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Montag, 24.06.2019

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Sturm der Entrüstung gegen Regen-Gregori in der Halle

Stadt und Grundschule planen ohne Ausweichtermin - Eltern sind aufgebracht, die Wirtin sprachlos - 24.05.2019 11:00 Uhr

Sollte es am Gregoritag regnen, wird es so ein Bild wie dieses nicht geben. Das Fest wird dann nicht draußen, sondern in der Christian-Sammet-Halle stattfinden. © Archivfoto: Ralf Münch


Wenn zum Gregoritag früh am Morgen Böllerschüsse zu hören sind, dann wissen alle Schüler, "heute ist schulfrei und wir feiern das Gregorifest". Seit diesem Jahr ist das etwas anders. Es gibt ein Trocken - und ein Regenprogramm und Eltern müssen sich im Internet informieren, welches Schema durchlaufen wird. Besonders in den örtlichen Facebookgruppen sorgte das für lebhafte Auseinandersetzungen, nachdem die Pegnitzer Grundschule einen Elternbrief per Mail verschickte, der auch unserer Redaktion vorliegt. Im Fokus: Die umstrittene Regenvariante.

Im Zentrum des Ärgers: Die neue Rektorin Tanja Engelbrecht. Als "Nicht"-Pegnitzerin habe diese keinen Sinn für alte örtliche Traditionen, sagt Sarah Schoppa, Mutter eines Grundschülers in Pegnitz. Sie versteht die ganzen Änderungen nicht. "So viele Jahre lang ging alles gut und jetzt soll alles schlecht sein", so die 30-Jährige. Aber gerade im Einvernehmen mit dem Elternbeirat, dem Lehrerkollegium und der Stadt Pegnitz habe man laut Engelbrecht heuer keinen Ersatztermin für Gregori festgelegt. Mit dem Brechen von Traditionen habe das nichts zu tun, sagt Engelbrecht. Sie bedauere solche Vorwürfe sehr. Es sei zwar richtig, dass sie aus Bayreuth komme, aber mit alten Gepflogenheiten wolle sie niemals brechen. Sie schätze Traditionen und würde diese auch leben, wie sie am Donnerstag im Telefongespräch mit unserem Reporter sagte.

Schön-Wetter-Tradition

Im letzten Jahr sei man zudem vom Unwetter überrascht gewesen. Am Morgen standen alle Zeichen auf Schlossberg, bevor dann der Platzregen für Überschwemmungen sorgte. Die kurzfristige Verschiebung habe damals viele Eltern verärgert. Viele hätten sich beschwert, weil sie für den Ausweichtermin einen zweiten freien Tag benötigten. Hier wollte man den Eltern entgegenkommen, sagt Engelbrecht. So lange es nicht regnet, findet das Gregorifest auch weiterhin traditionell auf dem Schlossberg statt. Bei Regen entfällt die Veranstaltung aber mehr oder weniger. Wie die Schule bereits am Mittwoch mitteilte, findet aber ersatzweise "eine schulische Veranstaltung am Nachmittag" statt, damit die Kinder in jedem Fall ihre eifrig eingeübten Tänze aufführen können. Das Problem sei laut vieler Eltern dabei der Veranstaltungsort. Denn die auserwählte Christian-Sammet-Halle an der Mittelschule Pegnitz ist laut Angaben der Stadt nur für maximal 900 Personen ausgelastet. 400 Plätze würde man aber alleine für Schüler und Lehrer benötigen, was zur Folge hat, dass nur jeweils ein Elternteil der Veranstaltung beiwohnen kann.

Viele Eltern müssen draußen bleiben

"Es ist daher angedacht, dass pro tanzendem Kind jeweils nur eine Begleitperson mitkommt", sagt die Schulleiterin. Jedes Kind erhält demnach vorab eine Eintrittskarte für diese Begleitperson. "Wir bitten um Verständnis, dass keine Einlassmöglichkeit mehr besteht, wenn die Halle ausgelastet ist", sagt Engelbrecht. "Hier liegen Sicherheitsvorschriften vor, die zwingend eingehalten werden müssen". Die Eintrittskarte muss am Halleneingang vorgezeigt werden, um die Anzahl der Besucher zu überblicken.

"Wir kommen damit dem vielfachen Wunsch mehrerer Eltern entgegen", sagte Schulleiterin Tanja Engelbrecht auf Nachfrage. Alternativen habe man keine gefunden. Auch im Gremium mit Stadt, Kollegium und Elternbeirat sei man da auf keinen grünen Zweig gekommen. Ein Ausweichtermin war unerwünscht, eine größere Halle als die an der Mittelschule habe man aber nicht. Das könne laut der Schulleiterin nächstes Jahr schon wieder ganz anders laufen. Zwar hatte sie persönlich auch den Dienstag nach den Pfingstferien im Auge, aber es sei unmöglich zu realisieren, dass am Montag noch alle Kinder so hinreichend proben können, um sich bei der Aufführung sicher zu fühlen. Und genau darum gehe es ihr aber. Dass bei dem Fest der Kinder, sich diese auch wohl fühlen.

