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Teilen sich in Pegnitz E-Scooter und Radler Platz?

Polizei und örtliche Fahrlehrer hoffen auf gegenseitige Rücksichtnahme statt Schwerpunktkontrollen - 25.04.2019 09:00 Uhr

Am 17. Mai entscheidet der Bundesrat über die Zulassung von E-Scootern in Deutschland. Die Freigabe für den Straßenverkehr dürfte dann nur noch eine Formsache sein.


Der Bundesrat entscheidet am 17. Mai darüber, ob E-Scooter auch in Deutschland zugelassen werden. Dann dürfte die Freigabe für den Straßenverkehr nur noch eine Formsache sein. Auf die Vehikel setzen Verkehrsplaner, Politiker und nicht zuletzt abgas- und lärmgeplagte Bewohner von Innenstädten große Hoffnungen.

Pegnitz könnte für Elektro-Tretroller ebenfalls ein gutes Pflaster werden, liegen doch einige Stadtteile erhöht — mit dem E-Scooter könnten die Bewohner vom Zipser Berg, des Kellerbergs oder des Arzbergs künftig bequem bergauf fahren.

Schon wittern die Hersteller ein großes Geschäft und setzen auf den nächsten Boom auf Deutschlands Straßen. Schon ab 500 Euro werden motorisierte Tretroller angeboten. Nach oben endet die Preisspanne bei etwa 2000 Euro.

Björn Zagray, der am Schweinemarkt in Pegnitz ein Fahrradgeschäft betreibt, will dennoch nicht überstürzt auf den neuen Trend aufspringen. "Wir warten erst einmal ab, bis die E-Scooter für den Verkehr freigegeben sind. Dann informieren wir uns über die Qualität, denn es ist viel Schrott auf dem Markt." Für ihn macht es wenig Sinn, billige Roller zu verkaufen, da man sich mit solchen Produkten meist nur Ärger einhandele, etwa bei Garantiefällen. Auch auf die Leistung müsse geachtet werden. Wenn man schon E-Scooter anbiete, dann müssten diese auch jeden Berg in und um Pegnitz schaffen, sagt Zagray.

Er wird auf den kommenden Messen die Roller testen, um sich selbst einen Eindruck zu verschaffen. Zagray will sich ein paar Monaten Zeit lassen, um die richtigen Modelle zu finden, die man den Kunden guten Gewissens verkaufen könne. Bis es soweit sei, sei die Saison fast schon am Abklingen. Deshalb werde er E-Scooter voraussichtlich erst im kommenden Jahr ins Programm nehmen. Möglicherweise werde er ein oder zwei E-Scooter zum Ausprobieren bereithalten.

Für Helmpflicht

Auch die Fahrer von E-Scootern sollten Helm tragen, rät Zagray. "Eine Helmpflicht ist notwendig", betont er. Nicht zuletzt, weil er schon schlimme Kopfverletzungen bei Radfahrern gesehen habe.

In Pegnitz seien die Bedingungen für Radfahrer nicht die besten, weiß der Händler aus eigener Erfahrung. Björn Zagray: "An den beiden Kreisverkehren wird man als Radfahrer nicht beachtet. Es ist viel zu tun im Fahrradbereich."

Gelassen blickt der Leiter der Polizeiinspektion Pegnitz, Roland Schmitt, auf das neue Verkehrsmittel: "Ich sehe das sehr entspannt." Es gebe ständig neue Entwicklungen. "Wir lassen das auf uns zukommen." Und solange es keine Probleme gebe, sieht er keinen Grund aktiv zu werden. "Wir planen keine Schwerpunktaktionen. Die Polizei Pegnitz hat andere Probleme. Die Sicherheit der Bürger hat Vorrang." Schmitt nennt als Beispiele, warum kontrolliert werden müsse, überhöhte Geschwindigkeit und Alkohol am Steuer.

Er plädiert für gegenseitige Rücksichtnahme und vorsichtiges Verhalten im Straßenverkehr. Besondere Stellen, an denen E-Scooter-Fahrer möglicherweise gefährdet werden könnten, kann er nicht erkennen: "Wenn sich jeder an die Regeln hält, dann dürfte es auch mit E-Scootern keine Probleme geben. Jeder sollte sich so verhalten, dass er andere nicht belästigt oder behindert."

Und betont, wie wichtig das Miteinander sei: "Man muss sich abstimmen, schauen, wie der andere reagiert, notfalls auch langsam fahren." Ob sich der elektronische Tretroller tatsächlich längerfristig durchsetzt, ist für Roland Schmitt nicht ausgemacht. "So einen Erfolg wie bei den E-Pedelec erwarte ich nicht." Schon vor einigen Jahre sei der Tretroller — allerdings ohne E-Antrieb — als Modeerscheinung aufgetaucht. "Innerhalb von zwei, drei Jahren waren sie wieder vergessen", so der Leiter der Pegnitzer Polizei.

Werner Groß, Chef der gleichnamigen Pegnitzer Fahrschule, geht davon aus, dass sich E-Scooter in größeren Städten durchsetzen werden. "Bei uns geht der Trend eher zum E-Bike." Dennoch ist er der Meinung, dass es "mit Sicherheit Probleme geben wird". Aber wie Polizeichef Schmitt ist er der Ansicht, dass es eine "Sache der Einstellung ist", wie man damit umgeht. Dies betreffe sowohl den Fahrer eines Rollers als auch die anderen Verkehrsteilnehmer.

Ausreichender Abstand

Groß, der selbst noch keinen elektronischen Roller gesteuert hat, spricht von einem Gefahrenbewusstsein, das entwickelt werden müsse. Autofahrer müssten beim Überholen einen ausreichenden Sicherheitsabstand einhalten, also mindestens 1,5 Meter. Wer auf einem elektronischen Roller unterwegs ist, müsse sich bewusst sein, dass er sich in Gefahr begebe, wenn er auf der Straße fährt, so Groß.

Es werde beispielsweise knapp überholt. Schlenker oder Ausweichmanöver, etwa bei Kanaldeckeln, seien bei E-Scootern zu erwarten. "Aber die gibt es bei Fahrradfahren ebenso", betont Fahrlehrer Groß.

Bei der Stadt Pegnitz habe man sich noch keine Gedanken über einen E-Scooter-Verleih gemacht, so Zweiter Bürgermeister Wolfgang Nierhoff (Pegnitzer Gemeinschaft), der zurzeit Rathauschef Uwe Raab (SPD) vertritt. "Die Stadt selber wird es nicht machen können." Aber die Verwaltung könne prüfen, ob es ein Privater machen könne. Nierhoff ist der Ansicht, dass es auf bestimmten Abschnitten von Radwegen gefährlich werden könne.

Überhöhte Geschwindigkeit kann in der Gemengelage von Fußgängern, Radlern und Rollerfahrern zu Unfällen führen. Deshalb sagt Nierhoff: "Du darfst nur so schnell fahren, dass du noch rechtzeitig anhalten kannst." Ohne die Einsicht der Leute werde es nicht gehen. Und auf was Wolfgang Nierhoff besonders hinweist: Auch für die Fahrer von elektronischen Rollern gilt dasselbe Alkohollimit wie für das Autofahren. Das heißt: Ab 0,5 Promille gibt es ein Fahrverbot und ein Bußgeld.

VON HANS-JOCHEN SCHAUER

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