 Prozent des gesamten Verbrauchs zum Heizen verwendet. Das seien 60 Milliarden Liter Heizöl. Und das obwohl Deutschland eines der Länder sei, denen es weltweit besonders gut gehe und das es deshalb leicht anders handhaben könnte, sagt Braun. Ebenfalls ärgert ihn, dass beim Energiesparen immer nach der Rentabilität gefragt werde. "Bei einem Auto geht niemand danach, ob es sich rentiert. Weil es das nicht tut. Aber bei einer neuen Heizung fragen alle zuerst, ab wann man damit Geld verdienen könnte". Für Braun ist das eine Schande für die Umwelt, da Energiesparen auch immer positiv für die Erde ist und man seinen Kindern und Enkeln doch auch eine Zukunft hinterlassen möchte.

Aber es gibt auch ein positives Beispiel. So wurde das Programm "10 000 Häuser", bei dem es eine Förderung für bayerische Bürger gab, die ihr Haus energieeffizient umbauen wollten, so gut angenommen, dass es nach nicht mal einem Jahr ausgeschöpft war — obwohl es zwei Jahre laufen sollte. Seit Februar läuft das Programm nun wieder, über das man sich auf der Website des "Energie-Atlas Bayern" informieren kann.

ANNIKA ENDRES

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