Süßigkeiten, Katzenfutter und stille Helfer im Dorfladen

7.6.2021, 16:31 Uhr
„Wir haben eine Gaudi mit den Kollegen“: Birgit Zutt (li.) und Erhard Haas räumen einmal wöchentlich Regale im Dorfladen ein.

„Wir haben eine Gaudi mit den Kollegen“: Birgit Zutt (li.) und Erhard Haas räumen einmal wöchentlich Regale im Dorfladen ein. © Foto: Rosi Thiem

Verteilt über die helle Verkaufsfläche stehen dort überall vollgepackte Rollcontainer mit frisch eingetroffener Ware. Mittwochs ist Liefertag. Die beiden – Zutt und Haas – kommen und helfen, wie einige andere auch – ehrenamtlich. "Ich wurde angesprochen und gefragt", berichtet der 74-jährige Kirchahorner. Ebenso ging es Zutt aus Christanz.

Sie erfuhr, dass Hilfe zum Einräumen gebraucht werde und sagte spontan zu. Inzwischen sind beide seit Januar dabei und helfen freiwillig einmal die Woche. "Das kann eine Stunde sein, aber auch mal zwei bis drei Stunden. Je nachdem, wie viele Helfer mit anpacken können", berichtet Zutt.

Sie habe nicht lange überlegen müssen, ob sie dieses Ehrenamt annehmen wolle. Denn: "Bei mir zu Hause konnten wegen der Pandemie die Ferienwohnungen nicht vermietet werden. Da dachte ich mir, die Zeit nehme ich mir einmal die Woche früh und helfe einfach." Denn sie erinnere sich noch gut an jene schwierige Zeit, als es im Ort keinen Laden mehr gegeben hat.

2013 hatte der Edeka-Markt dicht gemacht. Jahrelang gab es dann keine Einkaufsmöglichkeit in Kirchahorn, bis 2017 der Einkaufsmarkt mit großer Unterstützung von Kirchen, Vereinen, Gemeinde und Einwohnern öffnen konnte.

"Es ging so viel Zeit drauf, um kilometerlang zu fahren, um in Waischenfeld oder Pegnitz einkaufen zu gehen. Unsere Gäste konnten nicht einmal Frühstücksbrötchen holen", beklagt die 52 Jahre alte Gastgeberin. "Nun wollte ich unterstützen, da ich unseren Dorfladen wirklich zu schätzen weiß. Die Stunde Zeit nehme ich mir gerne."

Genauso sieht es Kollege Erhard Haas: "So viel Ehrenamt ist das doch gar nicht", meint er. "Einmal die Woche zu helfen, ist nicht so viel. Ohne die beiden ehrenamtlichen Geschäftsführer Marcel Dielesen und Wolfgang Göbner am Anfang wäre hier nichts. Die beiden haben das ganze Projekt ins Laufen gebracht und alles in Vollzeit mit Herzblut gemacht. Das gehört sich gewürdigt", unterstreicht Haas. "Ich mache das hier auch als eine Art Eigennutz, denn ich möchte ja einen Laden vor Ort haben."

Inzwischen sind die beiden beim Süßwarenregal angelangt. "Da kennen wir uns aus", schmunzelt Zutt. Es komme schon mal vor, dass sie fragen müssten oder neue Ware eintreffe, die einen besonderen Platz benötige, berichten die Helfer. Sie kontrollieren ferner das Mindesthaltbarkeitsdatum. "Wir sind inzwischen ein eingespieltes Team", fasst Haas zusammen.

Anteile am Laden gekauft

Neben den beiden helfen noch weitere Ehrenamtliche mit. Jeder, wie er eben Zeit habe. Haas und Zutt hatten damals, wie viele andere auch, Anteile am Laden gekauft, um das Projekt zum Leben zu erwecken. "Solange ich das körperlich machen kann, werde ich hier helfen", ist sich der ehemalige Krankenpfleger Haas sicher und resümiert: "Inzwischen werden wir von einigen Auswärtigen um unseren sehr gut sortierten Einkaufsmarkt beneidet. In vielen Ortschaften gibt es leider im Ortskern keinen Lebensmittelladen mehr." In dieser Hinsicht sei das Ahorntal nun ein Vorzeigeprojekt. "Unsere Chefin schaut immer, dass sie auch Sonderwünsche der Kunden möglich machen kann und bemüht sich stets, etwas Neues im Angebot zu haben", loben die beiden und verweisen auf die momentan stark nachgefragten Gemüsepflanzen am Eingang.

