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Student zähmt aggressives Trockauer Quellwasser

Entsäuerungsanlage der Juragruppe für rund 170 000 Euro modernisiert — Masterarbeit mit 1000 Euro belohnt - 27.05.2017 12:40 Uhr

Der Neumarkter Student Andreas Schwandner hat für die Trockauer Wasserversorgung eine völlig neue Entsäuerungstechnik entwickelt. © nn


Die Quellschüttung der Trockauer Versorgung unterscheidet sich grundsätzlich vom sonst in der Juragruppe geförderten Nass: Wegen seines hohen Kohlensäuregehalts und eines äußerst geringen Härtegrads greift es nicht nur den Beton-Hochbehälter an, sondern lässt zudem auch noch die Leitungen korrodieren. Im Endeffekt bedeutet das, dass das Wasser aufbereitet werden muss.

Andreas Schwandner aus Loderbach (3.v.l.) und Professor Eberhard Aust (4.v.l.) von der Technischen Hochschule Nürnberg präsentierten ein völlig neuartiges Modell für die Aufbereitung des Quellwassers im Pegnitzer Ortsteil Trockau. © Foto: Reinl


Im Bereich der Juragruppe stellt die Trockauer Insellösung eine bedeutende Komponente bei der Wasserversorgung dar. Denn es gibt vor Ort mit der Gastronomie, der Discothek und nicht zuletzt mit Europas größter Salzsole-Anlage der Autobahnmeisterei gleich mehrere Großverbraucher. Deshalb habe der Zweckverband in den vergangenen Jahrzehnten intensiv in einen neuen Hochbehälter und in eine Ringleitung investiert.

Geld vom Freistaat

Für den Juragruppen-Werkleiter Hans Hümmer war das zwar richtungsweisend, zufrieden gegeben hat er sich damit aber nicht. Stehen doch Energieeinsparung, modernste Verfahrenstechnik und effiziente Betriebsabläufe ganz oben in der Zweckverbands-Philosophie. Deshalb wurde zusammen mit der Projektgesellschaft für kommunale Ver- und Entsorgungstechnik PfK in Ansbach und der Georg-Simon-Ohm-Hochschule in Nürnberg ein innovatives Forschungsprojekt zur Optimierung der Aufbereitung gestartet. Es ist wegen seiner grundsätzlichen Bedeutung zudem über die Gesellschaft für Innovation und Wissenstransfer mbH vom Freistaat Bayern gefördert worden. Professor Eberhard Aust betraute Andreas Schwandner mit der Masterarbeit und hat dabei ein glückliches Händchen bewiesen.

Die Fachwelt ist begeistert vom Lösungsansatz des Neumarkter Studenten Andreas Schwandner für die Entsäuerungsanlage in Trockau. © nn


Zunächst wurden, parallel zur Fertigstellung der Anlagen vor Ort, an der Hochschule Vorversuche gefahren, mit denen die späteren Einsatzbedingungen im Wasserwerk getestet und die wissenschaftlichen Grundlagen herausgearbeitet werden konnten. Das Ergebnis der viermonatigen Bemühungen kann sich sehen lassen.

Mit der Modernisierung der Entsäuerungsanlage wird in Verbindung mit der nachgerüsteten Belüftungsstufe und dem bereits bestehenden Kalksteinfilter einerseits der Verbrauch an hochreinem und damit teurem Jurakalk gesenkt. Andererseits wird eine noch gleichmäßigere Trinkwasserqualität erreicht. Dabei wird komplett auf den Einsatz von Chemikalien verzichtet. Die Verbraucher können sich künftig über einen besonders gleichmäßigen Härtegrad ihres Trinkwassers und damit auch einen beständigen Geschmack freuen.

Hümmer ist zuversichtlich, dass sich die Investitionen von insgesamt rund 170 000 Euro bald amortisieren, weil zum einen Ressourcen eingespart werden und zum anderen wegen der Fernsteuerung die regelmäßigen Kontrollbesuche in der Wasseranlage Trockau entfallen. Der erste Ansaugbehälter sei bereits auf den neuesten Stand gebracht, der zweite werde wegen des schon angegriffenen Betons noch mit Edelstahl ausgekleidet.

Burkhard Bittner von der Firma PfK und Professor Aust von der Technischen Hochschule würdigten die wissenschaftliche Leistung Schwandners. Hier sei über langwierige mathematische Rechenmodelle Grundlagenarbeit geleistet worden. Stefan Muschler, einer der führenden Wasser-Experten Bayerns, lobte die Weitsichtigkeit der Juragruppe. Andere Versorger könnten von dem Projekt profitieren. Nicht zuletzt sei Andreas Schwandner mit dieser Masterarbeit zu einem begehrten Absolventen geworden.

Für den Vorstand der Juragruppe bedankte sich der Waischenfelder Bürgermeister Edmund Pirkelmann beim Neumarkter Studenten. Preisgeld: 1000 Euro. Seinen Werkleiter Hans Hümmer lobt er für dessen stets innovatives Denken, etwa bei der Zusammenarbeit mit den Landwirten, beim Einsatz modernster Technik oder der Bereitstellung von Leerrohren für die Breitbandversorgung. Das alles beweise, dass die Juragruppe im Gegensatz zu anderen Versorgern nicht nur Wasser verkaufen wolle, sondern stets an die Zukunft denke. 

RICHARD REINL

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