Tempo der Stadt Pegnitz zu langsam: Unternehmer expandiert in Auerbach

6.6.2021, 17:36 Uhr
Direkt neben dem Maffei-Gelände stehen bereits ein Bagger und einige Container. Das 20 000 Quadratmeter große Grundstück hat Jürgen Meyer erworben, weil er in Pegnitz wenig Perspektiven sieht.

Direkt neben dem Maffei-Gelände stehen bereits ein Bagger und einige Container. Das 20 000 Quadratmeter große Grundstück hat Jürgen Meyer erworben, weil er in Pegnitz wenig Perspektiven sieht. © Foto: Michael Grüner

"Ich gebe niemandem eine Schuld, dass irgendwas nicht geklappt hat", betont Meyer im Gespräch mit der Redaktion. Trotzdem müsse man seine Position auch verstehen und dürfe ihm nicht böse sein, dass er sich auf die Suche begibt und auf andere Ortschaften ausweicht, "wo man keine Einschränkungen hinnehmen muss und auch schnell etwas zu verwirklichen ist".

Seit drei Jahren versuche er, seinen Firmensitz in Bronn zu vergrößern, berichtet Meyer. Nun überlege er, ob er auch diesen Standort eventuell wechsle. "Da möchte ich mich noch nicht festlegen. Ich könnte mir schon Büros auf einer Pflegehalle vorstellen. Gerade unsere Maschinen müssen untergestellt sein und die Halle abschließbar, um einem eventuellen Diebstahl vorzubeugen." In den vergangenen Wochen sei Material von einigen Baustellen verschwunden.

Sache des Landratsamts

Da sich in Pegnitz nichts getan habe, müsse er sich umorientieren, sagt Meyer. Der Stadt könne er an dieser Stelle nichts vorwerfen, da einige Entscheidungen über das Landratsamt getätigt werden mussten. "Das geht alles seinen Weg, aber eben sehr langsam. Wenn solche Projekte anstehen, hätte ich mir trotzdem gewünscht, dass man so etwas versucht, zu beschleunigen", sagt Meyer. "Aber warum soll ich mir die Nerven kaputtmachen, wenn ich an anderer Stelle sehr schnell ein Angebot erhalte und alles flott entschieden und umgesetzt wird?"

Es sei wie beim PEP-Gelände, ist sich der Unternehmer sicher: "Dort sollte ein Baumarkt rein – das war der Plan. Es wären auch zwei Firmen mit an Bord gewesen und oben sollten zwölf Wohnungen entstehen." Doch aus diesem ehrgeizigen Projekt wurde nichts, da das Gelände bereits der Justizschule versprochen sei, meint Meyer. Die habe Vorrang.

Wobei er sich unsicher sei, ob die dort so richtig hinpasse. "Die Herrschaften vom Stadtrat und der Bürgermeister werden sich schon Gedanken gemacht haben. Wenn die warten können, dann sollen sie warten", sagt Meyer. Er selbst hatte nie Interesse, so ein Amt zu übernehmen. Sein Vater war jahrelang Stadtrat gewesen und wenn er eines daraus gelernt habe, dann das: "Man kann es nicht jedem Recht machen. Aber man fragt sich schon, ob dieser Posten für den einen oder anderen der richtige ist."

Platz für Werkstatt und Prüfhalle

So richtig verärgert habe ihn das Ganze trotzdem nicht. Er sei nur etwas verwundert gewesen. Meyer steht kurz vor der Rente und bereitet nach eigenen Angaben alles für seine Kinder und seine Lebensgefährtin vor. Er selbst werde in naher Zukunft etwas kürzertreten. Der Grundstückskauf in Auerbach sei eine Investition und Ergänzung für die Bauoase.

Der Handel benötige dringend größere Lagerkapazitäten und Hallen, in denen die Geräte untergestellt werden können. So sei Meyer auch in Gesprächen mit der Stadt Auerbach zwecks einer Werkstatt und Prüfhalle für Fahrzeuge. "Die Flächen können wir so oder so erst ab Januar 2022 nutzen. Wir werden Zug für Zug, wenn es die Gelegenheit hergibt, etwas bauen. Die Gelder, die ich jetzt investiere, die wandern halt nicht nach Pegnitz", sagt der Unternehmer.

Ein schlechtes Zeichen für die Stadt, meint Meyer. Damit Pegnitz aus "seinem Schlamassel" wieder herauskomme, müsse dringend am Tempo gearbeitet werden. "Es sieht ja nicht besonders gut aus, wenn man mal die beiden Städte vergleicht: Dann tut sich in Auerbach viel mehr", resümiert der Unternehmer.

Das kann Bürgermeister Wolfgang Nierhoff (PEG) nicht bestätigen und wundert sich über die Pläne Meyers. "Wir haben ihn seit geraumer Zeit aufgefordert, einen Bebauungsplan für Bronn einzureichen – das ist nie passiert", sagt Nierhoff auf Anfrage. "Wenn das Unternehmen mit Jürgen Meyer umzieht, dann würde mich das wundern."

Bezugnehmend auf das PEP-Gelände meint Nierhoff, dass es nur Gespräche und keine konkreten Pläne dazu gegeben habe. Es sei sich lediglich mit Stadtratskollegen unterhalten worden. Es werde auch nicht gewartet. Viele Dinge liefen im Hintergrund. "Das ist ein Projekt, das weit über 100 Millionen Euro kostet", betont der Rathauschef. "Ich bin sehr zuversichtlich, dass das aktuell in die richtige Richtung geht."

Dadurch, dass das Konzept sehr viele Ministerien durchlaufen müsse, dauere der Prozess eben etwas länger. "Das ist ein Projekt von dem es in der Größenordnung bayernweit nur eine Handvoll gibt", sagt Nierhoff. "Wir hatten ja von Jürgen Meyer nie etwas Konkretes in der Hand."

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