Trauer um Retterin des Hollfelder Kinos Ursula Scheicher

6.6.2021, 23:59 Uhr
Ursula Scheicher im Kintopp, das bis 1977 die „Stadtlichtspiele“ war.

Ursula Scheicher im Kintopp, das bis 1977 die „Stadtlichtspiele“ war. © gel

Ruth Dorman, Geschäftsführerin des Kintopps, erinnert sich noch gut an die frühere Redakteurin beim ZDF und erzählt: "Ich bin 1994 nach Hollfeld gekommen, hatte keine Ahnung von Kino." Scheicher hatte zu diesem Zeitpunkt "jemand fürs Büro" gesucht. Dormann war die Richtige – der Beginn einer langen Partnerschaft: "Sie war nicht nur meine Chefin, sie wurde zu meiner Freundin. Einer Freundin, die immer für mich da war, wenn ich Sorgen hatte".

Heute wohnt Dormann in Scheichers früherer Wohnung an der Wiesent. Diese hatte Scheicher verlassen müssen, als es "einfach nicht mehr ging". Die Ehrenbürgerin Hollfelds zog in ein Pflegeheim nach Waischenfeld, dort lebte sie, bis sich ihr Zustand verschlechterte, "seit März war sie bei ihrer Familie in Taunusstein". Der Wechsel ins Heim war für Scheicher ein schwerer Schritt, "sie war es immer gewohnt, auf Achse und selbstständig unterwegs zu sein", berichtet Dormann.

Corona habe den Kontakt zu ihrer Freundin massiv beeinträchtigt, "aber er war immer da". Auch Winfried Hartl, Vorsitzender der Kintopp-Freunde – jenes Vereins, der als Träger für das Kino fungiert – tut sich schwer mit dem Tod von Scheicher: Ja, sagt er, "sie hat das Kino damals gerettet". Und mehr noch, sie habe es durch ihre Kreativität so zukunftssicher aufgestellt, dass es selbst nach den Pandemie-Zeiten beste Überlebenschancen besitze.

Ihr großer Wurf sei der Einbau einer Bühne gewesen. Denn: "Das ermöglicht es, hier nicht nur Filme zu zeigen, sondern auch Veranstaltungen zu organisieren, vor allem im kulturellen Bereich", sagt Hartl. Ihre Idee war es ferner, die Zahl der Sitzplätze zu reduzieren und so mehr Beinfreiheit und Komfort für die Gäste zu erreichen.

Bürgermeister Hartmut Stern erzählt, er habe bei der Nachricht vom Tod Scheichers eine Gänsehaut bekommen. Sie habe mit ihrem Einsatz für das Kintopp "das Kulturleben von Hollfeld geprägt".

Unabhängig davon sei sie ein "besonderer Mensch" gewesen, dessen Wirken sich immer noch mit so mancher Anekdote in zahlreichen Gesprächen widerspiegele. Ein berühmter Satz von ihr lautete: "Andere haben eine Yacht, ich habe ein Kino." 2011 gab sie es ab, das seit 2014 von einem Trägerverein geführt wird.

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