In Corona-Zeiten gibt es zusätzlich einen Lieferservice, der unter anderem Risikopatienten zu Hause versorgt. "Man bekommt wieder was in Kirchahorn", freuen sich die beiden, während das Süßwarenregal von ihnen üppig gefüllt wird. Der Laden ist außerdem ein Treffpunkt.

"Vor dem Lockdown trafen sich hier im Café junge Mütter, nachdem sie die Kinder im Kindergarten abgegeben hatten oder Rentner hielten ihren Plausch bei einer Tasse Kaffee und einem Stück Kuchen", berichtet Haas. Auch jetzt sei der Einkauf vor Ort ein willkommener Platz, um Menschen auf Abstand zu begegnen.

"Es gibt viele Leute, die damals sagten – als es keinen Einkaufsmarkt gab – wir brauchen wieder einen Laden", erinnert sich Haas. "Aber nur mit Reden und Daheimsitzen geschieht nichts. Wir brauchten Leute, die anpackten und etwas machten – aber auch jetzt werden Helfer benötigt, die für die Zukunft was tun", berichtet der Rentner.

Und die gab es. "Der lebendige Dorfladen ist ein Gewinn für den ganzen Ort und die Umgebung", lobt Zutt und denkt dabei an ihre neu ankommenden Gäste: "Die müssen nicht lange fahren und können ganz entspannt ihre ersten Einkäufe tätigen", berichtet sie. "Auch ist man ruckzuck mit dem Fahrrad da, und selbst im Winter spart man sich die langen Wege", weiß sie zu schätzen. "Hier im Laden zu helfen, das mache ich wirklich gerne. Das tut nicht weh. Obendrein macht es Spaß und wir haben eine Gaudi mit den Kollegen."

Inzwischen sind 17 Arbeitsplätze entstanden, doch die ehrenamtlichen Helfer werden nach wie vor benötigt. Dazu sagt die – seit Januar 2021 tätige – Geschäftsführerin Marion Decker: "Wir sind froh um jeden Helfer. Am Montag kommen die Getränke, da helfen einige Männer bei den schweren Kästen. Am Mittwoch kommt immer die Hauptlieferung. Ich bin froh und dankbar für jede Zeit, in der uns geholfen wird."

Ecke mit regionalen Produkten

Marion Decker selbst ist seit der ersten Stunde des Dorfladens dabei und zunächst mit der Postfiliale in den Einkaufsmarkt umgezogen. Inzwischen leitet sie den Markt und freut sich vor allem über die Begegnungen mit den Kunden. "Wir sind gerade dabei, eine Ecke mit regionalen Produkten aufzubauen", skizziert sie. "Jetzt fehlt uns noch ein erschwinglicher Kühlschrank, der die einheimischen Wurstspezialitäten präsentieren soll. Da bin ich gerade auf der Suche." Das neue Angebot soll in einem abgegrenzten Teil auf der insgesamt 430 Quadratmeter großen Verkaufsfläche entstehen.

Die gelernte Bürokauffrau weiß von den schwierigen Anfängen und der Einschätzung der Großkonzerne, die den Standort wegen der Fläche und dem Einzugsgebiet ablehnten. Umso mehr freue es sie jetzt täglich, wenn Kunden immer wieder kommen, das Verkaufspersonal sich ständig bemüht und die ehrenamtlichen Helfer wöchentlich ihre Freizeit spenden. "Wer Lust hat, hier mitzuhelfen, der soll sich bitte bei mir melden. Wenn wir noch einige tatkräftige Hände bekommen könnten, dann müssen wir unsere bisherigen Helfer nicht überstrapazieren. Wir sind froh um jede Stunde", betont sie und kümmert sich dann um den Wunsch einer Stammkundin.

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