Samstag, 17.04.2021

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Tour zu Frauenschuh und Fliegen-Ragwurz

Landesbund für Vogelschutz stellte Orchideen-Schutzprojekt Regierungsvertretern vor - 11.06.2009

Durch den Orchideenwald wanderten Regierungspräsident Wilhelm Wening (2. v.on links), Herbert Rebhan (links) und Manfred Löbl zusammen mit LBV-Chef Helmut Beran (rechts).

05.02.2011 © Volz


Der Landesbund für Vogelschutz hatte Wenning eingeladen und mit ihm kamen auch Bereichsleiter Manfred Löbl und Sachgebietsleiter Naturschutz, Herbert Rebahn von der Regierung. Der Leiter der LBV-Dienststelle Lindenhof in Bayreuth, Diplom-Biologe Helmut Beran, informierte die Regierungsvertreter über das Projekt zum Schutz orchideenreicher Kalkbuchenwälder im Raum Betzenstein - ein Projekt, das der LBV seit langem betreut.

Vor zehn Jahren hat der Landesbund für Vogelschutz ein rund zwei Hektar großes Stück Wald gepachtet. Seit dieser Zeit werden jedes Jahr in freiwilligen Arbeitseinsätzen des 2000 Mitglieder zählenden Kreisverbandes Teile des dichten Fichtenbestands beseitigt und in der Folge wird Jahr für Jahr die Zahl der blühenden Orchideen immer größer. Waren es am Anfang gut 100 Frauenschuhpflanzen, so sind es heute schon über 300, die zum Blühen kommen. Dazu kommen noch die zu Beginn erwähnten Orchideenarten, deren Zahl ebenfalls von Jahr zu Jahr steigt. «Manchmal liegen die Samen jahrzehntelang im Boden und wenn dann ein bisschen Licht bis auf den Boden fällt, wachen Frauenschuh und andere seltene Arten wieder auf», erläuterte Helmut Beran. Viele hundert Arbeitsstunden hat der LBV in diesen Wald investiert, um ihn lichter zu machen.

Äußerst vorsichtig «arbeitete» sich nun die kleine Delegation durch den Wald. Alle Teilnehmer der Wanderung bewegten sich ganz umsichtig, weil ihnen plötzlich klar wurde, dass in diesem Gebiet praktisch überall Orchideen blühen, verblüht sind oder demnächst zum Blühen kommen. Erst am Schluss der Tour wurden noch einige prachtvolle Stauden des Frauenschuhs entdeckt, sogar mit mehreren Blüten. Anderswo waren nur noch die Samenkapseln zu entdecken, denn die Hauptblüte war schon im Mai.

Engagement gelobt

Helmut Beran wollte der Regierung von Oberfranken das Projekt vorstellen, weil sie sich schließlich mit einem Zuschuss an den Kosten beteiligt hat. Weitere Mittel flossen aus dem Naturschutzfonds, der mit Geld aus der «Glücksspirale» gespeist wird. Der Regierungspräsident war sehr erstaunt über das, was ihm gezeigt wurde und er lobte das Engagement des LBV. Diese prachtvollen Gewächse könnten doch auch das Ziel von Spaziergängern oder Wanderer sein, hakte Wilhelm Wenning nach. Das sei nicht zu verhindern, meinte dazu Helmut Beran, denn man könne die Orchideen nicht bewachen.

Keinen Erfolg habe man auch, wenn die Orchideen ausgegraben und im eigenen Garten eingepflanzt werden, denn dort wachsen sie nicht. Das Geld sei gut angelegt, zeigte sich der Regierungspräsident überzeugt, zumal die Auslichtungen in Eigenregie erledigt werden. Weitere Fichtendickichte werden noch in diesem Jahr beseitigt, so dass, so hofft der LBV, im Lauf der Zeit weitere Orchideen ans Licht kommen.

Die Arbeit gehe auch danach nicht aus, denn bereits jetzt müsse man an die Nachpflege denken. «Mit den Orchideen kommt der Nachwuchs an Bäumen, wenn er auch vom Wild in den Wintermonaten gestutzt wird», meinte Beran und Wenning ergänzte, dass wenigstens hier der «Verbiss» durch das Wild einmal positiv sei.

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