Bürgermeister bittet um Verständnis

Hinzu komme, dass die Pfingstferien 2019 erst sehr spät stattfinden. Dadurch sei es laut Engelbrecht auch zu Terminproblemen gekommen. Offenbar auch im Hinblick auf das Waldstock-Festival und den Aufbau der Faust-Festspiele, wie einige Eltern auf Facebook schreiben. "Das ist falsch", sagt Bürgermeister Uwe Raab. Es seien ausschließlich die Aufbauarbeiten für das Waldstockfestival, die am Dienstag, den 2. Juli schon in vollem Gang sind.

"Es ist für uns nachvollziehbar, dass es zunehmend Anfragen vieler Eltern gibt, die insbesondere aufgrund der nie 100% sicheren Durchführung des Gregorifestes um eine Änderung gebeten haben", sagt Raab. Doch das betrifft natürlich nicht alle Eltern. Insbesondere aber Familien mit zwei berufstätigen Elternteilen, ohne verfügbare Großeltern. Denn oftmals sind es Oma und Opa, die genau diese Betreuungszeiten sonst abfangen. Eltern hätten es schwer mit ihren regulären Urlaubstagen neben den Schulferien weitere schulfreie Tage wie Gregori abzudecken. Zudem wollen ja auch diese Eltern gerne den Auftritt ihres Kindes am Gregorifest sehen - "ganz abgesehen von der Enttäuschung des Kindes, falls die Eltern fehlen sollten", sagt Raab.

Man habe händeringend nach zufriedenstellenden und befriedenden Lösungen gesucht, die selbstverständlich auch die Tradition wahren. So ist es Tradition, das Gregorifest im Juni und vor allem an einem Dienstag zu begehen. "Beide Traditionen sind gewahrt", führt Bürgermeister Raab aus. Lösungen würden aber auch oft in Kompromissen entstehen, die zwar allen Interessenslagen entgegenkommen, "aber nie eine einzige vollständig abbilden".

Raab wettert gegen die Facebook-User aus der Pegnitz-Gruppe. "Wie ich wahrnehme, wird dieses Abbild von so manchem Facebook-Diskutanten gewünscht". Die Regelung für dieses Jahr sei das Ergebnis eines langen Diskussionsprozesses, der insbesondere zwischen Schulleitung und dem Elternbeirat geführt wurde. Somit sehe die diesjährige Änderung vor, bei schlechten Wetter in die Christian-Sammet-Halle auszuweichen und so den Kindern trotz des schlechten Wetters die Möglichkeit zu geben, ihre Tänze aufzuführen. Die Eltern hätten damit Planungssicherheit und könnten frühzeitig Urlaub oder frei für diesen Tag anmelden und im Idealfall am Schloßberg Gregori feiern. Das schöne Wetter habe Raab schon bestellt, wie er sagt.

Schlossberg-Wirtin wusste von nichts

Planungssicherheit wäre auch für die Gastronomie schön gewesen. Aber weit gefehlt. Denn für weiteren Ärger sorgte offenbar das Rathaus selbst. Denn die Betreiberin des Biergartens, Foteini Batzaka, wurde bislang noch nicht informiert. Sie ist für die Bewirtung zuständig und wurde offenbar von den Planungen ausgeschlossen. Und das, obwohl diese Variante wohl schon vor über drei Wochen beschlossen wurde. Bei schlechtem Wetter und fehlendem Ersatztermin entgehen der Gastronomin immerhin nicht zu verachtende Einnahmen.

Das erfuhr Batzaka aber erst durch die Recherchen unserer Reporter. Von Stadt oder Schule wurde sie bislang nicht informiert, wie sie sagt. Auch für die Kinder findet sie das "richtig blöd". Denen wurde es gefallen auf dem Schloßberg. "Ich bin sprachlos", so die Wirtin. Aber auch der EV Pegnitz sei betroffen. Denn der Eislaufverein habe fest mit den Einnahmen aus dem Fest gerechnet. Die Mitglieder waren stets in die Bewirtung mit eingebunden. Gemeinsam hoffe man nun auf gutes Wetter.

Schulpflicht auch bei Böllerschuss

Auch die Betreuung der Schüler am Vormittag des Gregoritages habe laut Schulleitung viele Elternteile vor Herausforderungen gestellt. Auch hier wurden deswegen Änderungen durchgeführt. Generell soll ab sofort am Tag des Festes Unterricht bis zur vierten Stunden stattfinden. Völlig unabhängig vom Wetter und vom Böllerschlag. Darüber hinaus stellt die Schule eine erweiterte Mittagsbetreuung in Aussicht. Die Eltern wurden hierüber bereits informiert, heißt es.

Auf die Frage, warum das Fest nicht einfach an einem Samstag durchgeführt wird, reagieren die Betreiber nur kurz. "Organisatorische Gründe", so die Antwort. Schulleiterin Engelbrecht fügte hinzu, dass man hier auch nicht zahllos Samstag einplanen könne. Vor allem eben wegen der Terminüberschneidungen.  

JULIAN SEIFERTH UND MARKUS ROIDER

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