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Trotz Corona: Touristenorte stehen in Startlöchern

Was die Gemeinden in der Fränkischen Schweiz für die Zeit nach der Pandemie planen, ist vielfältig und einfallsreich. - 17.04.2020 17:53 Uhr

Die Natur erwacht über Gößweinstein. Wann der Tourismus wieder los geht, steht wegen Corona noch in den Sternen.

© Foto: Rosi Thiem


Margit Dippold vom Tourismusbüro Betzenstein: "Die derzeitige Lage ist vermutlich bei uns wie in den anderen Touristendestinationen in der Fränkischen Schweiz. Aufgrund der Betriebsuntersagungen dürfen touristische Vermieter keine Feriengäste beherbergen. Die Gastronomie ist geschlossen oder hat auf Mitnahmeservice umgestellt. Natürlich gibt es vorsichtige Gäste, die vorsorglich ihre Reise für spätere Monate stornieren. Wichtig zu wissen ist es für Gastgeber, dass kostenfreie Stornierungen nur während der Ausgangsbeschränkungen gelten. Absagen, die Buchungen nach diesem Zeitraum betreffen, fallen nicht in diesen Sonderstatus."

Im letzten Jahr gab es rund 45 000 Übernachtungen, so Dippold. "Das ist eine beachtliche Zahl im Hinblick auf die Größe unserer kleinen Gemeinde.". In Betzenstein haben 2019 einige neue Übernachtungsbetriebe geöffnet. Die Rückmeldungen waren laut Dippold durchwegs positiv: Manche Unterkünfte waren schon nach kurzer Zeit über Wochen ausgebucht. "Ein Wermutstropfen ist in Betzenstein, dass uns in den Jahren 2012 bis 2018 in der Stadtmitte vier Gastronomiebetriebe weggefallen sind. Montags und dienstags gibt es tagsüber keine Einkehrmöglichkeit in der Stadt. Es fehlt auch ein Tagescafé", ergänzt sie.

Der Steinerne Beutel, eines der Wahrzeichen von Waischenfeld, wartet auf Gäste. Wann es soweit ist, weiß im Moment noch niemand.

© Foto: Rosi Thiem


Im Moment ist, wie anderswo auch, das Tourismusbüro geschlossen und Dippold arbeitet im Homeoffice. "Für unsere Vermieter und Gastronomen ist das eine bittere Zeit. Touristische Übernachtungen dürfen momentan nicht stattfinden, so dass die Betriebe stillstehen. Ebenso die Gastronomie. Einige Betriebe haben komplett geschlossen, andere setzen auf einen Abholservice", erklärt die Tourismusfachfrau.

Gerade Vermieter wünschten sich eine Plattform, die die offenen Fragen zum Umgang mit der momentanen Situation beantwortet. "Ich habe mich bemüht, entsprechende Links zu recherchieren und auf unserer Internetseite veröffentlicht", führt sie aus und fügt hinzu: "Ende 2019 haben wir einen besonderen Wanderweg installiert: Den Pfad der Liebe, einen Pilgerweg für die Seele, der sieben Etappen zur Achtsamkeit beinhaltet. Auch wenn dieses Vorhaben vorher etwas belächelt wurde, avancierte dieser Wanderweg auf Anhieb zu einem Lieblingswanderweg für Gäste und für Einheimische, was uns besonders freut", bilanziert sie.

"Gerade in Zeiten wie der Krisensituation zeigt sich, welcher Schatz sich direkt vor unserer Haustür befindet. Wir können uns im Gegensatz zu vielen Stadtbewohnern noch relativ frei in der Natur bewegen, ohne irgendwo hinfahren zu müssen." Für heuer plant Betzenstein einige Naturprojekte für alle Altersstufen erlebbar zu machen. Die ausgezeichneten Naturangebote und Wanderwege sind auch in der Nachbarmarktgemeinde Plech ein großes Plus. Im Blick auf das vergangene Jahr verzeichnete der Ort eine steigende Frequenz am Höhlenweg und an dem Aktiv- und Entdeckerpfad, so Anja Heisinger, die Ansprechpartnerin für den Plecher Tourismus.

Ein Grund sei die VGN-Anbindung der Freizeitlinie. "Heuer bewerben wir den Kulturlandschaftsweg überregional", verrät Heisinger. "Auch besonders geschätzt wird der Wanderweg von Plech über die Weidenkirche weiter nach Bernheck, da er barrierefrei ist", meint Anja Heisinger und nennt für 2019 steigende Besucherzahlen beim Deutschen Kameramuseum.

