Thurndorf blickt auf 900 Jahre Geschichte zurück

6.5.2021, 17:37 Uhr
So könnte die Burganlage in Thurndorf früher ausgesehen haben. Der Ort wurde vor 900 Jahren erstmals urkundlich erwähnt. Wie und ob gefeiert wird, ist wegen der Pandemie noch unklar.

So könnte die Burganlage in Thurndorf früher ausgesehen haben. Der Ort wurde vor 900 Jahren erstmals urkundlich erwähnt. Wie und ob gefeiert wird, ist wegen der Pandemie noch unklar. © Foto: Archiv Fritz Fürk

Geplant waren kulturelle, geschichtliche und wissenschaftliche Vorträge, ein Straßenfest und der Besuch von Erzbischof Ludwig Schick aus Bamberg. Ob die Pandemie die eine oder andere Veranstaltung doch noch zulässt, muss abgewartet werden, kündigt der Arbeitskreis "Jubiläum 900 Jahre Thurndorf" nun an. Dennoch soll die lange Vergangenheit des Ortes nicht in Vergessenheit geraten.

Slawische Wenden siedelten

Nach einer historischen Zeittafel, ausgearbeitet von Gerhard Dettenhöfer, wurde die Gegend um Thurndorf im fünften und sechsten Jahrhundert durch slawische Wenden besiedelt. Ortsnamen wie Tagmanns, Pegnitz, Nasnitz und Zips deuten auf diesen Ursprung hin. 742 folgte die Gründung des Bistums Würzburg, wozu Thurndorf zuerst gehörte. Trotzdem blieben die Bewohner bis ins zehnte Jahrhundert heidnisch.

1355 erhielt der Ort sein Wappen

Im Zeitraum vom siebten bis neunten Jahrhundert erfolgte die Besitznahme des Landes durch die Franken – Ortsnamen auf -reuth deuten darauf hin: Bayreuth, Engelmannsreuth, Heinersreuth, Treinreuth, aber auch Zirkendorf; die Zuwanderung der Slaven sollte gestoppt werden, etwa durch den Bau von Wehranlagen wie einem Turm, daher zunächst "Turmdorf".

Blick in das Bildarchiv: So sah es im Ort in früheren Jahren aus. Im Bild der alte Dorfplatz von Thurndorf

Blick in das Bildarchiv: So sah es im Ort in früheren Jahren aus. Im Bild der alte Dorfplatz von Thurndorf © Foto: Archiv Fritz Fürk

Anno 1007 wurde das Bistum Bamberg durch Kaiser Heinrich II. gegründet. Es kam zur Christianisierung des Gebietes. Zwischen 1000 und 1050 entstand die Theophilusglocke, die älteste Glocke Bayerns. In dieser Zeit wurden die Burganlage und die romanische Burgkapelle gebaut, für die die Theophilusglocke vermutlich angeschafft wurde. Die Glocke tut noch heute ihren Dienst in der Pfarrkirche Sankt Jakobus.

Man schrieb das Jahr 1111, als Heinrich V. in Rom zum Kaiser gekrönt wurde. Mit dabei war auch Graf Beringer I. von der Sulzbacher Linie, der auch über Thurndorf herrschte. Im Jahr 1121 wird Thurndorf erstmals als Ort erwähnt. 30 Jahre später wird es Sitz eines Oberamtes unter böhmischer Herrschaft über 53 Orte beziehungsweise Höfe, und 1314 folgte die Erhebung zum Marktflecken. 1355 erhielt der Ort ein Wappen und ein Braurecht.

Die älteste Glocke Bayerns, die Theophilusglocke, hängt noch heute im Turm der Pfarrkirche in Thurndorf.

Die älteste Glocke Bayerns, die Theophilusglocke, hängt noch heute im Turm der Pfarrkirche in Thurndorf. © Foto: Archiv Fritz Fürk

Schlimme Jahre

Dann kamen schlimme Jahre auf die Bevölkerung zu: 1430 fielen die Hussiten in den Ort ein. Sie legten neben Thurndorf auch die Orte Bayreuth, Creußen, Pegnitz und Auerbach sowie Kirchenthumbach in Schutt und Asche. Dem Glauben des Adels folgend nahm die Bevölkerung für 101 Jahre die Lehre Luthers an. Von einem Schlossbau wird in den Jahren von 1584 bis 1592 berichtet, und 1597 wird Thurndorf Richteramt mit Ausübung der Gerichtsbarkeit, des Notariats, der Inventur, Ausübung der Polizeigewalt und Leitung der Verwaltung.

Die Chronisten berichten, die Schweden hätten den Ort 1634 besetzt und ihr Unwesen getrieben. 1752 wurde dann die Kalvarienbergkapelle errichtet, aufgrund eines Gelübdes der Überlebenden der Pest. In den Jahren von 1679 bis 1672 herrschte im Land eine große Hungersnot. Die Leute rauften sich um die Eicheln, mischten unter die Kleie gemahlene Baumrinde und backten daraus Brot.

Im Jahr 1803 wurde das Landgericht aufgelöst und das Marktrecht aufgehoben, da die Bürgerschaft keinen neuen Antrag gestellt hatte. Zwischen 1810 bis 1816 wurde die baufällige Kirche auf die heutige Größe ausgebaut. Die Feuerwehr wurde 1871 gegründet.

Viele Betriebe

In einer Ortsbeschreibung aus dem Jahr 1915 steht: Thurndorf ist ein Pfarrdorf mit 74 Häusern, 80 Familien und 468 Einwohnern. Neben der Landwirtschaft gab es damals viele Gewerbe- und Handwerksbetriebe: einen Bäcker, zwei Metzger, drei Wirte, 40 brauberechtigte Bürger, fünf Krämer, drei Schuster, drei Schneider, zwei Weber, einen Schmied, einen Wagner, zwei Püttner, einen Schreiner, einen Zimmermann und einen Maurer.

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