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Tanz auf dem Seil und schwebend bunte Quallenwelt

„Internationale Hollfelder Kunstausstellung“ bietet wenige, aber gute Werke von 19 Künstlern — Kalligraphie und besondere Fotos - 19.07.2014 09:36 Uhr

Monika Meinhardt setzte ihre feinen Fotografien zum „Dogwalk“, dem Hundespaziergang, extra wackelig zusammen, um die Zerbrechlichkeit des Lebens zu spiegeln — in der Erinnerung an ihre Mutter.


Herausstechend sind die 35 hinterleuchteten Sepia-Fotografien von Monika Meinhardt (54) aus Stegaurach. Es sind wunderbar feine Aufnahmen, extra leicht befestigt, extra mit allen Kabeln offen gelegt: Für die Fotografin, die auch Fotografie studierte, spiegelt sich so das zerbrechliche Leben. Sie ist ein Mensch, der immer vom Gefühl ausgeht — und hier die Spuren ihrer Mutter sucht.

Monika Meinhardt fand deren Notizen zu all den Spaziergängen, die sie mit ihrem Hund im Dorf gemacht hatte. Sie lief jetzt diese Wege nach, als Erinnerungsarbeit, und fotografierte Zufallsbegegnungen. Sie wollte Langsames zeigen, Bewegtes, Empfindsames, Leichtes und Schweres — angeordnet um eine Seite aus dem Tagebuch der Mutter. Bestechend ist das Schattenbild eines Vogels, der eine Beere im Schnabel hält („da ging es um eine Sekunde!“) und zentral ist das Foto einer herzlichen Frau, die noch einmal vorkommt, als Mädchen.

Ähnlich beeindruckend ist das Filz-Ensemble von Irene Reinhardt (53) aus Coburg. Die frei arbeitende Produktdesignerin für Polstermöbel ist bekannt für ihre Filz-Experimente, egal ob für die Wand oder als Kleidung. Sie zeigt hier leicht schwebende Quallen, „eine Art Tiefsee-Bestiarium von Medusen“, das Schönheit und Gefahr ausstrahlen soll. Der Betrachter kann die nur 50 Gramm schweren Figuren berühren, zum Schwingen bringen, ihre phantastischen Köpfe bestaunen. Irene Reinhardt mischt hier leichte Merinowolle mit Seidenfäden. Angelika Böhm-Silberhorn (56) vom Ammersee bekam den Hauptpreis dieser Ausstellung. Sie malt gern alte Häuser, Bahnhöfe, im Theater, Menschen im Zug, Sonne, Eis und Schnee. Sie wagt sich an wildeste Szenen, zaubert Märchenwelten mit Kindern, trifft enorm Licht und Wasser, ist aber nie genau. Die Malerin muss immer wie verliebt sein in einen Ort, bevor sie loslegt. Tagelang stimmt sie sich ein, bis sie alles erspürt hat.

Mit künftigen Ausstellungen im Hollfelder „Ideenhaus“ belohnten die Kulturfreunde diesmal die Kalligraphin Angelika Wunderlich (Goldkronach; auch Förderpreis), Karolina Jarmolinska (Karlsruhe) und Dinara Daniel (49; Heidelberg). Diese russische Ärztin ist in Baschkirien am Ural aufgewachsen. Sie malt seit ihrer Kindheit und widmet sich verschiedenster Motive in unterschiedlichster Qualität. Weil sie jetzt so weit von daheim lebt, geht ihre Sehnsucht zurück: Dinara Daniel sucht das Märchenhafte, die Mythologie ihrer Heimat und formte so einen kleinen Baum, auf dem drei Frauenvögel des Paradieses sitzen. Diese Skulptur ähnelt einfacher naiver Kunst, entspringt aber tiefem, guten Fühlen.

Der zweite Preis der Schau ging zu Recht an Anne Meßmer-Steinmann (60) aus Lindau, die mit eindrucksvollem Zeichenstrich eine nackte Akrobatin in Blumenfotos setzt — „es ist ein Versuch, das geheimnisvolle Leben der Pflanzen zu verstehen“. Die Sozialpädagogin (auch in Mal-Therapie ausgebildet) widmet sich gern Naturstudien.Ebenso sind gute Werke der Polin Karolina Jarmolinska (Straßenbahnporträts) zu sehen, von Claudia Hölzel (Sonnenuntergang aus Stoffbändern), vom jungen Nicolai Hepperle (großzügige Farbwürfe), von Elke Schober und Lars Henning (Neo-Pop-Surrealismus zum Autokult), vom Palästinenser Hisham Zreiq (Digitaldrucke) und der berühmten Schriftkünstlerin Andrea Wunderlich.

Wolfgang Böhm (68) aus Fürth, früher Zeichenlehrer, widmet sich normalerweise glitzernden Konsumartikeln vom Bonbon bis zum Goldhasen. Aber einmal entdeckte er im Botanischen Garten von Berlin Fische im Eck eines exotischen Gewächshauses. Diese Wasserreflexe zogen ihn so an, dass er das Foto später meisterlich umsetzte: Hier nun zu sehen — als Einladung zur Meditation.  

TH. KNAUBER

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