"Ich finde die Beschränkungen richtig und wichtig. Auch wenn sie für viele einen gravierenden Einschnitt im gewohnten Alltag bedeuten, sollten wir Verantwortung übernehmen. Für uns und für andere. Gerade wenn man selbst schwerkranke Menschen in der Familie oder im Bekanntenkreis hat wird diese Verantwortung besonders deutlich. Vielleicht birgt diese Zeit auch die Chance, achtsamer zu werden, sich selbst und den Mitmenschen gegenüber, und sich auch mal mit etwas weniger zufrieden zu geben. Dadurch kann die Wertschätzung gegenüber den Annehmlichkeiten, die wir gewohnt sind, wachsen", so Margit Dippold.

Abwartende Gäste

"Derzeit gibt es überwiegend kurzfristige Stornierungen. Die ein oder andere Absage für den Sommer zeigt sich natürlich auch. Bisher verhalten sich unsere Gäste aber eher abwartend", erklärt Christin Kellner, die Leiterin der Touristinformation in Gößweinstein. Der Markt Gößweinstein wurde komplett zum Luftkurort prädikatisiert. Um allen, die Aufgrund der Ausgangsbeschränkungen daheim bleiben müssen, hat sich Kellner mit ihrem Team etwas ganz Besonderes einfallen lassen: "Wir werden ab sofort regelmäßig Videos auf Facebook und unserem Youtube-Kanal veröffentlichen, die neben den Gasthäusern und Freizeiteinrichtungen zeigen, wie schön es bei uns ist", so Kellner.

"Geplant und angedacht war in diesem Jahr eine Vermieterversammlung, jedoch aus anderen Gründen als der Corona-Pandemie. Wie sich dies nun aber entwickeln wird, steht zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht fest", betont die Leiterin. "Planungen gab es natürlich – wie jedes Jahr – viele. Im Moment müssen wir erst einmal sehen, was da auf uns zukommt und dann gegebenenfalls nachjustieren", räumt sie ein.

Ihr Hauptaugenmerk liege erst einmal darauf, die Vermieter und Leistungspartner so gut zu unterstützen, dass diese auch nach der Krise wieder öffnen können. "Auch unsere Vermieter sind natürlich verunsichert und abwartend. Keiner weiß, wann und unter welchen Voraussetzungen es weitergehen wird. Wir werden häufig von Vermietern kontaktiert und versuchen, diese bestmöglich über die neuesten Entwicklungen und Programme zu informieren", skizziert Kellner die Situation.

Für heuer sind weitere Themen bei den geführten Wanderungen aufgenommen worden. "Ebenso gibt es unter dem Motto ,LebensArt‘ nun auch eine Kulturreihe", verspricht Christin Kellner. Michaela Jöbstel vom Tourismusbüro Waischenfeld sagt dazu: "Spätestens ab Ostern beginnt bei uns normalerweise die Saison. Nun dürfen Hotels und Gaststätten nicht öffnen, es dürfen aktuell keine Gäste übernachten, die meisten Läden mussten schließen und Veranstaltungen sind momentan bis Ende August abgesagt. Das öffentliche Leben ist stillgelegt, unsere bekannten, geführten Brauereiwanderungen haben wir nun zunächst bis Anfang Mai abgesagt", klagt Jöbstel.

Und weiter erklärt sie: "Wir in der Tourist-Info Waischenfeld sind der Ansicht, dass aufgrund der aktuellen schwierigen Situation – nicht nur für den Tourismus, sondern auch für alle anderen Branchen – es momentan nicht unbedingt angebracht ist, über Zahlen, Fakten oder Statistiken zu sprechen. Es geht gerade vor allem um die Menschen, was sie bewegt und umtreibt und wie man sie unterstützen kann", so Jöbstel.

"Viele machen sich Sorgen, Manche bangen bereits jetzt um ihre Existenz. Darum hat das für uns nun auch erste Priorität. Neue Konzepte und Planungen werden erstmal hinten angestellt." Sie hofft, dass alle baldmöglichst gesund aus der Krise herausfinden und bittet: "Gegenseitige Hilfe, Verständnis, Geduld und ganz viel Menschlichkeit sind momentan wohl wichtiger denn je. Bitte unterstützen Sie daher alle unsere lokalen Geschäfte und Gasthöfe und nutzen Sie den angebotenen Abhol- und Lieferservice oder erwerben Sie Gutscheine".

ROSI THIEM

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