Montag, 23.11.2020

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Traditionsreiche Hochstahler Wirtschaft schließt ihre Pforten

Am 30. November endet eine lange Wirtshaustradition - 22.10.2020 15:55 Uhr

Die Brauereigaststätte Reichold in Hochstahl: Ende November endet hier eine lange Wirtshaustradition, denn Hilmar Reichold gibt das Gaststättengeschäft auf. Die Brauerei wird weiter betrieben und für Bierwanderer soll es während der Saison wenigstens am Samstag einen Außenausschank geben.

21.10.2020 © Foto: Manfred Scherer


Wer Katinka Reicholds legendäres Wirsinggemüse noch mal genießen will, muss sich beeilen: Sie und ihr Mann Hilmar sperren ab dem 30. November ihr Wirtshaus in Hochstahl zu – für immer. Damit endet in Hochstahl eine über 100 Jahre dauernde Wirtshaustradition. Hilmar Reichold sagt: Die Corona-Krise ist nicht der Hauptgrund, nur der letzte Tropfen, der das "Fass zu Überlaufen" brachte.

Personalmangel

Es sind Altersgründe und Personalmangel, die Hilmar und Katinka Reichold zu ihrem Entschluss brachten. Hilmar Reichold ist 66 und hat zwei kaputte Hüften, wie er sagt. Seine Frau Katinka ist 62 und leitete die Küche des großen Wirtshauses über Jahrzehnte. 1982 übernahm Hilmar den Betrieb von seinem Vater Felix. Davor führte Hilmars Großvater Hans Reichold die Gaststätte seit 1927. Im Jahr 1906 kam das Anwesen in Familienbesitz, als Hilmar Reicholds Urgroßvater Johann das damals größte Ökonomiegut des Frankenjura, die damalige Brauerei von Friedrich Westermeyer, für 93  000 Mark kaufte, wie es auf Reicholds Internetseite heißt.

Wichtiger Baustein

Seither hat sich viel getan: Die Brauereigaststätte Reichold wurde ein wichtiger Baustein des Aufseßer Bierwanderwegs – den wohl mit Abstand größten Andrang jemals erlebte das Haus in diesem Sommer, als der Corona-Lockdown geendet hatte und die Bierwanderer den Brauereienweg überrannten.

Doch der Zustrom hatte auch Schattenseiten: Der Corona-Regelstress, die Abstandsgebote, Maskenpflicht, die andauernde Angst, bei nur einer Erkrankung in der Küche zumachen zu müssen – das gab bei den Reicholds den letzten Ausschlag für eine Entscheidung, die zuvor schon sehr weit gereift war.

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Hilmar Reichold sagt, das Personal in der Küche sei durchweg im Rentenalter oder kurz davor. "Wir haben erfolglos versucht Personal zu finden. Und wir haben keinen Nachfolger." Da sei der Entschluss gefallen: Das Wirtshaus wird geschlossen. Im Haus wird nur mehr eine Frühstückspension betrieben. Zurzeit hat das Gasthaus 27 Pensionszimmer. Hinter dem Haus hat Reichold einen großen Wohnmobil-Stellplatz mit 38 Plätzen – auch hier geht es weiter. Die Brauerei wird von Hilmar Reichold und seinem Sohn Jörg weiterbetrieben.

Nicht ganz ausklinken

Ganz aus dem Bierwanderweg wird Reichold sich nicht ausklinken: Ab Ostern kommenden Jahres wird es zumindest am Samstag einen Ausschank von Fassbier im Hof für Bierwanderer geben. Ob er das auch am Sonntag machen will, das weiß Hilmar Reichold heute noch nicht.

Das heißt: In der Hochzeit der Bierwander-Saison fallen Hunderte von Essen weg. "Das war schon ein Eckpfeiler des Bierwanderwegs. Traurig ist das", sagt der Aufseßer Bürgermeister Alexander Schrüfer, und: "Ich kann aber die Beweggründe verstehen."

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Und gleichzeitig ist Schrüfer froh, dass es wenigstens in abgespeckter Form weitergeht. Er denkt darüber nach, mit örtlichen Vereinen zu sprechen, ob es die Möglichkeit gibt, in Hochstahl ab und an mal eine Bratwurstbude aufzustellen.

MANFRED SCHERER

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