Sechs Jahre nach Bürgerversammlung

Trockau: Langes Warten auf Dorfladen

25.11.2021, 15:00 Uhr
Eigentlich würden sich die Trockauer Fahrtwege sparen und könnten mit einem Dorfladen nachhaltiger einkaufen. Doch es geht wenig voran bei dem Projekt.

Eigentlich würden sich die Trockauer Fahrtwege sparen und könnten mit einem Dorfladen nachhaltiger einkaufen. Doch es geht wenig voran bei dem Projekt. © Foto: Ralf Münch

"Das was hier abgelaufen ist, ist beschämend und eigentlich ein Angriff auf ehrenamtliches Engagement", sagt Stadtrat Hans Hümmer, Vorsitzender des Trockauer Bürgervereins und maßgeblicher Initiator des Dorfladens. Der ganze Ort schüttle den Kopf über die Stadt und vor allem die Regierung von Oberfranken. "Da ist ein ganzes Dorf unterwegs, um Versorgungsinfrastruktur zu schaffen, noch dazu in einem Fremdenverkehrsort, und nichts geht vorwärts", so Hümmer, "es ist kein Drive zu spüren, dass Stadt und Regierung sie mitnehmen." Es werde nur hin und her geschoben.

Baustatiker besorgt

Hümmer erinnert dran, dass er einst die Grundstücksverhandlungen geführt hat, damit die Stadt das Gebäude Marktplatz 6 in zentraler Lage erwerben konnte. Vor drei Jahren besorgte er den Baustatiker im Auftrag der Stadt, um feststellen zu lassen, ob das Gebäude sanierungsfähig ist, so wie es die Regierung wollte. "Aber eine Sanierung, so das Ergebnis, ist wirtschaftlich nicht vertretbar und steht in keinem Verhältnis zu einem Abriss und Neubau."

Der Stadtrat ist enttäuscht, dass sowohl Stadt, als auch Regierung alles liegengelassen haben. Hauptschuldige aber sei die Regierung, wo die Unterlagen drei Jahre lagen und nichts unternommen wurde. "Es ist allgemein bekannt, dass Gemeinden keine Förderprojekte umsetzen können, weil bei der Regierung zu wenig Personal zum Bearbeiten ist."

Es verwundere schon, dass üppige Fördermittel bereitstünden und wie Geschenke durch die Staatsregierung angekündigt, aber nicht verteilt werden könnten. Irgendwann habe er dann mit dem Leiter der Städtebauförderung doch Kontakt aufnehmen und sein Missfallen mitteilen können. "Das ist ein untragbares Vorgehen, die Regierung ist nicht in der Lage, Förderprogramme in Gang zu setzen." Der Mitarbeiter habe sich dann zwar entschuldigt, aber es gehe immer noch nicht weiter.

Und dann die Diskussion, ob es sich um ein Denkmalschutzobjekt handle. "Das Gebäude steht in keiner Denkmalschutzliste", betont Hümmer, "das ist für mich nur ein Teil der Verzögerungsstrategie."


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Hümmer ist sich sicher, dass der Dorfladen in Trockau kommt. Diese Form der dezentralen Infrastruktur sei ein wesentlicher Beitrag zum Klimaschutz. Auch über die Betreibermöglichkeiten – Genossenschaft oder GbR – habe man sich schon umfassend Gedanken gemacht, andere Beispielmodelle angeschaut. "Jetzt muss sich endlich die hauptamtliche Behördenstruktur mal bewegen."

"Für die Maßnahme Dorfladen Trockau wurden in den Haushalt 2019 Ausgaben von 15 000 Euro eingestellt", heißt es im Haushalt für heuer, der im Juli verabschiedet worden war. Nachdem für den Dorfladen Trockau ein innerörtliches Grundstück mit dem Leerstandsgebäude Marktplatz 6 – der ehemaligen Gaststätte Herlitz – erworben wurde, sei im Hinblick auf eine von der Regierung von Oberfranken geforderte Machbarkeitsstudie 2019 eine statische Beurteilung beauftragt worden.

