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Tiere brüllten, Menschen schrieen: Halb Siegritz war zerstört

Vor 50 Jahren wurde kleines Dorf in der Fränkischen Schweiz von verheerendem Großbrand heimgesucht - 24.07.2019 14:30 Uhr

Katastrophe vor 40 Jahren: Schnell hatte sich das Feuer über mehrere Häuser in Siegritz ausgebreitet. © Wolf


Der Großbrand im Jahr 1969 veränderte Siegritz. Das Dorf mit den Gemeindeteilen Leidingshof, Veilbronn und Neudorf, war bis 1972 mit insgesamt 313 Einwohnern eine selbstständige Gemeinde. Die Schule und Kirche (Betsaal) waren neben den zwei Wirtshäusern Mittelpunkt einer fast ausschließlich landwirtschaftlich orientierten Ortschaft. Der Dorfkern war dicht gebaut. Aus diesem Grund griff das Feuer auch schnell auf die Nachbarhäuser über.

Die Flurbereinigung, die 1962 begann, war in den letzten Zügen. Die Wege waren gebaut und die Voraussetzungen für eine großzügige Zusammenlegung waren geschaffen. Die Bauern warteten voller Hoffnung auf die Neuzuteilung der Grundstücke, weil sie sich so eine bessere Rendite ausrechneten.

Katastrophe am Morgen

Dann kam der 24. Juli, ein Tag wie alle anderen - beinahe! Es war der erste Ferientag. Die Bauern arbeiteten auf ihren Feldern. Auch Schulkinder halfen zum Teil mit. Bis 10.35 Uhr war alles ganz normal. Doch dann brach im Anwesen Hennig, Nummer 25, ein Feuer aus. Um 10.40 Uhr wurde die Polizei in Ebermannstadt alarmiert. Die wenigen Leute, die schnell an den Brandherd geeilt waren, stellten fest, dass sich das Feuer innerhalb kürzester Zeit ausbreitete.

Die örtliche Feuerwehr mit ihrer Tragkraftspritze, die anfangs nicht funktionierte, war den Flammen in keinster Weise gewachsen. Der damalige Bürgermeister Hans Scheuring forderte sofort Verstärkung an. Viele dachten, wie soll das ausgehen, wenn nicht bald Hilfe und Unterstützung kommt? Es ging drunter und drüber: Tiere brüllten, Menschen schrieen, die Flammen wurden immer größer, der Rauch verdeckte vieles.

Eine Wehr nach der anderen rückte an

Dann nahte Rettung: Eine Feuerwehr nach der anderen rollte ins Dorf ein, doch das Feuer wütete heftig - ein Anwesen nach dem anderen wurde erfasst. Der damalige Kreisbrandinspektor Konrad Stenglein aus Breitenlesau und Walter Lahres vom Landratsamt Ebermannstadt versuchten, bei der Bekämpfung der Flammen für Ordnung zu sorgen. Alle Feuerwehren waren darauf bedacht, dass sich das Feuer, nachdem es bereits die Anwesen Hennig, Hausnummer 25, Hennig 24, Hofmann 23, Krämer 22 und Trauter 26, erfasst hatte, nicht noch mehr ausbreitete.

Immer mehr Feuerwehren kamen, um die Wehrmänner aus Siegritz und den Nachbarorten bei dem scheinbar aussichtslosen Kampf gegen die Flammen zu unterstützen. Auch die großen Feuerwehren Ebermannstadt, Hollfeld und Forchheim unterstützten die kleinen Wehren aus Heiligenstadt, Aufseß, Oberfellendorf, Pretzfeld, Streitberg, Stücht, Oberleinleiter, Weilersbach, Wüstenstein, Traindorf, Unterleinleiter und Reuth.

Dennoch brannte das Anwesen Hennig 24 total nieder. Bis zur Erschöpfung kämpften die Feuerwehrmänner und die Bewohner gegen die Flammen. Das Vieh musste aus den Ställen geholt werden. Es war ein Glück, dass so viele Helfer zur Stelle waren. Einige Arbeiter der Firma Hofmann aus Heiligenstadt waren unter den Ersten und holten Rinder und Schweine aus den Ställen. Trotzdem kamen viele Tiere um oder mussten Tage später wegen Rauchvergiftung getötet werden.

Die Bewohner wollten ihr Hab und Gut retten und dabei hatte mancher vergessen, sich selbst zu schützen. Das Vieh rannte durch die Straßen. Bretter flogen, Heu- und Strohreste zischten durch die Luft. Funken flogen im Ort und in der Flur. Fahrzeuge und Benzinfässer wurden, soweit es möglich war, von den Bewohnern und von den Wehrmännern aus den Anwesen geholt, teilweise unter Einsatz des eigenen Lebens.

Reicht das Wasser?

Da und dort fing es an zu brennen, Funkenflug verursachte kleinere Feuer, die rechtzeitig gelöscht werden konnten. Und dann die Angst, dass das Wasser nicht reichen würde. Ohne die beiden Wasserbehälter, die ein Jahr vorher gebaut worden waren, wäre die Katastrophe noch schlimmer ausgefallen. Die Frage war: Schaffen es die Feuerwehren, dieses Feuer, das immer wieder vom Wind neue Nahrung erhielt, zu löschen?

Eine Schlauchleitung wurde zur rund zwei Kilometern entfernten Leinleiter bei Veilbronn gelegt, um zusätzliches Wasser heranzubefördern. Gegen 12.30 Uhr hatten die Feuerwehrmänner das Feuer unter Kontrolle.

Die auswärtigen Feuerwehren verließen nach und nach den Ort; einige blieben zurück, um ein Wiederaufleben des Brandes zu verhindern. Der verheerende Brand hatte die alte Dorfmitte zu einer einzigen Ruine gemacht - zerfallene Mauern, verkohlte Balken, verbrannte Maschinen - Bilder, die die Bewohner bis heute nicht vergessen haben. 

GEORG WOLF

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