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Trifft die Holzknappheit die Region?

In der Corona-Pandemie wird der Baustoff zum knappen Gut - 03.05.2021 16:47 Uhr

Die Baumstämme stapeln sich: Noch bekommt das Sägewerk Asmus in Pegnitz genügend Nachschub an Rohholz – das könnte sich jedoch bald ändern.

03.05.2021 © Foto: Christian Weidinger


Es sind vor allem China und die USA, die den Markt leer kaufen. Gleichzeitig werden in den Wäldern um Pegnitz weniger Bäume gefällt. Hobby-Handwerker stehen immer öfter vor leeren Regalen und Profis bangen um ihre Aufträge. Eine Spurensuche vom Waldbesitzer bis zum Handwerker.

"Die Situation ist sogar noch schlimmer als viele vermuten", meint Martin Lenk, Inhaber der gleichnamigen Dachdeckerei in Pegnitz. Schon im Februar diesen Jahres habe er geahnt, dass Holz bald knapp wird. Deshalb hat er früh damit begonnen, sich einen kleinen Vorrat anzulegen.

Holzpreis verdoppelt sich

"Eigentlich haben wir dafür gar keinen Platz, wir mussten schon die Firmenwagen aus dem Lager holen", berichtet er. Das sei aber immer noch die bessere Alternative. Denn inzwischen habe sich der Holzpreis verdoppelt: "Vor wenigen Wochen kostete der Kubikmeter Brettschichtholz noch 500 Euro – inzwischen liegt er bei über 1000 Euro."

Doch das sei noch gar nicht das Schlimmste. "Mittlerweile rechnen wir mit Lieferzeiten von acht Wochen bis zu vier Monaten", sagt der Dachdeckermeister. Auf einer Baustelle sei es dadurch schon zu einer Verzögerung gekommen – es wird nicht die letzte sein, wie er befürchtet. "Mich würde es wundern, wenn dieses Jahr alle Baustellen wie geplant fertig werden", sagt er.

Holz sei jedoch nicht das einzige Problem, auch andere Baustoffe sind immer schwieriger zu bekommen. "Inzwischen handelt es sich oft um Tagespreise bei Anlieferung", erzählt der Handwerker. Die Kalkulation seiner Angebote werde dadurch nicht einfacher, denn: "Wir wollen ja nicht wegen jeder Schraube gleich den Preis aufschlagen. Bis zu fünf Prozent übernehmen wir aus Kulanz". Lenk ist sich sicher: Setzt sich der Trend auf dem Holzmarkt fort, wird er für eine Delle auf dem Bau sorgen.

Am Sägewerk Asmus liegt es nicht, dass kein Holz auf den Markt kommt. "Noch haben wir keine Probleme mit dem Nachschub an Rohholz", berichtet Bernd Asmus, der Inhaber des Sägewerks. Das könne sich jedoch schnell ändern. Denn Käferholz werde seltener und habe zudem eine immer schlechtere Qualität. Das gleiche gilt für frisch gefällte, unbeschädigte Bäume. "Ich weiß nicht, warum die Waldbesitzer derzeit weniger Holz machen – vielleicht spekulieren sie auf steigende Preise", meint Asmus.

Liefermengen reduziert

Auch die Bayerischen Staatsforsten hätten ihre Liefermenge reduziert. Asmus rechnet derzeit mit etwa 20 Prozent weniger Einschlag. "Das kommt daher, dass der Nachhaltigkeitsgedanke eine zunehmend wichtigere Rolle spielt", erklärt er. Der Sägewerksbesitzer geht davon aus, dass es sich bei der Knappheit um keinen kurzfristigen Trend handelt. Wegen der Pandemie werde derzeit vor allem aus Tschechien deutlich weniger Holz nach Bayern geliefert.

Dazu kommt der Klimawandel und die damit verbundene Trockenheit. "Vor allem die Kiefer ist momentan der Verlierer des Klimawandels", erklärt Asmus. Bei der Fichte habe er das Gefühl, dass sich der Bestand langsam erholt. Allerdings: "Egal was das Wetter macht, die Nachfrage, die wir gerade haben, kann auf Dauer nicht mit heimischen Holz gedeckt werden", meint Asmus. Die Waldbesitzer in der Region sollten daher "langsam in die Puschen kommen", bevor die nächste Trockenperiode droht.

"Ich habe den Eindruck, dass derzeit genügend gefällt wird", betont Stefan Failner, Förster bei der Forstbetriebsgemeinschaft (FBG) Pegnitz. Das war vor zwei Jahren schon einmal anders, als der Borkenkäfer den Wald bedrohte und die Preise sinken ließ. "Der Festmeter Fichte kostete nur noch 25 bis 30 Euro. Normalerweise liegt er zwischen 80 und 90 Euro", erzählt Failner. Das habe natürlich Einfluss auf das Verhalten der privaten Waldbesitzer gehabt. Inzwischen habe der Preis sich stabilisiert und liege bei etwa 82 Euro.

"Die Waldbesitzer sehen, dass es sich wieder lohnt, Holz zu fällen", meint Werner Lautner, Vorsitzender der FBG. Allerdings komme der Preis, der derzeit im Großhandel gefordert wird, nicht bei den Waldbesitzern an.

Es könnte daher noch etwas dauern, bis deutlich mehr regionales Holz geschlagen wird. "Wenn der Frischholzpreis für Fichte zwischen 80 und 100 Euro liegt, wird das einen deutlichen Anreiz für die Waldbesitzer schaffen", prognostiziert er. In den kommenden Monaten sei damit allerdings nicht zu rechnen.

Steigen die Preise?

"Ich gehe davon aus, dass im Herbst und Winter die regionale Produktion deutlich steigen wird", sagt Lautner. Bis zu 10 000 Festmeter Holz könnten dadurch auf den Markt kommen. "Das hängt natürlich immer davon ab, wie stark die Bäume vom Borkenkäfer befallen waren", erläutert Lautner. Die Situation auf dem Holzmarkt dürfte das allerdings nur geringfügig verbessern, denn: Handwerker und Handel kaufen meist auf dem Großmarkt. "Regional wären die Lieferzeiten deutlich kürzer."

CHRISTIAN WEIDINGER

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