Nicht wirtschaftlich?

Diese statische Beurteilung sei zum Ergebnis gekommen, dass "die Wirtschaftlichkeit der notwendigen Ertüchtigungsmaßnahmen offensichtlich nicht gegeben ist". Nun müsse das weitere Vorgehen gemeinsam mit dem möglichen künftigen Betreiber des Dorfladens und der Regierung von Oberfranken besprochen werden. "Für das weitere nach dieser Abstimmung festzulegende Vorgehen sind die Haushaltsreste vorerst ausreichend und zu übernehmen", heißt es in dem Bericht weiter.

"In den Haushalt 2021 wurden somit keine neuen Mittel eingestellt", sagt Bürgermeister Wolfgang Nierhoff. Im Hinblick auf die Finanzierung der Maßnahme müssten neben der Förderkulisse für den Bau eines Gebäudes auch der künftige Betrieb des Dorfladens und die damit zusammenhängenden laufenden Kosten für ein Gebäude geklärt werden. Gleichzeitig werde vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege die Denkmaleigenschaft des potenziellen Gebäudes geprüft. "Die diesbezügliche Einschätzung soll bis Anfang nächsten Jahres abgeschlossen sein", so Nierhoff weiter.

Thema im Stadtrat

Dann müsse damit und mit der bereits vorliegenden statischen Bewertung, mit der Bezirksregierung und dem Betreiber das Projekt "Dorfladen Trockau" besprochen werden. Danach würden mit dem Stadtrat die weiteren Schritte geklärt.

Eine Machbarkeitsstudie mit statischer Beurteilung, wie sie Pegnitz beauftragt habe, sei insbesondere bei Leerständen Voraussetzung für mögliche Förderungen, sagt die Sprecherin der Regierung von Oberfranken, Sabine Kerner. Denn es seien die haushaltsrechtlichen Grundsätze der Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit zu beachten. "Leider kam die statische Beurteilung tatsächlich zum Ergebnis, dass die Wirtschaftlichkeit der notwendigen Ertüchtigungsmaßnahmen offensichtlich nicht gegeben ist", so Kerner weiter. Das Projekt "Dorfladen" müsse daher neu ausgerichtet werden.

Es stelle sich nun vor allem die Frage nach der Denkmaleigenschaft des Gebäudes. Insbesondere dürfe die Städtebauförderung keine Maßnahmen unterstützen, die zum Abbruch eines Baudenkmals führten. "Gleichzeitig könnte bei Bestätigung der Denkmaleigenschaft die Wirtschaftlichkeit der Maßnahme neu bewertet werden", sagt Kerner. Die städtebauliche sei eine langfristige Aufgabe für die Städte, Märkte und Gemeinden, die diese selbstständig und eigenverantwortlich im Rahmen ihrer Planungshoheit und unter Beachtung der rechtlichen Vorgaben durchführen. Die Regierung unterstütze die Kommunen bei dieser Aufgabe sowohl fachlich als auch im Hinblick auf die bestmögliche Ausnutzung der Fördermittel.


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"Denkmäler sind von Menschen geschaffene Sachen oder Teile davon aus vergangener Zeit, deren Erhaltung wegen ihrer geschichtlichen, künstlerischen, städtebaulichen, wissenschaftlichen oder volkskundlichen Bedeutung im Interesse der Allgemeinheit liegt." So ist es im Bayerischen Denkmalschutzgesetzes geregelt. "Das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege prüft, ob die Kriterien erfüllt sind. Ist dies der Fall, wird das Objekt in die Denkmalliste eingetragen", sagt dessen Pressesprecherin Julia Steinbach. Dies geschehe momentan in Trockau.

Zum jetzigen Zeitpunkt, rund eine Woche nach der Ortseinsicht, könne jedoch weder ein Kommentar zum Zeitpunkt, wann das Prüfungsverfahren abgeschlossen sein wird, noch zum Ergebnis der Prüfung mitgeteilt werden. "Mit einem Abschluss der Prüfung ist nicht vor Jahresende zu rechnen", so Steinbach.

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