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Donnerstag, 25.04.2019

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Traumergebnis für NN-Spendenaktion: 44.697 Euro

Heimische Firmen gaben 22 730 Euro für den guten Zweck — Auch viele Privatspenden - 09.01.2018 21:05 Uhr

Mit der Aktion "Schmücken & Helfen" unterstützen NN-Leser seit vielen Jahren bedürftige Menschen in der Region.


Die gute Hälfte (22 730 Euro) der diesjährigen Spendensumme stammt von heimischen Firmen: Beka, KSB, vfm, Kaiserbräu, HD-Bau, Sparkasse, Klubert + Schmidt, Neuschnell, Maier-Bau, Trendraum-Friseurstudio Creußen, Estrich-Neubauer, Schatzbau, Möbel Dettenhöfer, Optik Altkofer, YO-Licht- und Energieplanung, Reschke & Weiß. 1000 Euro kamen vom Landkreis, von der Stadt und den NN. 200 Euro gab das P-Seminar des Gymnasiums. Unsere Lesern spendeten insgesamt 7012 Euro.

Beiträge erhöht

14 000 Euro steuerte "Freude für Alle" aus Nürnberg bei, die Mutter der Aktion "Schmücken & Helfen". Die Gesamtsumme von 44 697 Euro ist ein Rekord in der Geschichte der NN-Aktion. In guten Jahren kamen bislang rund 35 000 Euro zusammen. Verursacht haben den Aufschwung neu dazu gekommene Firmen und erhöhte Beiträge mancher bisheriger Unternehmen.

Etwa die Hälfte der Spenden gab Ex-Redakteur Thomas Knauber, der die Aktion betreut, an Diakonie, Caritas und Pfarreien weiter, auch an Einzelinitiativen. Zum Beispiel gibt es in Auerbach und Neuhaus sehr engagierte Frauen, die seit Jahren ehrenamtlich für jeden Notfall da sind und sich aufopfern, egal wie mühsam und langwierig die Amtswege für die Betreuten sind.

Von den über 120 Spenden, die Knauber verteilte — in Pegnitz unterstützt von seinem früheren Redaktionsleiter Richard Reinl — ging auch ein Betrag an eine junge Frau A., die seit Beginn der NN-Aktion berücksichtigt wird. Sie war schwerst behindert, als Thomas Knauber sie einst kennengelernt hat, und ist es bis heute. Inzwischen ist A. zwar 22 Jahre alt, aber sie liegt in ihrem Bett nahezu unfähig, sich zu bewegen, und wird rund um die Uhr von Pflegerinnen betreut.

Durch Therapien geschoben

A. wurde in eine große Familie hineingeboren. Sie sollte das letzte der Kinder sein. Ihre schwangere Mutter hatte einen Unfall, der ihr und dem werdenden Baby fast das Leben gekostet hätte. Die Mutter ist heute noch einem Chirurgen in Bayreuth dankbar, der ihr abgetrennte Gliedmaßen so gut wieder anfügen konnte — was Medizinkollegen nicht für möglich gehalten hatten.

Doch für ihr letztes Kind konnte niemand etwas tun. Es wuchs wie gelähmt auf, wurde von Klinik zu Klinik gebracht und von Hoffnung zu Hoffnung durch Therapien geschoben. Seither hat A. ein schweres Jahr in einem Spezialkrankenhaus hinter sich, aus dem sie mit der Diagnose entlassen wurde: Es wird wohl zum Sterben kommen. Das Palliativteam stand schon bereit. Aber A. erholte sich. Die Ärzte sagten: "Das ist eine Ausnahme, ein Wunder."

Dann kam trotzdem noch eine Krise: A. verschluckte sich an Schleim und war klinisch tot. Aber zwei Krankenschwestern, die zufällig in der Nähe waren, reanimierten sie. A. überlebte. Um solch ein Ersticken künftig zu vermeiden, empfahlen die Ärzte eine künstliche Sauerstoffzuführungüber den Hals. Die Mutter rang vier Tage mit sich, ob sie dem zustimmen sollte, weil A. so nicht mehr sprechen, keinen ihrer kleinen Laute äußern kann. Aber A. fand andere Wege: Sie gibt jetzt minimal Zeichen, wenn ihr etwas gefällt oder missfällt.

"Sie kriegt alles mit", ist ihre Mutter überzeugt. Wechselt zum Beispiel eine unbekannte Pflegerin neu in den Dienst, streikt sie. Wird sie zu etwas gedrängt, macht sie sich völlig steif. "Bei ihr muss alles ganz langsam gehen."

Das Spendengeld unserer Leser erreichte auch wieder jenen älteren Mann, der anfangs glücklich in einem einfachsten Zimmer gewohnt hatte, mit Konservendosen als Bettfuß und einem Besenstiel quer als Garderobe. Dann kam plötzlich ein Schlaganfall. Der Mann wurde ins Altersheim gebracht. Dort sitzt er seitdem im Rollstuhl. Behalten hat er seinen Humor. "Ich bin zufrieden, ich bin immer zufrieden", sagt er mit stiller Fröhlichkeit. Zwar wurde er rapide dicker und es ist jetzt ein Risiko für ihn, allein Gehversuche zu machen. Aber er hat seine Ergotherapie und eine Beruhigung: "Wenn ich blind wär’, das wäre schlimm. Oder wenn ich so schwach im Rollstuhl sitzen tät’ wie die alten Frauen vorn im Essraum."

Dieser Mann hatte kein leichtes Leben. Im Rückblick sagt er, dass er regelmäßig Schicksalsschläge einstecken musste. So hatte sein Vater einen Beruf, der die Familie in Oberfranken von Stadt zu Stadt ziehen ließ. Der kleine Junge landete deshalb auch oft bei den Großmüttern. Dann starb seine Mutter, und der Vater heiratete wieder. Er sagte seinem Jungen klar: Die neue Frau habe Vorrang, das neue gemeinsame Kind auch, und die kurze, gute Zweisamkeit mit seinem eigenen Sohn sei vorbei.

Von Online-Anbietern überholt

Als Jugendlicher war der Spendenempfänger oft eingesperrt worden. Raus kam er mit der Lehrzeit. Er blieb aber nicht lange in seinem Beruf, sondern machte lukrative Nachtschichten in einer Weberei, um mehr Geld zu verdienen. In der Zeit ging er einmal zum Einkaufen in einen Laden, sprach mit dem Besitzer und hörte: Der sucht einen Geschäftsführer. Diese Aufgabe übernahm der junge Mann und kaufte später gar das Geschäft. Aber er hatte nicht mit dem aufkommenden Internet gerechnet.

Vor knapp zehn Jahren war Schluss. Die Online-Anbieter hatten ihn überrundet. Was der ältere Herr heute noch hat, sind wenige Freunde bei einem Stammtisch. Und seinen Fernseher. Der zeigt ihm die Welt, er bringt ihm Hollywood-Filme, die von jeher sein Traum sind und ihn seit Jahren beflügeln. 

fca

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